Reifenhersteller Michelin in der Krise? Das fünfte Werk schließt

Reifenhersteller Michelin in der Krise?
Das fünfte Werk schließt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.06.2026
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Michelin Lkw-Reifen
Foto: Michelin

Michelin setzt damit seine Standortkonsolidierung fort. Zuletzt hatte der Konzern bereits in Europa Werke geschlossen oder Schließungen angekündigt – unter anderem in Frankreich sowie in Deutschland (Hallstadt, Karlsruhe, Trier). Nun betrifft die Neuordnung die BFGoodrich-Fertigung in den USA. Michelin North America hat nach eigenen Angaben Beschäftigte, lokale Vertreter und weitere Stakeholder über die geplante Reorganisation informiert.

Die Umstellung soll "später in diesem Jahr" beginnen. Michelin will dabei nahezu die gesamte BFGoodrich-Produktion im Werk Fort Wayne bündeln. In Tuscaloosa soll der Rückbau in Phasen ab Anfang 2027 starten; zum Jahresende 2028 sollen die Aktivitäten enden. Betroffen sind laut Michelin rund 1.200 Beschäftigte. Am Standort sollen sowohl Reifenproduktion als auch Gummimischung schrittweise heruntergefahren werden.

Werk vorübergehend stillgelegt

Für Gespräche mit der Belegschaft hatte Michelin den Betrieb in Tuscaloosa vorübergehend gestoppt. Die Produktion sollte nach Unternehmensangaben am Montag, 29. Juni 2026, wieder regulär angelaufen sein. Solange die Übergangspläne ausgearbeitet werden, soll es keine Kündigungen geben.

Als Grund nennt Michelin, dass sowohl Tuscaloosa als auch Fort Wayne deutlich unter ihrer geplanten Kapazität arbeiten. Das führe zu strukturellen Ineffizienzen, die sich langfristig nicht tragen ließen. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf einen intensiveren Wettbewerb im Kernsegment von BFGoodrich, dem Recreation-/Offroad-Markt. Zwar betont Michelin, die Marke halte weiterhin einen starken Marktanteil, die Fertigungsstruktur müsse aber effizienter werden.

Michelin begründet die Wahl von Fort Wayne mit den Standortvoraussetzungen. Aufgrund von Größe, Werkslayout und Infrastruktur sei das Werk besser geeignet, Kapazitäten zu bündeln und künftige Nachfrage abzudecken. Terry Redmile, Senior Vice President Manufacturing Operations Americas, würdigte die Bedeutung der Teams in Tuscaloosa für die Marke, sagte aber zugleich, man habe "keine tragfähige Struktur" gefunden, um den Betrieb in Alabama fortzuführen und zugleich die Wirtschaftlichkeit im nordamerikanischen Werksverbund zu sichern.

Zu den Folgen für die Beschäftigten kündigt Michelin Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern an. Michelin will mit der Gewerkschaft über Abfindungen und weitere Regelungen für betroffene Beschäftigte verhandeln.

Nach Abschluss des Auslaufens will Michelin nach eigenen Angaben gemeinsam mit öffentlichen und privaten Partnern nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für das Gelände in Tuscaloosa suchen.

Fazit