Chinesische Autobauer gewinnen in Europa zunehmend Marktanteile. In Großbritannien liegt ihr gemeinsamer Anteil bereits bei mehr als 15 Prozent, auch in Deutschland wachsen Marken wie BYD, MG, Leapmotor oder Xpeng deutlich. BYD und Xpeng hatten bereits zur Jahresmitte mehr Fahrzeuge zugelassen als im gesamten Vorjahr. Für die Händler sollte das eigentlich eine gute Nachricht sein. Doch bei einigen Vertriebspartnern sorgt das schnelle Wachstum inzwischen für Frust.
Der Grund sind ausstehende Zahlungen. Ein deutscher Xpeng-Händler berichtet gegenüber der Automobilwoche, dass sein Unternehmen teilweise länger als ein halbes Jahr auf vertraglich vereinbarte Zahlungen warten müsse – etwa auf Leasingzuschüsse oder Quartalsboni. Pro Standort hätten sich dadurch offene Forderungen von mehreren hunderttausend Euro angesammelt. Interne Unterlagen aus dem Rechnungswesen sollen die Angaben belegen. Auch andere Xpeng-Partner bestätigen entsprechende Probleme.
Auch BYD-Händler warten auf hohe Beträge
"Die Zahlungsmoral von Xpeng ist unterirdisch", sagt der Händler. Für die Betriebe wird das vor allem deshalb zum Problem, weil sie den laufenden Geschäftsbetrieb und die Expansion zunächst selbst finanzieren müssen. Die Probleme beschränken sich offenbar nicht auf Xpeng. Auch bei BYD berichten Händler von langen Zahlungsfristen. Andreas Knipp, Vorstandsvorsitzender des BYD-Partnerverbands, formuliert es gegenüber den Kollegen der Automobilwoche zurückhaltend: Die Zahlungsdisziplin von BYD sei nicht mit dem vergleichbar, was Händler von anderen Marken gewohnt seien. Ausstände im mittleren sechsstelligen Bereich seien demnach keine Seltenheit.
Dabei geht es teilweise nicht einmal um besonders große Einzelbeträge. Laut Knipp müssen selbst Rechnungen im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich bis zu neun Freigabestufen durchlaufen. Einige davon liegen in China. Das kann die Auszahlung erheblich verzögern – selbst bei langjährigen Geschäftspartnern. Ein Händler kritisiert deshalb die Strategie deutlich: Nur möglichst viele Fahrzeuge in den Markt zu bringen und anschließend die finanziellen Folgen bei den Partnern liegen zu lassen, könne nicht funktionieren. Für die Händler wird das schnelle Wachstum damit paradoxerweise selbst zum Risiko.
Xpeng verweist auf stark gestiegene Zulassungen
Xpeng bestätigt die Verzögerungen grundsätzlich, weist aber den Verdacht einer bewussten Verschleppung zurück. Als Ursache nennt der Hersteller das starke Wachstum in Deutschland. Die deutlich höheren Zulassungszahlen hätten zu einem erheblich größeren Arbeitsaufwand geführt, wodurch sich die Bearbeitung einzelner Fälle verlängert habe. Der Hersteller habe deshalb in seiner Münchner Vertriebszentrale kurzfristig zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Außerdem seien interne Prozesse angepasst und manuelle Arbeitsschritte reduziert worden, um die Auszahlungen zu beschleunigen.
In China sorgt das Thema allerdings schon länger für Diskussionen. Die chinesische Regierung hatte die Autobranche im vergangenen Jahr dazu verpflichtet, Zulieferer innerhalb von 60 Tagen zu bezahlen. Laut einem ARD-Bericht gehörten Lieferanten von Xpeng zu denjenigen, die besonders lange auf ihr Geld warten mussten. Ein deutscher Xpeng-Händler sieht deshalb einen möglichen Zusammenhang und vermutet, dass der Hersteller seine eigene Liquidität durch möglichst späte Zahlungen schont.
BYD verspricht schnellere Abläufe
Auch bei BYD scheint das Unternehmen die internen Prozesse inzwischen zu überarbeiten. Nach Angaben des BYD-Partnerverbands habe sich die Situation zuletzt spürbar verbessert. Das deutsche Team habe die Zahlungsfrequenz erhöht und die Abläufe so verändert, dass notwendige Freigaben in China schneller erfolgen könnten. Lars Bialkowski, Country Manager von BYD Deutschland, betont ebenfalls die Bedeutung funktionierender administrativer und finanzieller Prozesse. Konkrete Verzögerungen bei Händlerzahlungen bestätigt BYD allerdings nicht.
Für die chinesischen Hersteller steht dabei mehr auf dem Spiel als nur die Zufriedenheit einzelner Händler. Gerade in der aktuellen Wachstumsphase sind sie auf ein dichtes und leistungsfähiges Vertriebsnetz angewiesen. Der schnelle Aufbau der Händlerstrukturen trägt maßgeblich zu den steigenden Zulassungszahlen bei.
Händler stoppen Expansion
Wenn die Partner allerdings das Gefühl bekommen, dass sie das Wachstum ihrer Marke vorfinanzieren müssen, kann das den weiteren Ausbau bremsen. Ein Xpeng-Händler hat seine Expansionspläne deshalb vorerst gestoppt. "Eigentlich wollten wir mit Xpeng expandieren. Diese Pläne liegen bis auf Weiteres auf Eis. Alternativ schauen wir uns nach anderen Marken um", sagt der Händler. Das ist für Xpeng und BYD ein Warnsignal. Beide Hersteller wollen ihre Händlernetze in Deutschland weiter ausbauen und ihre Marktanteile erhöhen. Dafür brauchen sie aber Partner, die bereit sind, in neue Standorte, Personal und Vorführwagen zu investieren.





