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Unfälle mit Fahrradfahrern vermeiden

So können die Unfallzahlen gesenkt werden

Insgesamt verunglückten im Vorjahr 88.850 Fahrradfahrer, 445 davon starben an den Folgen des Unfalls. Wie wir Autofahrer, die Hersteller und die Verkehrsplaner die Sicherheit von Radlern erhöhen können, lesen Sie hier.

Das Stichwort „Dooring“ haben Sie womöglich dieses Jahr schon mal in den Nachrichten gelesen oder gehört. So nennen Unfallforscher die Unfälle, bei denen ein Fahrradfahrer von einer sich öffnenden Autotür eines parkenden Autos getroffen wird. Warum ist das dieses Jahr so ein Thema? Weil die Zahl der im letzten Jahr tödlich verunglückten Fahrradfahrer mit 63 so hoch ist wie seit 2009 nicht mehr. Von den mehreren tausend Dooring-Unfällen pro Jahr gehen auch nur wenige glimpflich aus.

Vorschlag Nr. 1: Der Holländische Griff

Mit einem ganz einfachen Griff lassen sich Dooring-Unfälle zuverlässig vermeiden: Greifen Sie als Fahrer mit der rechten Hand nach dem Türgriff. In den Niederlanden lernen schon die Kinder im Fond, die Autotür mit der jeweils weiter entfernten Hand zu öffnen. So dreht sich nämlich automatisch der Oberkörper und der Blick fällt über die Schulter und checkt, ob die Luft rein ist – also, ob kein Fahrradfahrer, kein E-Scooter-Fahrer, aber auch kein Motorrad oder Auto herannaht.

Vorschlag Nr. 2: vorhandene Technik nutzen und weiterentwickeln

Totwinkel-Assistent: Den Totwinkel-Assistenten haben viele moderne Autos an Bord. Um Dooring-Unfälle zu verhindern wurde er bisher allerdings nicht eingesetzt. Könnte er aber. Was spricht dagegen, die Sensoren so einzustellen, dass er einen herannahenden Rad- oder E-Scooter-fahrer erkennt und den Autofahrer, der gerade aussteigen will warnt? Denkbar ist sogar, dass er bei Gefahr im Verzug, einen Widerstand beim Türöffnen erzeugt.

Berechtigt ist auch die Frage, ob es sinnvoll ist, dass elektrische Außenspiegel schon dann einklappen, so lange der Fahrer noch im Auto sitzt. Damit fehlt ihm nämlich eine wichtige Option, um den herannahenden Verkehr zu scannen. Autohersteller können hier ganz pragmatisch ansetzen, indem sie diese Möglichkeit erst gar nicht anbieten und die Außenspiegel erst dann einklappen können, wenn die Insassen das parkende Auto verlassen haben.

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Hilfreich wäre natürlich auch ein Signal, das Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer warnt, sobald ein Autoinsasse die Tür öffnet. Hierzu hat sich der Erfinder und Taxifahrer Zülfikar Celik Gedanken gemacht und ein Konzept entwickelt, womit jedes Auto aufgerüstet werden könnte: Sein Patent sieht vor, dass bereits vorhandene Leuchten am Fahrzeug (Bremslicht, Schlussleuchte oder Blinker) auf der jeweiligen Seite automatisch aktiviert wird, sobald eine Autotür geöffnet wird. Hierfür wäre eine kleine Programmierung der Bordelektronik ausreichend. Je nach Entfernung könnte der Radfahrer zwar nicht unbedingt immer rechtzeitig bremsen, aber die Chancen auf ein erfolgreiches Ausweichmanöver wären definitiv höher. Vor allem weil durch die aufleuchtenden Lichter am parkenden Auto auch andere herannahende Verkehrsteilnehmer gewarnt würden: „Achtung, da sitzt noch einer im Auto.“

Warum dieser recht einfache und kostengünstige Ansatz in der Industrie keinen Zuspruch findet, ist nicht so recht zu erklären – vor allem weil es an anderen, innovativen Lösungsansätzen zu mangeln scheint. Trotz der erschreckenden Fahrradunfallstatistik aus dem Jahr 2018 sind auch in diesem Jahr auf der IAA keine Vorschläge zu diesem Thema präsentiert worden.

Vorschlag Nr. 3: separate Ampelphasen

Abbiegeunfälle – vor allem mit Lkw – können Radfahrer und E-Scooter-Fahrer schnell das Leben kosten. Hier kann nicht nur der klassische Schulterblick und moderne Assistenzsysteme in Fahrzeugen helfen, sondern auch separate Ampelphasen. Ja, das wäre eine große Umgewöhnung – vor allem für Autofahrer. Wenn es im Zweifel aber um die Sicherheit geht, dann ist ein Umdenken womöglich notwendig.

Vorschlag Nr. 4: Hochbordradweg statt Radstreifen

Den einen optimalen Radweg gibt es (noch) nicht. Deshalb ist es hier umso wichtiger, sich bei der Planung so gut wie möglich auf die Möglichkeiten vor Ort einzustellen. Radstreifen werden vor allem in Städten gerne auf der bereits vorhandenen Fahrbahn angelegt und teilweise knallig bunt angemalt. Die meisten sind nur per gestrichelter Linie abgegrenzt, manche führen direkt an parkenden Autos entlang. Das birgt gleich drei Gefahrenpotentiale: Der Radweg signalisiert optisch Sicherheit und Abgrenzung, aber Autofahrer dürfen ihn wegen der gestrichelten Linie auch benutzen. Außerdem ist die Gefahr für Dooring-Unfälle groß und das bedeutet meist schwere Verletzungen oder gar den Tod für den Radler.

Extra Radwege, die von der Fahrbahn und auch dem Fußgängerweg getrennt sind, bieten die größte Sicherheit. Dafür ist aber oft kein Platz. Weshalb bei der Radwegplanung bei einigermaßen breiten Fufgängerwegen immer ein Hochbordradweg vorzuziehen ist. So fahren die Radler auch rechts an parkenden Autos vorbei, was die Gefahr auf Dooring-Unfälle natürlich minimiert.

Fazit

Klar, in der besten aller Welten werden Unfälle durch Rücksicht und Umsicht aller vermieden. Bei hohem Verkehrsaufkommen stellt uns das aber auch zunehmend vor große Herausforderungen. Da schadet es bestimmt nicht, wenn vor allem bereits vorhandene Assistenzsysteme dahingehend erweitert werden, Dooring-Unfälle zu vermeiden. Es scheint, als habe die Radler-Lobby da ein bisschen Unterstützung nötig.

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