Die Formel 1 soll demnächst wieder verstärkt im Free-TV laufen. Die wichtigste Rennserie der Welt ohne zusätzliche Gebühren – was kann man da schon meckern? Doch die Übernahme des Pay-TV-Senders Sky durch die RTL-Gruppe hat für die Fans nicht nur positive Auswirkungen. Wo die Reise hingehen könnte, davon bekam man nun beim Monaco-Rennwochenende einen ersten Eindruck.
Bisher waren die Übertragungen der beiden Sender strikt getrennt. Die Sky-Berichterstattung lief komplett unabhängig davon, ob auch RTL parallel ein Rennen gezeigt hat oder nicht. Im Free-TV wurde beim ganzen Drumherum eine ganz andere Show gezeigt. Der Kölner Sender schickte seine eigenen Moderatoren und Experten an die Strecke und setzte auch einen speziellen Fokus bei den Inhalten.
Es ist ja auch ganz logisch, dass im Free-TV eine ganz andere Zuschauergruppe angesprochen werden muss. Die Formel 1 hatte bei der Ausarbeitung der Rechteverträge darauf bestanden, dass ausgewählte Rennen im frei empfangbaren Fernsehen laufen müssen, um neue Fans zu gewinnen, die das Geschehen in der Königsklasse sonst nicht regelmäßig verfolgen.

RTL setzt den Fokus traditionell auf eher buntere Themen.
RTL-Fokus auf Gelegenheitszuschauer
Auf diese Gelegenheitszuschauer war das Programm dann auch zugeschnitten. In den Vorberichten wurde das Publikum erst einmal auf den neuesten Stand gebracht. Die Kommentatoren waren stets bemüht, neue Regeln und Fachbegriffe – wenn nötig auch mehrmals – zu erklären. Es ist eine der großen Stärken von RTL-Experte Christian Danner, komplizierte Sachverhalte in wenigen Worten verständlich rüberzubringen.
Wer dagegen regelmäßig bei Sky reinschaut, der dürfte nun nach sechs Rennen schon wissen, was Superclipping ist, wie ein Undercut funktioniert und dass mit Audi und Cadillac nun zwei neue Teams am Start stehen. Die Herausforderung der neuen Kooperation besteht darin, zwei unterschiedliche Zuschauergruppen mit unterschiedlichen Interessen anzusprechen.
Der traditionelle RTL-Zuschauer dürfte sicher weniger Probleme damit haben, wenn Kai Ebel mit Lukas Podolski im Rahmen der F1-Übertragung über die Fußball-Nationalmannschaft plaudert. Wer dagegen extra Geld dafür ausgibt, um bei Sky alle Hintergründe zum aktuellen Rennwochenende zu bekommen, der dürfte mit dem Auftritt von Promi-Expertin Frauke Ludowig eher weniger anfangen können.
Kritik der Hardcore-Fans
Entsprechend kritisch fielen dann auch die Reaktionen in den Formel-1-Fachforen zur ersten gemeinsamen Übertragung aus Monaco aus. Viele Fans ärgerten sich auch einfach darüber, dass dem RTL-Zuschauer das identische Rahmenprogramm gratis geboten wurde, für das der Sky-Abonnent viel Geld zahlen muss.
Nur während der Sessions fuhren die Sender zweigleisig. Um die Werbeblöcke vernünftig anzumoderieren, hatte RTL sein bewährtes Kommentatoren-Duo in der Kölner Zentrale am Start. Bei Sky lief das Rennen wie gewohnt ohne Unterbrechungen mit Kommentatoren vor Ort an der Strecke.
Die Frage lautet nun, wie es weitergeht. War der Fokus auf Promis und bunte Randgeschichten nur der Tatsache geschuldet, dass es sich um das Monaco-Wochenende handelte, bei dem Glitz und Glamour bekanntlich mehr als eine Nebenrolle spielt? Oder wird die Sky-Berichterstattung in Zukunft generell etwas bunter, um auch den Gelegenheitszuschauer bei der Stange zu halten?
Noch hat RTL nicht bekanntgegeben, wie man genau mit der Formel 1 weitermachen will. Es ist aber anzunehmen, dass künftig eher mehr Rennen im Free-TV gezeigt werden. Sieben Grands Prix dürften es auch 2026 werden. Am kommenden Wochenende in Barcelona geht es direkt mit der Übertragung des Qualifyings weiter. Man darf gespannt sein, ob die neue Sendergruppe den Spagat hinbekommt und die verschiedenen Zuschauergruppen zufriedenstellen kann.












