Für Autofahrer und Heimwerker liegt die eigentliche Gefahr häufig viel näher. Das Universitätsklinikum Münster warnte bereits vor Jahren ausdrücklich vor Infektionen "beim Ausmisten der Garage, des Kellers oder des Geräteschuppens". Hintergrund sind vor allem Ausscheidungen infizierter Nagetiere.
Die Viren werden über Kot, Urin oder Speichel von Mäusen ausgeschieden und können selbst in getrocknetem Zustand mehrere Tage infektiös bleiben. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn Staub aufgewirbelt wird und die Viruspartikel eingeatmet werden.
Besonders problematisch können daher sein:
- lange ungenutzte Garagen oder Scheunen
- abgestellte Fahrzeuge mit Mäusebefall
- Wohnmobile oder Cabrios nach der Winterpause
Gerade Fahrzeuge, die über Monate nicht bewegt wurden, bieten Mäusen oft ideale Rückzugsorte. Nistmaterial im Motorraum oder hinter Verkleidungen ist keine Seltenheit. Wer dort trocken auskehrt oder mit Druckluft arbeitet, kann infektiösen Staub einatmen.
So schützen sich Autofahrer vor dem Hantavirus
Behörden und Mediziner empfehlen vor allem eines: keinen Staub aufzuwirbeln.
Wer Garagen, Scheunen oder Fahrzeuge mit möglichem Mäusebefall reinigt, sollte deshalb besonders vorsichtig vorgehen. Räume sollten zunächst gründlich gelüftet werden. Staub und Mäusekot sollten nicht trocken entfernt werden, stattdessen empfehlen Experten ein feuchtes Wischen der betroffenen Flächen. Zusätzlich raten Behörden zum Tragen von Handschuhen und möglichst einer FFP2-Maske.
Von normalen Staubsaugern wird eher abgeraten, weil sie infektiösen Staub zusätzlich aufwirbeln können. Mäusekot oder Kadaver sollten vor der Beseitigung mit Desinfektionsmittel oder Wasser angefeuchtet werden. Anschließend gilt gründliches Händewaschen als besonders wichtig.
Auch Tierfutter, offene Lebensmittel oder Essensreste in Garagen können Mäuse anlocken. Deshalb empfehlen Experten außerdem, mögliche Eintrittsstellen abzudichten und potenzielle Nistmöglichkeiten zu beseitigen.
So läuft die Infektion ab
In Deutschland werden Hantaviren vor allem durch die Rötelmaus übertragen. Die Tiere selbst erkranken meist nicht, tragen das Virus aber lebenslang in sich. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch spielt bei den in Europa verbreiteten Virustypen normalerweise keine Rolle. Das Robert-Koch-Institut weist allerdings darauf hin, dass dies beim südamerikanischen Andes-Typ wie auf dem Kreuzfahrtschiff anders sein kann.
Viele Infektionen verlaufen mild oder bleiben sogar unbemerkt. In anderen Fällen kann die Erkrankung allerdings schwer verlaufen.
Typische Beschwerden:
Die Inkubationszeit liegt meist zwischen zwei und vier Wochen. Genau das macht die Erkrankung tückisch. Viele Betroffene bringen die Beschwerden zunächst nicht mit einer früheren Aufräumaktion oder Arbeiten in der Garage in Verbindung.
Das NRW-Gesundheitsministerium warnte bereits früh davor, dass Ärzte die Symptome anfangs leicht mit einer Grippe verwechseln könnten.
Keine Impfung und keine gezielte Therapie
Eine spezielle Therapie gegen Hantaviren gibt es bisher nicht. Behandelt werden vor allem die Symptome, etwa Fieber, Schmerzen oder Probleme mit der Nierenfunktion.
Auch eine allgemein verfügbare Impfung existiert bislang nicht. Deshalb gilt die Vermeidung einer Infektion als wichtigste Schutzmaßnahme.
Warum die Fallzahlen schwanken
Die Zahl der Hantavirus-Infektionen verändert sich von Jahr zu Jahr teils deutlich. Ursache dafür ist unter anderem die Population der Rötelmäuse.
Besonders viele Infektionen treten häufig nach sogenannten Buchenmastjahren auf. Dann gibt es besonders viele Bucheckern, wodurch sich Mäuse stark vermehren. Laut Experten spielen auch mildere Winter eine Rolle, weil dadurch mehr Tiere überleben.
Hantavirus in Süd- und Westdeutschland
Das Hantavirus ist in Deutschland nicht neu. Experten beobachten allerdings seit Jahren schwankende, teils deutlich steigende Fallzahlen. Das Robert-Koch-Institut registriert regelmäßig Infektionen, vor allem in Süd- und Westdeutschland. Besonders betroffen sind Regionen wie die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen oder der Raum Osnabrück.
Im aktuellen Fall auf dem Kreuzfahrtschiff geht die Weltgesundheitsorganisation WHO davon aus, dass sich mehrere Passagiere mit dem sogenannten Andes-Typ infiziert haben könnten. Dieser Virustyp unterscheidet sich von den in Deutschland üblichen Varianten, weil bei ihm unter bestimmten Umständen auch Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich sind. Nach Angaben des MDR betont der Leipziger Tropenmediziner Prof. Christoph Lübbert jedoch, dass dies kein Virus mit Pandemiepotenzial sei.





