Stellantis und der chinesische Staatskonzern Dongfeng wollen ihre seit Anfang der 1990er-Jahre bestehende Zusammenarbeit deutlich ausweiten. Kern der jetzt angekündigten Pläne ist ein neues Joint Venture mit Sitz in Europa, das gemeinsame Aktivitäten in Vertrieb, Produktion, Einkauf und Entwicklung bündeln soll. Stellantis soll die Führung übernehmen und 51 Prozent der Anteile halten, Dongfeng 49 Prozent.
Voyah wird Stellantis-Marke
Geplant ist dabei die Einführung von Fahrzeugen der Dongfeng-Premiummarke Voyah in Europa. Das neue Gemeinschaftsunternehmen soll den Vertrieb übernehmen und dabei auf das bestehende Händler- und Servicenetz von Stellantis zurückgreifen. Gleichzeitig wollen beide Unternehmen Entwicklungs- und Einkaufsaktivitäten zusammenlegen. Stellantis verspricht sich davon einen besseren Zugang zu chinesischer Elektroauto-Technik und zu günstigeren Lieferketten.
Stellantis-Chef Antonio Filosa sprach von einer neuen Stufe der Zusammenarbeit. "Die Pläne heben unsere kürzlich verstärkte Kooperation mit Dongfeng auf eine völlig neue Ebene einer internationalen Partnerschaft", erklärte der Konzernchef. Dongfeng-Vorsitzender Qing Yang kündigte an, man wolle die Zusammenarbeit weiter festigen und ausbauen und damit die internationale Expansion des Konzerns beschleunigen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Pläne betrifft die Produktion in Europa. Beide Unternehmen prüfen die Fertigung von Dongfeng-Modellen mit alternativen Antrieben im französischen Stellantis-Werk Rennes. Hintergrund sind die verschärften politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa. Fahrzeuge, die innerhalb der EU gebaut werden, können einfacher die Anforderungen an lokale Wertschöpfung und "Made in Europe"-Regelungen erfüllen. Gleichzeitig ließen sich mögliche EU-Strafzölle auf in China produzierte Elektroautos umgehen.
China-Auto aus Peugeot-Fabrik
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll mindestens ein Modell der Dongfeng-Luxusmarke Voyah in Rennes produziert werden. Denkbar wäre dabei insbesondere ein großer Elektro-SUV oder eine elektrische Oberklasselimousine. Voyah bietet in China unter anderem die Modelle Free, Dream und Passion an. Für Europa wären vor allem größere Elektro-SUV mit hoher Reichweite sowie Plug-in-Hybridmodelle naheliegend, weil Stellantis im eigenen Portfolio in diesem Segment bislang nur wenig im Angebot hat.
Wer ist Voyah?
Voyah ist die Premium- und Technologiemarke des chinesischen Dongfeng-Konzerns und positioniert sich oberhalb klassischer Volumenhersteller im gehobenen bis luxuriösen Elektroauto-Segment. Zum Modellprogramm gehören derzeit unter anderem der große Elektro-SUV Voyah Free, der Luxus-Van Voyah Dream sowie die Oberklasselimousine Voyah Passion, die jeweils auch als Plug-in-Hybrid erhältlich sind.
Parallel dazu haben Stellantis und Dongfeng erst vor wenigen Tagen eine weitere Vereinbarung für China angekündigt. Das bestehende Gemeinschaftsunternehmen Dongfeng Peugeot Citroën Automobile, kurz DPCA, soll ab 2027 in Wuhan neue Peugeot- und Jeep-Modelle produzieren. Diese Fahrzeuge sind ausdrücklich nicht nur für den chinesischen Binnenmarkt vorgesehen, sondern auch für den Export in andere Regionen.
Jeep und Peugeot künftig aus China
Welche Jeep-Modelle Dongfeng künftig in China fertigen könnte, bleibt offen. Naheliegend erscheinen kompakte oder mittelgroße Elektro-SUV auf STLA- oder Dongfeng-Plattformen. Besonders wahrscheinlich wären elektrische Nachfolger oder Derivate des Jeep Compass beziehungsweise kleinere SUV-Modelle mit globaler Ausrichtung. Auch ein elektrischer Jeep Avenger für außereuropäische Märkte wäre denkbar. In China selbst hatte Jeep in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung verloren, nachdem das frühere Joint Venture mit GAC beendet worden war. Mit der neuen Vereinbarung erhält die Marke nun einen zweiten Anlauf auf dem chinesischen Markt.
Ebenso offen ist bislang, welche Dongfeng-Modelle künftig generell in Frankreich gebaut werden könnten. Neben Voyah kämen auch Fahrzeuge anderer Dongfeng-Marken infrage. Denkbar wären mittelgroße Elektro-SUV oder Crossover-Modelle. Aufgrund der Fertigungsstruktur in Rennes erscheinen Fahrzeuge im D- oder oberen C-Segment am wahrscheinlichsten. Auch Plug-in-Hybride könnten eine Rolle spielen, weil Dongfeng in China stark auf diese Technologie setzt.
Hoffnung für das Krisen-Werk
Das Werk Rennes-La Janais westlich von Paris gilt seit Jahren als Sorgenkind innerhalb des französischen Produktionsnetzwerks von Stellantis. Die Fabrik war einst eines der wichtigsten Peugeot- und Citroën-Werke Frankreichs und produzierte früher Volumenmodelle wie Peugeot 405, 406, 508 oder Citroën C5. Inzwischen ist die Auslastung deutlich gesunken. Aktuell läuft dort nur noch der Citroën C5 Aircross vom Band.
Nach französischen Medienberichten leidet das Werk unter Unterauslastung. Gewerkschaftsvertreter verweisen darauf, dass zusätzliche Produktionskapazitäten vorhanden seien. Berichten zufolge könnten ohne größere Investitionen mehrere zehntausend Fahrzeuge zusätzlich pro Jahr gefertigt werden. Dongfeng-Delegationen sollen das Werk bereits mehrfach besucht haben.
China-Engagement
Die neue Kooperation reiht sich in eine breitere Strategie von Stellantis ein. Der Konzern arbeitet bereits mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor zusammen und will künftig auch dessen Modelle in Europa fertigen. Parallel versucht Stellantis, die Auslastung seiner europäischen Werke zu erhöhen und gleichzeitig Zugang zu kostengünstiger chinesischer Elektroauto-Technik zu erhalten.
Die endgültige Umsetzung der neuen Dongfeng-Allianz steht allerdings noch unter Vorbehalt. Beide Unternehmen haben zunächst lediglich eine Absichtserklärung unterzeichnet. Weitere Verträge sowie behördliche Genehmigungen stehen noch aus.





