Stoppt die geplante EU-Quotenregelung die deutsche E-Auto-Förderung?

Quote soll lokale E-Auto-Fertigung sichern
Stoppt die EU die deutsche E-Auto-Förderung?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.02.2026
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Die europäische Autoindustrie steht weiter unter Druck – das verdeutlichen einmal mehr die ersten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025, die einige Hersteller bereits veröffentlicht haben (Mercedes beispielsweise). Offenbar versucht die Europäische Union nun, die Rahmenbedingungen für die einheimischen Autobauer zu verbessern. Wie die "Financial Times" berichtet, arbeitet die EU-Kommission an einem Gesetzentwurf, der konkrete Bedingungen und Quoten als Voraussetzung festlegt, damit die Käuferinnen und Käufer von E-Autos von staatlichen Förderprogrammen profitieren können.

70 % der Komponenten aus EU-Fertigung

Dem Bericht zufolge sollen Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenautos künftig nur dann von Förderprämien profitieren können, wenn diese innerhalb der EU montiert werden. Gleichzeitig will die Europäische Union vorschreiben, dass mindestens 70 Prozent der gesamten Komponenten aus der EU stammen müssen. Maßgeblich für diese Quote ist der Preis. Eine Ausnahme soll – zumindest anfangs – die Batterie darstellen, wobei die EU-Kommission hier wohl als Bedingung stellen will, dass mehrere ihrer Hauptkomponenten aus Mitgliedsstaaten stammen müssen.

Doch der Stufenplan bringt schon bald nach seiner Einführung strengere Vorgaben mit sich. Wie "Edison" berichtet, müssen bereits ab dem dritten Jahr auch die Batteriezellen sowie das aktive Kathodenmaterial aus der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum "EWR" stammen. Ein E-Auto darf also nur dann staatlich gefördert werden, wenn es durch und durch europäisch ist – und zwar bis tief hinein in die Batteriezelle. Das könnte zum Problem der meisten europäischen E-Auto-Hersteller werden, weil die Akkus und deren Rohstoffe für die Elektromodelle aktuell vorrangig aus Asien – speziell aus China – stammen.

"Industrial Accelerator Act" verschoben

Die EU-Vorgaben sind Teil des "Industrial Accelerator Act", um den hinter den Kulissen allerdings offenbar noch hart gerungen wird. Indiz dafür ist die Verschiebung der offiziellen Vorstellung vom 25. Februar auf Mittwoch, den 4. März 2026. "Wir hoffen, dass diese zusätzliche Woche interner Diskussionen dazu beitragen wird, den Vorschlag noch solider zu machen", sagt EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné laut "Handelsblatt".

Insbesondere Deutschland dürfte noch immensen Redebedarf in Sachen "Industrial Accelerator Act" haben. Hintergrund ist die neue staatliche E-Auto-Förderung, die Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) Mitte Januar vorgestellt hatte. Diese sieht zwar soziale Komponenten vor, aber keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der geförderten Elektroautos und Plug-in-Hybride – weder beim Preis noch bei der Herkunft des jeweiligen Modells und seiner Komponenten.

EU-Autos sollen mit China-Preisen mithalten können

Genau das stellt der europäische Gesetzentwurf allerdings infrage. Indem künftig nur noch in Europa gebaute E-Autos staatlich gefördert werden sollen, die noch dazu einen gewissen Prozentsatz an einheimischen Teilen aufweisen, sollen die aufgrund der erwähnten ungünstigeren Rahmenbedingungen teureren Autos für die Kundschaft günstiger werden. Im Idealfall können sie preislich unter dem Strich mit ihren billigeren – weil in der Heimat oft dank hoher staatlicher Subventionen zu geringen Kosten produzierten – Konkurrenten von anderen Kontinenten mithalten.

Diese "Buy European"-Initiative der EU-Kommission soll die europäischen Industrien davor schützen, aufgrund ungünstigerer Rahmenbedingungen im Vergleich zu anderen Regionen in der Welt ins Hintertreffen zu geraten. Aufgrund vergleichsweise hoher Lohnkosten und Energiepreise steht speziell Europas Autoindustrie unter Druck – insbesondere aus Richtung China. Gleichzeitig könnte der "Industrial Accelerator Act" die neue deutsche E-Auto-Förderung platzen lassen, bevor diese überhaupt eingeführt wurde.

Autoindustrie uneinig wegen des EU-Plans

Die europäische Autoindustrie ist sich ebenfalls nicht ganz einig, ob ein solches Gesetz wirklich hilfreich wäre. Oliver Blume und Antonio Filosa, die Chefs der Autokonzerne Volkswagen und Stellantis, dürften den Plan begrüßen. Sie veröffentlichten kürzlich gemeinsam eine ganz ähnliche Idee, indem sie forderten, dass jedes Elektrofahrzeug "Made in Europe" einen CO₂-Bonus erhalten solle. Andere Hersteller fordern, dass in den Vorgaben nicht nur die EU-Staaten, sondern auch andere europäische Nicht-EU-Länder wie die Türkei oder Großbritannien sowie verlässliche nichteuropäische Partner wie Japan berücksichtigt werden sollen. Außerdem besteht die Befürchtung, dass die Regeln unnötige Bürokratie nach sich ziehen könnte.

Ganz neu ist die Idee, staatliche Elektroauto-Förderprogramme an solche Bedingungen zu knüpfen, allerdings nicht. Das unter Ex-Präsident Joe Biden aufgelegte staatliche E-Auto-Förderprogramm für die USA beinhaltete ganz ähnliche Vorgaben. Käuferinnen und Käufer eines E-Autos erhielten nur dann eine Prämie, wenn das Modell in den Vereinigten Staaten gebaut wurde und der klar überwiegende Teil der Komponenten – speziell der Batterie – aus einheimischer Produktion oder aus Ländern stammte, die mit den USA ein Freihandelsabkommen unterhielten. Der aktuelle Präsident Donald Trump hat die US-E-Auto-Förderung inzwischen abgeschafft.

Hinweis: In der Fotoshow über dem Artikel präsentieren wir Ihnen die wichtigsten Elektroauto-Neuheiten des Jahres 2026.

Fazit