Nach einem Aufruf der Regierung haben Dacia und Ford ihre Produktion in den rumänischen Werken eingestellt. Wie Ministerpräsident Ilie Bolojan in Bukarest mitteilte, sollen die Fabriken bis zum 19. August stillstehen. Es handle sich um eine freiwillige Maßnahme, um den landesweiten Strombedarf zu entlasten. Allein durch den Produktionsstopp der beiden Automobilhersteller sei der Strombedarf am Montag bereits um 200 Megawatt gesunken.
Ursache für die angespannte Lage ist das extreme Niedrigwasser der Donau. Wegen des fehlenden Kühlwassers musste der Energiekonzern Nuclearelectrica einen der beiden Reaktoren seines Atomkraftwerks in Cernavodă vom Netz nehmen. Die Anlage deckt normalerweise rund ein Fünftel des rumänischen Stromverbrauchs. Infolgedessen muss das Land aktuell täglich zwischen 2.000 und 2.500 Megawatt Strom importieren.
Lage auch in Ungarn angespannt
Im Nachbarland Ungarn ist die Situation ähnlich kritisch. Das Atomkraftwerk in Paks, das üblicherweise etwa die Hälfte des ungarischen Stroms liefert, läuft aufgrund des Niedrigwassers der Donau derzeit nur noch mit gut zehn Prozent seiner Kapazität.
BMW hat auf die drohenden Engpässe bereits reagiert und am Standort Debrecen den Energieverbrauch seit vergangenem Freitag um rund 15 Prozent gesenkt. "Durch ein kurzfristig entwickeltes Maßnahmenpaket werden zusätzliche Einsparpotenziale in den Bereichen Anlagenbetrieb, Beleuchtung, Klimatechnik und Ladeinfrastruktur genutzt", erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der Welt. Das Werk, in dem der Elektro-SUV iX3 produziert wird, profitiert tagsüber von einer 50 Hektar großen Solaranlage. Da die Fertigung jedoch im Zweischicht-Betrieb läuft, muss bei Dunkelheit Strom aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden.
Mercedes-Benz meldet aus seinem Werk in Kecskemét, das erst kürzlich erweitert wurde, noch einen uneingeschränkten Produktionsbetrieb. Die Lage solle aber weiterhin beobachtet werden. Vorrangiges Ziel sei es, die kontinuierliche Stromversorgung des Werks sicherzustellen.





