Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, es dürfe keine Preisüberhöhung geben und nannte einen Zielwert von rund 2,50 US-Dollar je Gallone. Sollten Händler ihre Preise nicht senken, kündigte er "große Probleme" an. Parallel dazu hatte Trump bereits in der vergangenen Woche erklärt, das US-Justizministerium solle mögliche Preisüberhöhungen und wettbewerbswidrige Praktiken im Kraftstoffmarkt prüfen.
Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Rohölpreise nach den Spannungen im Nahen Osten wieder etwas beruhigt haben. Aus Sicht der US-Regierung müsste sich dieser Rückgang inzwischen deutlicher an den Zapfsäulen bemerkbar machen. Nach Angaben des Automobilclubs AAA liegt der landesweite Durchschnittspreis für Normalbenzin derzeit jedoch noch bei 3,85 US-Dollar je Gallone. Das entspricht rund 1,02 US-Dollar je Liter. Trumps Zielwert von 2,50 US-Dollar je Gallone läge damit rund 35 Prozent unter dem aktuellen Durchschnittspreis.
Präsident kann Preise nicht festsetzen
Auch wenn Trump den Druck auf die Branche erhöht, kann ein US-Präsident die Kraftstoffpreise nicht per Anordnung festlegen. Die Preise entstehen in den Vereinigten Staaten grundsätzlich im freien Markt und werden vor allem durch den Rohölpreis, die Raffineriekosten, Transport, Vertrieb und den Wettbewerb zwischen den Anbietern bestimmt.
Dennoch verfügt die US-Regierung über verschiedene Möglichkeiten, indirekt Einfluss auf den Markt zu nehmen. Dazu gehören Untersuchungen wegen möglicher Preisabsprachen, die Freigabe von Öl aus der Strategischen Erdölreserve, Änderungen der Energiepolitik oder außenpolitische Entscheidungen, die sich auf das weltweite Ölangebot auswirken können. Eine unmittelbare Anordnung, Benzin zu einem bestimmten Preis zu verkaufen, ist dagegen rechtlich nicht möglich.
Trumps öffentliche Aufforderung richtet sich daher vor allem an die Unternehmen. Sollten Ermittlungen tatsächlich Hinweise auf illegale Preisabsprachen oder unzulässige Preismanipulationen ergeben, könnte die Regierung dagegen vorgehen. Hohe Kraftstoffpreise allein gelten in den USA jedoch grundsätzlich nicht als Gesetzesverstoß.
Warum wird in den USA in Gallonen gerechnet?In den USA werden Kraftstoffe traditionell nicht in Litern, sondern in Gallonen verkauft. Eine US-Gallone entspricht 3,785 Litern und ist damit deutlich kleiner als die in Großbritannien verwendete Imperial Gallon (4,546 Liter). Das Maß stammt aus dem angloamerikanischen Einheitensystem, das in den Vereinigten Staaten bis heute in vielen Bereichen verwendet wird. Deshalb werden auch Kraftstoffpreise, Verbrauchsangaben und Tankgrößen üblicherweise in Gallonen angegeben.
Benzin wird in den USA bis heute in Gallonen verkauft, weil dieses Flüssigkeitsmaß bereits lange vor dem Aufkommen des Automobils im Handel etabliert war und nie durch das metrische System ersetzt wurde.
Warum Benzin in den USA deutlich günstiger ist
Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland liegt in der Zusammensetzung des Kraftstoffpreises. Während hierzulande Steuern und staatliche Abgaben mehr als die Hälfte des Endpreises ausmachen, fällt dieser Anteil in den USA deutlich geringer aus.
Auf Bundesebene wird auf Benzin eine Kraftstoffsteuer von 18,4 Cent je Gallone erhoben. Hinzu kommen je nach Bundesstaat weitere Abgaben. Diese liegen im Durchschnitt bei rund 33 Cent je Gallone, unterscheiden sich aber teilweise erheblich. Insgesamt entfallen nach Angaben der US-Energiebehörde im Durchschnitt nur rund 18 Prozent des Benzinpreises auf Steuern und staatliche Abgaben.
Dadurch reagieren die Kraftstoffpreise in den Vereinigten Staaten wesentlich direkter auf Veränderungen des Ölpreises als in Deutschland. Steigt oder fällt der Rohölpreis, schlägt sich dies häufig schneller an den Zapfsäulen nieder.
Deutschland und USA im Vergleich
Kraftstoffpreise bleiben politisches Thema
Hohe Benzinpreise gehören in den USA regelmäßig zu den wichtigsten politischen Themen. Vor den Kongresszwischenwahlen im November versucht die Regierung, die Kosten für Autofahrer zu senken und gleichzeitig den Druck auf die Mineralölbranche zu erhöhen.
Ob Trumps Ziel von 2,50 US-Dollar je Gallone erreichbar ist, hängt allerdings weniger von politischen Forderungen als von der Entwicklung des Weltölmarktes, den Raffineriekapazitäten und dem Wettbewerb im Kraftstoffhandel ab. Bislang hat die US-Regierung keine konkreten Maßnahmen vorgestellt, mit denen eine derart deutliche Preissenkung kurzfristig erreicht werden könnte.





