Umweltzone Wegfall Baden Württemberg Plakette Landkarte Länd KÜS / Uli Regenscheit / Patrick Lang
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Wegfall der Umweltzonen: Keine grünen Plaketten mehr

Baden-Württemberg will Umweltzonen streichen Zu gute Luft in „The Länd“

Baden-Württemberg prüft einen teilweisen Entfall der Umweltzonen. In einigen Kreisen und Städten sei die Luftqualität mittlerweile zu gut dafür.

Wer ohne grüne Umweltplakette an der Windschutzscheibe in eine dafür vorgesehene Zone fährt, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro. Eine Strafe, die einige Einwohner von Baden-Württemberg künftig vielleicht nicht mehr zu befürchten haben. Das Verkehrsministerium prüft derzeit den Entfall der Regelung in Heidelberg, Ilsfeld (Kreis Heilbronn), Karlsruhe, Pfinztal (Kreis Karlsruhe), Schramberg (Kreis Rottweil), Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis), Urbach (Rems-Murr-Kreis) und Wendlingen (Kreis Esslingen). Dort wurde seit 2019 ein NO2-Jahresmittel von weniger als 35 µg/m³ gemessen.

Feinstaub-Alarm Stuttgart
Die Grenzwerte für Feinstaub werden in Baden-Württemberg seit 2018 flächendeckend eingehalten.

Hintergrund: Messungen zufolge hat sich die Luftqualität in den besagten Gebieten signifikant verbessert. Man liege deutlich unter den Grenzwerten, sodass die grünen Umweltzonen dort nicht länger erforderlich seien. 2016 meldeten noch 27 Städte Überschreitungen bei Stickstoffoxid (NO2) und Feinstaub (PM10) – fünf Jahre später, 2021, überschritt landesweit nur noch ein 200 Meter langer Straßenabschnitt in Ludwigsburg den NO2-Grenzwert. Feinstaub ist seit 2018 flächendeckend kein Problem mehr. Laut Ministerium obliege es nun den zuständigen Regierungspräsidien, eine etwaige Aufhebung der Zonen noch innerhalb des Jahres 2022 zu überprüfen und die Luftreinhaltepläne gegebenenfalls anzupassen. Übrigens nicht in jenen Gebieten, in denen die Vorgaben aktuell bislang nur knapp erreicht werden.

Autos in BW sind sauber und modern

Als Grund für diese Entwicklung führt das Verkehrsministerium unter anderem an, dass die Fahrzeugflotte im Bundesland besonders modern und sauber sei. Nur ein bis zwei Prozent der erfassten Autos könnten keine grüne Plakette erhalten. Weiter werden intelligente Verkehrsleitsysteme und Geschwindigkeitsbeschränkungen für den Rückgang der Emissionen verantwortlich gemacht. Kritiker entgegnen, die positiven Effekte seien auf das coronabedingt temporär gesunkene Gesamt-Verkehrsaufkommen zurückzuführen. Am Beispiel der Stadt Balingen, wo die Umweltzone im November 2020 bereits abgeschafft wurde, zeigt sich allerdings: Die Schadstoffbelastung steigt nicht wieder an, sondern sinkt auch weiterhin.

ams-Kongress 2016, Winfried Hermann, Verkehrsminister Baden-Württemberg
Hans-Dieter Seufert
Landesverkehrsminister Winfried Hermann (B90 / Die Grünen): Für eine Erfüllung der WHO-Empfehlungen braucht es in Zukunft noch weitere Instrumente zur Schadstoffreduktion.

Insgesamt bestehen aktuell in Baden-Württemberg 20 lokale und regionale Umweltzonen an 38 Orten. In der Landeshauptstadt Stuttgart gilt zudem ein Diesel-Fahrverbot im Kernbereich für Modelle mit einer schlechteren Emissionsklasse als Euro 5. Bis die Werte nahelegen, dass auch nach einer Aufhebung der Plakettenregel keine Verschlechterung droht, bleiben die übrigen Zonen in "The Länd" bestehen. Natürlich habe man auch im Blick, so Verkehrsminister Winfried Hermann (B90 / Die Grünen), dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) künftig strengere Grenzwerte empfiehlt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, seien dann allerdings ohnehin zusätzliche großflächige Maßnahmen zu Reduktion von Schadstoffausstoß angezeigt.

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Ja, klar, wir werden noch lange Verbrenner kaufen und die sollen möglichst sauber sein.
Nein, neue Autos sind sauber. Das Problem sind eher Bestandsfahrzeuge mit EU5 und EU6. Je schneller wir die durch E-Autos ersetzen, desto schneller wird die Stadtluft sauber.

Fazit

Love is in die Äir – zumindest in "The Länd". Messungen zeigen: Die Luftqualität in Baden-Württemberg hat sich vielerorts deutlich verbessert. Daher prüfen nun die Regierungspräsidien die Möglichkeit, Umweltzonen vereinzelt abzuschaffen. Nachdem allerdings ohnehin nur ein bis zwei Prozent der Autos im Bundesland keine grüne Plakette erhalten können, dürfte die Änderung den Mobilitätsalltag nicht gravierend beeinflussen.

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