Untersützung bröckelt: Tesla-Investoren verlieren Glauben an Elon Musk

Unterstützung für Tesla-Chef bröckelt
Tesla-Investoren verlieren Glauben an Elon Musk

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.08.2026
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Foto: Getty Images (Michael M. Santiago) / Sons of Battery / Patrick Lang

Lange Zeit war Tesla nicht nur ein Autohersteller, sondern für viele Anleger eine Wette auf Elon Musk und seine Visionen. Wer an Tesla glaubte, glaubte meist auch an autonome Autos, Robotaxis, humanoide Roboter und die Vorstellung, dass Musk das Unternehmen in eine neue technologische Ära führen würde. Doch selbst unter den überzeugtesten Tesla-Anhängern wächst inzwischen die Skepsis. Wie viel Aufmerksamkeit schenkt Musk Tesla überhaupt noch?

Während der reichste Mensch der Welt seine Aktivitäten bei SpaceX und die Pläne für Rechenzentren im Weltraum sowie bemannte Marsmissionen vorantreibt, richtet Tesla sein Geschäft immer stärker auf künstliche Intelligenz, Robotik und autonomes Fahren aus. Für Anleger, die Tesla ursprünglich wegen seiner Elektroautos gekauft haben, ist das eine erhebliche Veränderung.

Vom Elektroauto zur Physical AI

Tesla hat sich damit weit von seinem ursprünglichen Geschäftsmodell entfernt. Die Fahrzeuge bleiben zwar ein zentraler Bestandteil des Unternehmens, strategisch sollen künftig jedoch der humanoide Roboter Optimus und das autonome Robotaxi Cybercab eine immer größere Rolle spielen. Tesla spricht inzwischen von einer Welt des "amazing abundance" (erstaunlicher Überfluss) – und nicht mehr ausschließlich von der Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energie.

Gerade diese Verschiebung sorgt bei einigen langjährigen Investoren für Unruhe. Tesla versucht, sich als Unternehmen für sogenannte "Physical AI" zu positionieren. Damit geht es nicht mehr nur um Software oder Elektroautos, sondern um Maschinen, die mithilfe künstlicher Intelligenz in der realen Welt Aufgaben übernehmen sollen. Das Problem: Viele dieser Geschäftsmodelle existieren bislang vor allem als Versprechen. Während Tesla mit seinen Elektroautos bereits ein etabliertes Produkt und ein großes Produktionsnetz aufgebaut hat, müssen Robotaxi, Optimus und eine tatsächlich autonome Fahrzeugflotte erst noch beweisen, dass sie sich technisch und wirtschaftlich skalieren lassen.

Anleger verlieren die Geduld

Der Aktienkurs spiegelt die wachsende Skepsis wider. Seit Jahresbeginn 2026 hat die Tesla-Aktie rund ein Viertel ihres Wertes verloren. In Tesla-Dimensionen bedeutet das je nach Rechnung bis zu 450 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig steht das Unternehmen vor der Herausforderung, enorme Summen in künstliche Intelligenz, Rechenleistung und neue Geschäftsmodelle zu investieren.

Die Diskrepanz zwischen Vision und Realität wird für Fans und Investoren zunehmend zum Problem. Gary Black, Managing Partner des Future Fund, äußerte sogar schon öffentlich Zweifel daran, dass Teslas Full Self-Driving vom derzeitigen Umfang von rund 90 bis 100 unbeaufsichtigten Fahrzeugen ohne Sicherheitsfahrer auf einen wirklich großen autonomen Fuhrpark hochskaliert werden kann.

Auch andere langjährige Unterstützer werden deutlicher. Matt Smith, Partner der Investmentgruppe Rebellionaire, schrieb, er vertraue den Aussagen des Managements nicht mehr. Zu viele Versprechen seien gebrochen und Termine verpasst worden. Sein Nachsatz bringt den Stimmungswandel auf den Punkt: "Ich bin Investor, kein Cheerleader."

Das Musk-Problem

Im Kern geht es dabei weniger um die Frage, ob Teslas Vision technisch irgendwann Realität werden kann. Vielmehr wächst bei Anlegern die Sorge, dass Elon Musk zu viele Unternehmen und Projekte gleichzeitig verfolgt. Tesla ist inzwischen ein Konzern mit einer Marktbewertung von zeitweise über einer Billion Dollar. Für ein Unternehmen dieser Größenordnung reichen ambitionierte Zukunftsversprechen allein nicht mehr aus. Anleger erwarten belastbare Produkte, steigende Gewinne und nachvollziehbare Zeitpläne.

Genau hier verändert sich auch die Haltung der Tesla-Anleger. Viele der frühen Investoren haben mit der Aktie enorme Gewinne erzielt und waren bereit, Musk auch bei Rückschlägen zu folgen. Doch aus dem einstigen Start-up ist ein Mega-Cap-Konzern geworden. Damit steigen auch die Erwartungen. Ein umfangreiches Vergütungspaket für Musk sollte ursprünglich sicherstellen, dass sich der Tesla-Chef stärker auf den Autobauer konzentriert. Aus Sicht mancher Investoren hat das offenbar nicht funktioniert.

Eine Billion Roboter – aber wann?

Musk hat Tesla langfristig Ziele gesetzt, die selbst für einen Konzern dieser Größenordnung gigantisch wirken: bis zu einer Milliarde humanoide Optimus-Roboter, eine vollständig autonome Fahrzeugflotte, ein weltweites Robotaxi-Netz und eine massive Ausweitung der Chipproduktion. Jedes einzelne dieser Projekte könnte Tesla zu einem außergewöhnlichen Technologieunternehmen machen. Doch bislang fehlen die entscheidenden Durchbrüche, die aus den Visionen belastbare Geschäftsmodelle machen.

Das gilt insbesondere für das autonome Fahren. Tesla verspricht seit Jahren, dass seine Fahrzeuge irgendwann ohne Fahrer unterwegs sein können. Der große Durchbruch ist bisher ausgeblieben. Zwar werden die Systeme kontinuierlich weiterentwickelt, doch zwischen teilautomatisiertem Fahren und einem flächendeckenden Robotaxi-Netz liegt noch eine erhebliche technologische und regulatorische Lücke.

Die "Religion" Tesla ist noch nicht tot

Ganz verschwunden ist der Glaube an Musk allerdings nicht. Gene Munster von Deepwater Asset Management sieht die Tesla-Fangemeinde weiterhin als grundsätzlich stabil. Viele Anleger glaubten nach wie vor an Musks Vision – sie wollten inzwischen allerdings mehr Belege dafür sehen, dass Tesla diese Vision auch umsetzen kann.

Damit verändert sich die entscheidende Frage. Früher genügte vielen Anlegern die Überzeugung, dass Musk irgendwann recht behalten würde. Heute wollen sie wissen, wann und wie. Das ist für Tesla möglicherweise die größte Veränderung. Die einst bedingungslose Gefolgschaft wird zunehmend durch kritische Fragen ersetzt. Und das ist bei einem Unternehmen relevant, dessen Bewertung zu einem erheblichen Teil auf zukünftigen Geschäften beruht.

Fazit