Gemeint sind damit nicht Ausgaben für Bau oder Betrieb, sondern Kosten, die durch Verkehr entstehen und von der Allgemeinheit getragen werden. Allein der Straßengüterverkehr verursacht dabei etwa 1,1 Milliarden Euro jährlich. Zusammen mit dem Personenverkehr ergibt sich die Gesamtsumme von rund 2,1 Milliarden Euro. Damit liegt der Brenner vor allen anderen untersuchten Alpenkorridoren.
Die Dimension dieser Kosten wird erst mit Blick auf die Verkehrsmenge deutlich. Pro Jahr passieren rund 13,6 Millionen Fahrzeuge den Brenner. Darunter sind etwa 2,4 Millionen Lastwagen. Bereits 2022 wurde mit 2,48 Millionen Lkw ein Höchstwert erreicht. Aktuelle Zahlen deuten erneut auf steigende Werte hin. Im Tagesdurchschnitt entspricht das mehr als 38.000 Fahrzeugen.
Hoher Transitanteil und starke Konzentration des Verkehrs
Ein wesentlicher Teil dieses Verkehrs hat keinen regionalen Bezug. Rund 83 Prozent gelten als reiner Transitverkehr. Gleichzeitig läuft etwa ein Fünftel des gesamten alpenquerenden Güterverkehrs über den Brenner. Die Strecke übernimmt damit eine zentrale Funktion im europäischen Nord-Süd-Verkehr.
Die Belastung entsteht nicht nur durch die Menge, sondern auch durch die Struktur. Der Verkehr konzentriert sich auf eine vergleichsweise schmale Achse durch die Alpen. Alternative Routen werden deutlich weniger genutzt, wodurch sich der Verkehr auf wenige Korridore bündelt.
Welche Kosten in die Berechnung einfließen
Die Studie berücksichtigt mehrere Kostenarten, die unter dem Begriff externe Kosten zusammengefasst werden. Dazu gehören Luftverschmutzung, Treibhausgasemissionen, Lärmbelastung, Unfallfolgen sowie wirtschaftliche Verluste durch Staus. Diese Kosten entstehen indirekt, etwa über das Gesundheitssystem oder durch Zeitverluste im Verkehr.
Ein großer Anteil entfällt auf Emissionen und Staus. Gerade im alpinen Gelände wirken sich diese stärker aus als im Flachland. Schadstoffe verteilen sich schlechter, gleichzeitig steigt der Energieverbrauch durch Steigungen.
Straße dominiert die Kosten deutlich
Die Untersuchung zeigt eine klare Verteilung zwischen den Verkehrsträgern. Rund 96 Prozent der externen Kosten entstehen auf der Straße, nur etwa vier Prozent entfallen auf den Schienenverkehr. Pro transportierter Tonne liegen die Kosten im Straßengüterverkehr mehr als viermal so hoch wie beim Transport per Bahn.
Diese Unterschiede ergeben sich aus mehreren Faktoren. Dazu zählen höhere Emissionen, ein größeres Unfallrisiko und stärkere Auswirkungen von Staus. Die Schiene weist in diesen Bereichen deutlich geringere Werte auf, spielt aktuell jedoch eine kleinere Rolle im Gesamtverkehr.
Geografie verstärkt die Auswirkungen
Die besonderen Bedingungen im Alpenraum tragen zusätzlich zur Höhe der Kosten bei. Verkehr konzentriert sich auf enge Täler, in denen sich Emissionen stärker anreichern. Gleichzeitig wirken Lärmemissionen intensiver, da sie an Berghängen reflektiert werden. Steigungen erhöhen zudem den Energiebedarf, insbesondere bei schweren Nutzfahrzeugen.
Diese Effekte werden in der Studie über angepasste Faktoren berücksichtigt, die die Unterschiede zwischen Alpenraum und Flachland abbilden.
Ausbau der Schiene als möglicher Ansatz
Mit dem Bau des Brennerbasistunnel soll sich die Verkehrsstruktur langfristig verändern. Die neue Verbindung soll die Kapazität der Bahn erhöhen und mehr Güterverkehr aufnehmen. Ziel ist eine stärkere Verlagerung von der Straße auf die Schiene.
Ob sich die externen Kosten dadurch deutlich reduzieren, hängt von der tatsächlichen Nutzung und der Entwicklung der Verkehrsströme ab.





