Jetta, die neue VW-Marke in China VW

Jetta wird in China eigene VW-Marke

Einstiegs-Tiguan für China heißt Jetta VS5

VW will in China jetzt auch den Markt für günstige Fahrzeuge erobern. Dafür etabliert der Konzern eine Tochter namens Jetta.

Seit 1979 baut VW die Mittelklasse-Limousine Jetta. Während das Modell in Deutschland in seinem Geburtsjahr gleich sein erfolgreichstes Jahr hatte und 2016 mangels Nachfrage aus dem Programm flog, verkauft es sich in den USA bis heute gut. Jetzt kommt der Name „Jetta“ zu ganz besonderen Ehren: Er bezeichnet eine komplette VW-Tochtermarke für den chinesischen Markt. Auch dort ist Jetta bisher nur als Modellname bekannt – so baute VW beispielsweise zwischen 1997 und 2010 den Jetta König in China.

VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann spricht von einem nicht ausgeschöpften Marktpotential in China. In den Städten würden bisher 100 Autos auf 1.000 Einwohner kommen. Eine junge aufstrebende Mittelschicht suche nach günstigen Autos zu Einstiegspreisen von 10.000 bis 20.000 Euro, die bisher fast ausschließlich chinesische Hersteller anbieten. Beim Kauf des ersten Autos legt die gesamte Familie Geld zusammen und den Fahrern ist es sehr wichtig, Eigentümer eines Autos zu sein. Vom großen First-Buyer-Kuchen möchte VW jetzt ein ordentliches Stück abbekommen. Stackmann betont, dass man nicht die absolute Einstiegsklasse mit Fahrzeugen zu Preisen von um die 5.000 Euro im Blick habe – dieses Segment überlässt VW einheimischen Herstellern, die alten Pläne für ein Billigauto sind offenbar vom Tisch. VW zielt mit Jetta also auf den Bereich zwischen Billig- und Volumen-Segment.

Jetta als China-Käfer

Den Namen Jetta macht VW zum Markennamen, weil der Begriff in China allseits bekannt ist und einen guten Ruf genießt – laut Stackmann ist der Jetta in China so etwas wie der Käfer oder später der Golf in Deutschland, 90 Prozent der Chinesen kennen und schätzen ihn. Außerdem sehen die Chinesen im Jetta eine Ikone ihrer Industrie, was es den Wolfsburgern leichter machte, das Modell aus der VW-Palette zu entnehmen. Die Entscheidung für den Aufbau einer VW-Submarke in China fiel vor zirka 2,5 Jahren.

Erlkönig Lynk & Co 04

Beim Jetta-Vertrieb setzt VW nicht nur auf 200 Händler, sondern auch auf neue Wege: Digitale Showrooms, also Online Stores, werden von Jetta-Shops in Shopping Malls und fahrenden Verkaufstrucks ergänzt. Die Idee, mit umherreisenden Trucks ein großes Händlernetz zu simulieren, hatte zuerst die Geely-Tochter Lync & Co., die so günstige auf Volvo-Plattformen basierende Modelle anbieten möchte.

China ist für VW der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. 2018 haben die Wolfsburger hier 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt – das sind fast 50 Prozent der weltweiten Auslieferungen der Marke. Der Jetta hat daran einen Anteil von 360.000 Fahrzeugen – 1992 startete das Modell mit 9.000 verkauften Exemplaren. Zum Vergleich: Auf dem US-Markt setzte VW über seine gesamte Modellpalette im selben Jahr insgesamt ebenfalls 360.000 Exemplare ab. Allerdings hat VW mit dem Lavida ein Modell auf dem Markt, das sich im letzen Jahr 420.000 Mal verkaufte – der Lavida genießt aber bei weitem nicht den Kultstatus wie der Jetta. Inzwischen ist VW seit über 30 Jahren in China aktiv und hat 2018 dort sein 30-millionstes Fahrzeug übergeben. Laut Stackmann ist China auf dem Automarkt Vorreiter in Sachen Elektromobilität, Digitalisierung, Konnektivität und autonomem Fahren.

Die Modelle der Marke Jetta

Jetta wird VWs neue Marke in China: Das Markenlogo und die ersten Modelle

Jetta, die neue VW-Marke in China
Jetta, die neue VW-Marke in China Jetta, die neue VW-Marke in China Jetta, die neue VW-Marke in China Jetta, die neue VW-Marke in China 4 Bilder

Zuerst baut Jetta eine Limousine namens VA3, kurz darauf folgen zwei SUVs, die VS5 und möglicherweise VS6 heißen. Zum zweiten SUV hüllt sich Jetta noch in Schweigen. Auch wenn Limousinen in China nach wie vor beliebt sind – der SUV-Markt explodiert geradezu. Der Jetta VA3 basiert auf der PQ25-Plattform, seine Elektronik kommt vom MQB. Die beiden SUV von der Größe eines Tiguan beziehungsweise Tiguan Allspace basieren komplett auf dem MQB. Das SUV Jetta VS5 bekommt immer den 1,4-Liter-TSI und das Siebengang-DSG – Handschaltungen sind in China nicht beliebt. Viele Ausstattungsoptionen wird es nicht geben – eine schlanke Produktion und ein ebenso schlankes Ausstattungsangebot sind die Geheimnisse hinter den niedrigen Preisen. Die Preise für die unter Skoda angesiedelten Jetta-Modelle gehen bei zirka 13.000 Euro los, genauere Angaben gibt es zum Autosalon Shanghai Mitte April 2019. Auch mit Seat soll Jetta keine Marktüberschneidungen haben – aktuell positioniert sich Seat in China als Elektromarke. Jetta bekommt elektrische Antriebe erst später, aktuell sind die selbst für eine Topmarke im Einstiegssegment noch zu teuer, bedauert Stackmann.

Deutsche Entwicklung, deutsches Design, Fertigung in China

Alle Fahreuge werden in Deutschland entwickelt, sämtliche Komponenten bauen die Kollegen in den chinesischen Werken. Die Fahrzeuge laufen bei VWs langjährigem Joint-Venture-Partner FAW-Volkswagen in Chengdu vom Band. VW-Designchef Klaus Bischoff hat für die Marke einen eigenständigen Auftritt entworfen – bereits im dritten Quartal 2018 kommen die ersten Jetta-Modelle auf den Markt. Und der weder optisch noch technisch verwandte US-Jetta behält seinen Modellnamen.

Fazit

Weitere VW-Submarken in anderen Ländern hat VW aktuell nicht auf dem Plan – China ist aufgrund der Größe und Struktur seines Marktes ein Sonderfall. Und wer jetzt in Deutschland Schnäppchen wittert, dürfte enttäuscht werden: Der Aufwand einer Anpassung an europäische Zulassungsbedingungen wäre zu groß. Die Antriebe der eben nur für den chinesischen Markt gedachten Modelle sind nicht nach Euro 6 zertifiziert und Anbauteilen wie beispielsweise den Leuchten fehlt das CE-Zeichen, was einen Austausch nötig machen würde.

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