Mit dem Teilverkauf setzt Volkswagen seinen Konzernumbau fort. Während frisches Kapital in die Transformation fließt, bleibt der Konzern mit 49 Prozent an Everllence beteiligt. 51 Prozent gehen für 7,4 Milliarden an Bain Capital. Damit wird Everllence insgesamt mit rund 14,5 Milliarden Euro bewertet. Der Abschluss der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen Genehmigungen.
Großmotoren statt Pkw-Antriebe
Der Name Everllence dürfte vielen Autofahrern bisher wenig sagen. Das Unternehmen firmierte bis vor Kurzem unter dem Namen MAN Energy Solutions und gehört weltweit zu den führenden Herstellern großer Diesel-, Gas- und Dual-Fuel-Motoren für Schiffe, Kraftwerke und Industrieanlagen.
Die Motoren unterscheiden sich grundlegend von klassischen Pkw-Aggregaten. Statt zwei oder drei Litern Hubraum erreichen die größten Modelle mehrere Zehntausend Liter Gesamthubraum und Leistungen von mehr als 110.000 PS. Zum Einsatz kommen sie unter anderem in Containerschiffen, Tankern, Kreuzfahrtschiffen sowie stationären Kraftwerken und großen Generatoranlagen.
Neben klassischen Dieselmotoren entwickelt Everllence zunehmend Dual-Fuel-Antriebe. Diese können je nach Ausführung neben Diesel auch mit LNG, Methanol oder künftig Ammoniak betrieben werden. Gerade diese alternativen Kraftstoffe gelten als wichtiger Baustein zur Verringerung der CO₂-Emissionen in der internationalen Schifffahrt.
Zwei Motorenfamilien bilden das Kerngeschäft
Das Portfolio besteht im Wesentlichen aus zwei Produktgruppen. Die großen Zweitaktmotoren treiben Hochseeschiffe direkt an. Ergänzt werden sie durch Viertaktmotoren, die sowohl als Schiffsantriebe als auch für Generatoren und stationäre Kraftwerke genutzt werden.
Vor allem das Geschäft mit großen Generatoren gilt derzeit als wachstumsstark. Durch den weltweiten Ausbau von Rechenzentren steigt die Nachfrage nach leistungsfähigen Stromerzeugern deutlich.
Warum der Hubraum anders angegeben wird
Wer die technischen Daten dieser Motoren betrachtet, stößt schnell auf ungewöhnliche Angaben. Während bei Pkw grundsätzlich der gesamte Hubraum angegeben wird, beziehen sich die Werte bei Großmotoren meist auf einen einzelnen Zylinder.
Der Grund liegt im modularen Aufbau. Ein Motortyp wird häufig mit sechs, acht, zehn oder zwölf Zylindern angeboten. Der Hubraum je Zylinder bleibt dabei identisch, lediglich die Anzahl der Zylinder verändert sich. Dadurch lassen sich verschiedene Ausführungen derselben Motorfamilie leichter vergleichen.
Das größte Serienmodell, der G95ME-C10.5, verfügt über rund 2.450 Liter Hubraum pro Zylinder. In der größten Zwölfzylinder-Ausführung ergibt sich daraus ein Gesamthubraum von rund 29.400 Litern.
Bain Capital erhält die Mehrheit
Nach Medienberichten setzte sich Bain Capital im Bieterverfahren gegen mehrere Interessenten durch. Zu den unterlegenen Bewerbern sollen unter anderem CVC sowie ein Konsortium um EQT gehört haben. Zu diesem Konsortium wurden auch der katarische Staatsfonds QIA sowie die Volkswagen-Eigentümerholding Porsche SE gezählt.
Für Volkswagen ist der Verkauf Teil der laufenden Neuausrichtung des Konzerns. Mit den Einnahmen soll die Transformation in Richtung Elektromobilität und Software finanziert werden. Gleichzeitig behält Volkswagen mit einer Beteiligung von 49 Prozent weiterhin Einfluss auf Everllence.

Der G95ME-C10.5 gehört zu den größten Schiffsmotoren der Welt. Wartungsplattformen machen den Motor sogar begehbar.
Everllence gilt als profitables Unternehmen mit vergleichsweise stabilen Erträgen. Neben dem traditionellen Schiffsmotorengeschäft profitiert der Hersteller derzeit, insbesondere von der weltweit steigenden Nachfrage nach großen Generatoren für Rechenzentren und industrielle Energieversorgung.





