X5, X6 und X7 aus Kaliningrad: Russland baut weiter BMW-Modelle aus Altbeständen

BMW X5, X6 und X7 aus Kaliningrad-Werk
Russland baut weiter BMW-Modelle aus Altbeständen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.07.2026
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BMW Produktion X7, X5, X6 aus Kaliningrad Russland
Foto: BMW Kalina / Schönfeld

Obwohl BMW seine Produktion in Russland bereits 2022 eingestellt hat, werden im Kaliningrader Werk des ehemaligen Partners Avtotor weiterhin Fahrzeuge der Marke montiert. Die Autos entstehen aus verbliebenen Bausätzen und Lagerbeständen, die nach dem Ende der Zusammenarbeit mit BMW im Werk verblieben waren. Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant wurden im Jahr 2025 insgesamt 145 solcher lokal produzierten BMW zugelassen – fast dreimal so viele wie im Vorjahr.

Produktion aus Restbeständen

Vor dem Rückzug des deutschen Herstellers fertigte Avtotor in Kaliningrad unter anderem die SUV-Modelle X5, X6 und X7. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stellte BMW die Zusammenarbeit ein und stoppte Produktion sowie Vertrieb im Land. Dennoch werden seit Anfang 2025 wieder Fahrzeuge montiert. Grundlage sind laut russischen Medien verbliebene CKD-Bausätze (Completely Knocked Down), die seit 2022 eingelagert waren. Da die Bestände an Originalteilen zunehmend schrumpfen, sollen inzwischen auch lokal beschaffte Komponenten wie Kabelbäume, Schläuche, Gummiteile oder lackierte Karosserieelemente verwendet werden.

Auffällig ist, dass die Fahrzeuge äußerlich weiterhin dem Vor-Facelift-Stand von 2022 entsprechen, obwohl sie als Modelle der Baujahre 2025 oder 2026 zugelassen werden.

BMW distanziert sich deutlich

BMW hat sich öffentlich von den Fahrzeugen distanziert. Die Münchener erklärten, Avtotor habe ohne Zustimmung des Herstellers mit der Montage kleiner Stückzahlen begonnen. Die Fahrzeuge würden aus alten, teilweise über Jahre gelagerten Bausätzen entstehen, auf deren Fertigung BMW keinen Einfluss mehr habe. BMW weist darauf hin, dass seit dem Ende der Partnerschaft keine Qualitätskontrollen mehr stattfinden. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass nicht freigegebene Ersatzteile verbaut wurden oder einzelne Komponenten aufgrund der langen Lagerzeit nicht mehr den ursprünglichen Spezifikationen entsprechen.

Nach Angaben der russischen BMW-Niederlassung wurden Behörden, Händler und potenzielle Käufer über diese Risiken informiert. BMW übernimmt weder Garantie noch technische Verantwortung für die Fahrzeuge.

Unsicherheit bei Software und Technik

Neben der Hardware bereitet auch die Software Fragen. Da die Fahrzeuge nicht mehr an die offiziellen BMW-Systeme angebunden sind, dürften zahlreiche digitale Funktionen nur eingeschränkt oder mit angepasster Software arbeiten. Steuergeräte dürften also entweder auf älteren Softwareständen verbleiben oder für den lokalen Einsatz umprogrammiert worden sein. Verkäufer werben teilweise sogar damit, dass die Fahrzeuge nicht mehr über BMW-Dienste fernverwaltet oder aktualisiert werden können.

Preise auf Luxusniveau

Trotz der fehlenden Herstellerunterstützung werden die Fahrzeuge zu sehr hohen Preisen angeboten. Russische Händler verlangen für einen X5, X6 oder X7 zwischen 11,9 und 13,6 Millionen Rubel. Das entspricht – je nach Wechselkurs – etwa 150.000 Euro. Damit bewegen sich die Preise auf dem Niveau hochwertiger Luxus-SUVs, liegen jedoch häufig unter den Kosten vergleichbarer Grauimporte, die aufgrund der Sanktionen nach Russland eingeführt werden. Für viele Käufer scheint dieser Preisvorteil trotz der technischen Unsicherheiten ausreichend attraktiv zu sein.

Nachfrage nach BMW bleibt hoch

Nach Angaben von Avtostat stiegen die BMW-Verkäufe in Russland 2025 insgesamt um rund 42 Prozent auf etwa 16.700 Fahrzeuge. Der Großteil entfällt auf Parallelimporte, doch auch die in Kaliningrad montierten Fahrzeuge finden offenbar Abnehmer. Kommersant berichtet, dass einige Händler die lokal produzierten Modelle bewusst anbieten, während andere aus Rücksicht auf ihre internationalen Geschäftsbeziehungen darauf verzichten.

Wie lange Avtotor die Montage fortsetzen kann, hängt maßgeblich von den verbliebenen Lagerbeständen ab. Man darf davon ausgehen, dass noch genügend Komponenten vorhanden sein könnten, um die Produktion kleiner Stückzahlen bis mindestens Ende 2026 fortzuführen. Sollten keine neuen Originalteile verfügbar werden, dürfte die Fertigung anschließend auslaufen. BMW selbst beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben weiterhin und versucht, mögliche negative Auswirkungen für Kunden und Handelspartner zu begrenzen. Für Käufer bleibt jedoch das Risiko bestehen, ein Fahrzeug ohne Herstellerfreigabe, ohne Werksgarantie und ohne gesicherte Qualitätskontrolle zu erwerben.

Fazit