Elektrische Vans im Korea-Duell: Hyundai Staria vs. Kia PV5

Hyundai Staria Elektro und Kia PV5
Elektrische Korea-Vans im Duell

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.01.2026
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Hyundai und Kia zeigen gleich zum Jahresbeginn, dass es in Zukunft auch im Transporter-Segment richtig spannend werden dürfte. Mit dem Staria Elektro und dem PV5 rollen zwei vollelektrische Vans auf die Straßen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwei koreanische Stromer, zwei Konzepte – und jede Menge Gründe, genauer hinzuschauen. Ein Vergleich.

Größe: Großzügig oder kompakt

Mit seinen 5,25 Metern Länge, fast zwei Metern Höhe und einem Radstand von 3,27 Metern ist der Hyundai Staria Elektro ein echtes Dickschiff. Schon bei der ersten Begegnung wirkt er eher wie ein kleiner Reisebus. Dabei bietet er eine Technik-Plattform, die sowohl für Familienreisen als auch für den gewerblichen Transport geeignet ist. Die fast zwei Meter breite Karosserie sorgt für ausreichend Schulterfreiheit, während die Höhe den Ein- und Ausstieg selbst für größere Passagiere erleichtert.

Kia setzt beim PV5 auf kompaktere Maße: 4,70 Meter Länge, 1,90 Meter Höhe und ein Radstand von drei Metern machen ihn wendiger und tiefgaragenfreundlicher. Für städtische Einsätze und enge Parklücken ist er damit besser geeignet als der Staria, besonders in engen Innen- oder Altstädten, wo Wendigkeit und kurze Überhänge einen großen Unterschied machen. Durch die modularen Varianten (Passenger, Cargo, Chassis Cab) lässt sich der PV5 zudem an unterschiedliche Einsatzzwecke anpassen, was ihn sehr vielseitig macht.

Innenraum und Platzangebot: Komfort vs. Flexibilität

Im Hyundai Staria steht auch in der Elektroversion der Komfort im Vordergrund. Der Kleinbus ist als Sieben- oder Neunsitzer erhältlich, hinter der dritten Sitzreihe bietet er 431 bis 1.303 Liter Gepäckvolumen. Die niedrige Fensterlinie, der flache Boden und die großzügige Kopffreiheit sorgen für ein offenes Raumgefühl, das nicht nur lange Reisen sehr unterhaltsam macht. Zwei 12,3-Zoll-Displays dienen als digitale Schnittstelle für Fahrer und Beifahrer, während Klimatisierung und Soundanlage über klassische Schalter bedient werden.

Beim Kia PV5 steht die praktische Nutzbarkeit im Mittelpunkt. Die Cargo-Hochdachversion schluckt bis zu 5,1 Kubikmeter Ladevolumen, genug Platz für zwei Europaletten, während die Passenger-Version als dreireihiger Van auf Mitfahrdienste, Camping oder Shuttle-Einsätze ausgelegt ist. Das modulare AddGear-System erlaubt es, Innenraum und Ausstattung auch nachträglich individuell anzupassen. Durch die Low-Floor-Konstruktion mit dem einheitlich flachen Boden ist der Einstieg besonders einfach, was den PV5 für Flotten, Gewerbe und barrierefreie Einsätze interessant macht.

Ausstattung: Digitales Plus vs. Premium

Der Hyundai Staria Elektro ist für einen Van oder Kleinbus sehr fein mit schönen Materialien verarbeitet. Dazu gibt es etliche praktische Features. Elektrische Schiebetüren und Heckklappe, schallgedämpfter Innenraum (ähnlich Noise Cancelling), Vehicle-to-Load-Funktion für externe Geräte – alles darauf ausgelegt, den Van sowohl im Alltag als auch auf langen Strecken komfortabler zu machen. Hyundai setzt zudem auf ein beruhigendes Interieur: Die klassischen Schalter für Klima und Sound wirken übersichtlich und bedienen sich intuitiv, und nachts kann sich das Ambiente-Licht sehen lassen.

Der PV5 wiederum setzt die digitale Vernetzung in den Mittelpunkt und wirkt gleich etwas moderner. Android Automotive OS, Over-the-Air-Updates, 12,9-Zoll-Touchscreen und 7,5-Zoll-Kombiinstrument sorgen zusammen mit dem durchgehend flachen Boden für ein modernes Cockpit. Die Vehicle-to-Load-Funktion erlaubt es, externe Geräte mit bis zu 3,7 kW zu versorgen – perfekt für Gewerbe, Baustelle oder Freizeit. Dazu gibt es zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten für Sitze, Laderaum und Zubehör.

Antriebe und Batterie: Kraft vs. clever

Unter der Haube liefert der Hyundai Staria Elektro 160 kW (218 PS) und 350 Nm Drehmoment, angetrieben werden ausschließlich die Vorderräder. Die 84-kWh-Lithium-Ionen-Batterie im Fahrzeugboden setzt auf die 800-Volt-Auslegung, die deutlich schnelleres Laden erlaubt. Das Laden von 10 auf 80 Prozent ist in nur 20 Minuten erledigt. Damit ist der Staria auch für längere Reisen oder den Anhängerbetrieb prädestiniert. Gebremst zieht er bis zu zwei Tonnen schwere Anhänger. Das Thermomanagement soll dabei selbst bei hoher Last für stabile Antriebsleistung sorgen.

Der Kia PV5 fährt ebenfalls mit Frontantrieb, allerdings mit zwei Motorisierungsstufen: 89 kW (122 PS) oder 120 kW (163 PS), jeweils 250 Nm Drehmoment. Kunden können zwischen NMC-Batterien mit 43,3 kWh LFP-, 51,5 kWh oder 71,2 kWh wählen. Die Ladeleistung beträgt hier nur bis zu 150 kW, wodurch 10 bis 80 Prozent in 30 Minuten möglich sind. Der PV5 ist also weniger auf Höchstleistung und lange Reisen ausgelegt. Dennoch hat er einen Reichweiten-Weltrekord für Transporter aufgestellt: 693 Kilometer ohne Nachladen.

Fahrdaten + Reichweite: Langstrecke vs. Stadtbetrieb

Die theoretische Reichweite liegt bei beiden Vans auf ähnlichem Niveau, wobei der Staria Elektro bis zu 400 Kilometer nach WLTP schafft, der PV5 maximal 397 Kilometer. Doch die Charaktere unterscheiden sich: Der Staria erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h und eignet sich damit auch für Autobahnfahrten, während der PV5 auf 135 km/h limitiert ist. Wer also lange Strecken fährt oder gelegentlich einen Anhänger zieht, findet im Staria das geeignetere Fahrzeug.

Wie effizient der PV5 allerdings im Stadtverkehr ist, weist der WLTP-Teilzyklus City aus. Mit durchschnittlich 15,3 Kilowattstunden je 100 Kilometer kommt der kompakte Koreaner damit bis zu 587 Kilometer weit.

Preise: Premium vs. Pragmatismus

Für den Staria Elektro sind die Preise noch nicht offiziell kommuniziert, doch man darf ein Premium-Niveau erwarten, das ihn oberhalb klassischer Vans und eher im Segment luxuriöser Transporter ansiedelt. Der PV5 startet hingegen sehr konkurrenzfähig: Die Cargo-Langversion (L2H1) mit 51,5-kWh-Batterie kostet 39.190 Euro netto, mit 71,2 kWh 43.805 Euro. Damit liegt Kia zumindest beim Einstiegspreis deutlich unter VW ID. Buzz Cargo, den es ab 42.720 Euro gibt.

Zudem gewährt Kia sieben Jahre Herstellergarantie (bis 150.000 km) und acht Jahre Batteriegarantie (160.000 km). Ein starkes Argument, das nicht nur bei Flottenkunden, sondern auch bei Privatkäufern zählen dürfte. Zuverlässigkeit und niedrige Betriebskosten sind schließlich hier wie da beim Umstieg aufs Elektroauto wichtig. Hyundai dürfte für den Staria vergleichbare Garantien bieten, was selbst Kunden mit Premiumanspruch honorieren dürften.

Fazit