Ikea Project Car Ryan Schlotthauer
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Ikea-Auto Höga: Geniales Selbstbau-Auto aus der Kiste

Ikea-Auto Höga aus 374 Teilen Geniales Selbstbau-Auto aus der Kiste

Unter der Leitung von Ikea und Renault hat ein Designer ein Selbstbauauto für die Stadt entworfen. Das kleine Fahrzeug wirkt ausgesprochen praktisch.

Der amerikanische Designstudent Ryan Schlotthauer hatte 15 Wochen Zeit, um unter der Leitung von Renault und des Selbstaufbau-Möbelgiganten Ikea ein Stadtauto zu entwickeln. Die Idee: Wie bei Ikea-Möbeln üblich, sollen die Kunden die Kiste mit den Bauteilen des Autos aus dem Ikea-Lager mitnehmen und das Fahrzeug dann selbst zusammenbauen.

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Ryan Schlotthauer
Höga ist symmetrisch aufgebaut.

Deutlich kürzer als ein Smart

Im Rahmen seiner Bachelorarbeit am College for Creative Studies in Detroit im US-Bundesstaat Michigan hat Schlotthauer jetzt das Ikea-Auto namens Höga vorgestellt. Der Kleine ist zwar 2,3 Meter kurz (und damit 20 Zentimeter kürzer als ein Smart Fortwo) und nur 1,57 Meter breit (Smart: 1,66 Meter), dafür aber 1,88 Meter hoch (Smart: 1,52 Meter). Er basiert auf einer Elektroplattform, die den Antriebsakku zwischen ihren Achsen trägt. Das Auto ist symmetrisch konstruiert und lässt sich vorn und hinten über eine am Dach angeschlagene Klappe öffnen – der Zugang erinnert ein wenig an die BMW Isetta, wobei dort die Tür seitlich aufschwingt. Durch dieses System können Rollstuhlfahrer recht einfach in das Auto fahren – Lenkrad und Armaturenbrett klappen mit der Fronttür nach oben. Und der Kofferraum ist wegen seines maximal großen Ausschnitts komfortabel beladbar. Zusätzliche Staufächer lassen sich aus den Seitenwänden des Höga herausklappen. Die vier Puck ähnlichen Gebilde auf dem Dach des Höga sollen als Gehäuse für Lidar-Systeme (Light detection and ranging) dienen: Die Technik zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung ist bei späterem autonomen Fahren hilfreich.

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Zwei am Dach angeschlagene Klappen geben den Zugang frei. Bei der forderen Klappe schwingt der Instrumententräger samt Lenkrad mit nach oben. Unten lässt sich eine Stufe ausklappen.

Platz für ein Fahrrad

Der Innenraum ist übersichtlich gestaltet und bietet wegen der geringen Fahrzeuglänge nur eine Zweier-Sitzbank. Als Anzeige für die Instrumente schlägt Schlotthauer vor, dass jeder sein eigenes Tablet oder Smartphone in den Armaturenträger einklinkt – schließlich weiß der Nutzer am besten, wie er sein eigenes Gerät bedient. Außerdem vereinfachen und verbilligen fehlende Instrumente die Produktion. Rechts und links von der Sitzbank hat der Designer breite Armauflagen mit Becherhaltern vorgesehen. Als Kopfstütze dient eine große durchgehende Schaumstoffrolle. Außerdem lässt sich auf der Sitzbank ein passender Kindersitz befestigen und der Zweisitzer lässt sich zu einem Einsitzer zusammenschieben – dann kann auf der Beifahrerseite sogar ein Fahrrad mitfahren.

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Der Innenraum ist übersichtlich gestaltet - als Instrumenten-Anzeige soll dem Fahrer sein eigenes Tablet dienen, dass er auf dem Armaturenträger einklinkt.

Karton und recycelte Materialien

Der Bausatz soll aus wetterfestem Karton und weiteren umweltfreundlichen Materialien bestehen – insgesamt muss der Kunde 374 Teile zusammenbauen. Als möglicher Preis für das bisher nur virtuell existierende Projekt sind 5.300 Euro veranschlagt, wobei bisher keine Daten zu Batterie und Motor bekannt sind.

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Dank der großen vorderen Tür sollen Rollstuhlfahrer relativ einfach in das Ikea-Auto gelangen können.

Möglichst wenige Teile in möglichst kleiner Kiste

Auf unsere Nachfrage hin betont Ryan Schlotthauer, dass der schwierigste Teil der Aufgabe war, das Auto in möglichst wenigen Teilen zu liefern, die dann trotzdem noch in eine nicht allzu große Kiste passen. Ob Ikea und Renault Höga wirklich einmal bauen, ist noch nicht entschieden – Schlotthauer wünscht sich natürlich eine Realisierung.

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Fazit

Die Idee, ein kleines Stadtauto als Ikea-Selbstbaumodell zu einem vergleichsweise niedrigen Preis anzubieten, hat etwas Bestechendes. Der symmetrisch aufgebaute Höga, den Automobildesigner Ryan Schlotthauer unter der Leitung von Ikea und Renault entworfen hat, wirkt mit seiner kompakten Bauform und den großen Klappen vorn und hinten ungemein praktisch. Toll sind zudem sowohl der einfache Zugang für Rollstuhlfahrer, als auch der aufgeräumte Innenraum und die Idee, das eigene Tablet oder Smartphone als Instrumenten-Anzeige zu nutzen.

Der Zusammenbau aus 374 Teilen dürfte vielen Kunden deutlich schwerer fallen als zunächst angenommen – Autos sind erheblich komplizierter aufgebaut als Möbel. Dabei hilft ein Blick auf den britischen Kit-Car-Markt – selbst der etablierte Hersteller Caterham bietet seine Seven Cars auf Wunsch auch als Bausatz an. Dabei machen die Caterham-Verantwortlichen immer wieder eine Erfahrung: Viele Kunden brauchen Jahre, um ihr Auto fertig zu bauen – einige schaffen es gar nicht, weil sie einfach nicht die Zeit haben, ein Jahr lang jedes Wochenende dem Autobau zu opfern. Wie einfach der Ikea Höga aufzubauen ist, wäre spannend.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Sicherheit – gerade kleine Stadtautos haben nur minimale Knautschzonen. Mercedes hat beim Smart hunderte von Millionen Euro in die Entwicklung einer sicheren Fahrgastzelle investiert. Diese Entwicklung müssten Renault und Ikea für den Höga erst noch vornehmen. Sollten die Beteiligten die genannten Probleme lösen, wäre der Höga ein genial einfaches, bezahlbares und praktisches Stadtauto.

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