Going Green
Neue Mobilität im Alltag
Abt e-Caddy (2020) Stephan Lindloff
Abt e-Caddy (2020)
Abt e-Caddy (2020)
Abt e-Caddy (2020)
Abt e-Caddy (2020) 14 Bilder

Abt e-Caddy im Fahrbericht: VWs Hochdach-Van als E-Auto

Abt e-Caddy im Fahrbericht So simpel und praktisch wie als Verbrennermodell

Den VW Caddy gibt es ab Frühjahr auch mit rein elektrischem Antrieb und 159 Kilometern Reichweite. Entwickelt wurde er bei Tuner Abt. Wir sind ihn gefahren.

Woran man merkt, dass sich die Zeiten ändern? Zum Beispiel daran: Tuner Abt aus Kempten verpasst Autos aus dem VW-Konzern schon seit Jahrzehnten mehr Leistung und eine sportlichere Optik – in den meisten Fällen den ohnehin schon potenten Audi RS- und VW-R-Modellen. Und ausgerechnet hier holen sich die Wolfsburger nun Unterstützung bei der Elektrifizierung der leichten Nutzfahrzeuge Caddy und VW T6.1.

Neben der Abt Sportsline, die sich dem Tuning widmet, ist die erst 2018 gegündete Schwesterfirma Abt e-Line noch recht unbekannt. Der Name verrät es: Hier dreht sich alles um elektrische Antriebskonzepte, zu denen Abt nicht zuletzt auch mit der Teilnahme bei der Formel E schon reichlich Expertise sammeln konnte. Genug jedenfalls, um für VW die Elektrifizierung der Modellpalette weiter mit voranzutreiben. VW liefert den Caddy im Serienzustand. Abt e-Line entfernt zunächst alle Komponenten des Verbrennerantriebs und ersetzt sie durch Batterien und E-Maschine. Dabei müssen außerdem das Chassis verstärkt, die Halterung des Batteriepakets angebracht und der Korrosionsschutz wieder hergestellt werden. So wird aus dem VW Caddy der Abt e-Caddy.

Da die Akkus platzsparend am Fahrzeugboden unterkommen, bleibt das Raumangebot im Innenraum unverändert. Das gilt sowohl für den Kastenwagen mit seinem weiterhin 4,2 Qubikmeter großen Laderraum, als auch für das Platzangebot und speziell den Fond-Fußraum in den beiden Caddy-Versionen Kombi und Trendline. Innen gibt sich der e-Caddy nur am leicht veränderten im Drehzahlmesser inklusive kleinem Logo zu erkennen. Auf der Waage sind die Unterschiede deutlicher. Die Unterflur-Akkus wiegen allein 320 Kilogramm, was den e-Caddy unterm Strich 154 kilogramm schwerer macht als das Basismodell mit 102-PS-TSI.

Zwei Leistungsstufen, zwei Tempolimitierungen

Auch beim Fahren ist der e-Caddy noch immer ein Caddy. Nur eben elektrisch. Erläuterungen zur Handhabung braucht es nicht. Der Antrieb startet mit einem Schlüsseldreh, E-Auto-typisch geräuschlos aber immerhin mit einer winzigen Bewegung der Drehzahlnadel als Zeichen, dass der Motor auch wirklich angeschaltet ist. Der vom DSG bekannte Wählhebel blieb dem e-Caddy erhalten – inklusive der Stellung "D" und "S". Erstere stellt 75 Prozent, letztere die volle Leistung der 83 kW (113 PS) starken E-Machine zur Verfügung.

Dann darf auch das maximale Drehmoment von 200 Nm auf die beiden Vorderräder wirken. Legt es der Fahrer drauf an, zieht sich der e-Caddy vehement bis über die 60-km/h-Marke. Leise surrend und schnell. Danach wird es aber etwas zäh und bei Tempo 90 geht es schon in den Begrenzer, sofern der Besitzer nicht in die optionale Limitierung von 120 km/h investiert hat. Eine Sportskanone wie man es von den getunten Autos der Abt Sportsline kennt, ist der e-Caddy nicht. Das soll und will er aber auch gar nicht sein.

Keine wählbaren Rekuperationsstufen

Wer möglichst viel von der WLTP-zertifizierten Reichweite von 159 km haben möchte und überwiegend im Stadtverkehr unterwegs ist, lässt den Hebel ohnehin lieber im Normalmodus. So oder so bringen die schweren Akkus etwas mehr Ruhe ins Fahrwerk. Der e-Caddy liegt satter auf der Straße als die Verbrennermodelle und reagiert etwas gelassener auf Unebenheiten. Was im Vergleich zu den anderen VW-Stromern und vielen weiteren E-Autos fehlt, ist die Wahl verschiedener Rekuperationsstufen. Das Bremsmoment ist dem eines Diesels nachempfunden, was aber nicht ausreicht, um den e-Caddy ausschließlich mit dem Lupfen des Fahrpedals zu verzögern. In E-Up und E-Golf kann der Fahrer die meisten Fahrsituationen mit etwas Eingewöhnung und entsprechend gewählter Rekuperationsstufe auch ohne Bremspedal bewerkstelligen.

Abt e-Caddy (2020)
Stephan Lindloff
An einer 7,2-kW-Wallbox ist der Akku in rund fünf Stunden wieder voll. An einer Schnellladestation mit 50 kW vergehen 50 Minuten bis die Batterien zu 80 Prozent geladen sind.

Wichtig zu wissen: Der Abt e-Caddy wird nur in der Langversion angeboten und steht ab Frühjahr bei ausgesuchten Volkswagen-Nutzfahrzeuge-Händlern und Abt e-Line Partnern. Zu haben ist er ausschließlich als Leasingfahrzeug zu Konditionen ab 293 Euro im Monat. Der Umweltbonus von Volkswagen und eine Sonderzahlung von jeweils 3.000 Euro sind in die Rate bereits einkalkuliert.

Gut zu wissen: Der neue Caddy steht bereits in den Startlöchern und wird am 20. Februar enthüllt. Ob dann von der neuen Generation auch gleich ein rein elektrisches Modell angeboten wird, erscheint unwahrscheinlich. Vermutlich wird der e-Caddy auf Basis der aktuellen Generation noch eine Weile weiterlaufen. Mehr dazu erfahren wir bei der Präsentation.

Fazit

Wie der Abt e-Caddy fährt? Unspektakulär. Und zwar im positven Sinn. Einsteigen und losfahren – das gelingt so simpel wie in jedem anderen VW. Benefits des E-Antriebs sind neben dem lokal emissionsfreien Fahren die rasche Beschleunigung und das ruhigere Fahrwerk. Wer sich für den Abt e-Caddy entscheidet, bekommt ein unkompliziertes E-Auto mit gutem Platzangebot. Die Reichweite ist zwar nicht üppig, sollte aber für den Gebrauch im urbanen Umfeld ausreichend sein.

VW Caddy
Artikel 0 Tests 0 Generationen 0 Videos 0
Alles über VW Caddy
Mehr zum Thema Going Green - Neue Mobilität im Alltag
Fahrbericht Renault Zoe RE135 Z.E. 50 (2019)
Politik & Wirtschaft
Hyundai 45 Erlkönig
E-Auto
11/2020, Infografik Tesla 4680 Batteriezelle
Technik erklärt