Audi e-tron 55 Sportback (2020) W. Groeger-Meier/Audi
Audi e-tron 55 Sportback (2020)
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Audi E-Tron 55 Sportback (2020)

Elektro-SUV mit Coupéheck und 408 PS

Audi erweitert die E-Tron-Familie: Der Sportback will mehr sein als nur eine Fließheck-Variante des großen SUV. Unser Fahrbericht zeigt, was der Elektro-Crossover außer schönen Formen bietet.

Tausend Euro sollten Sie in Gedanken bei Seite legen, bevor Sie den Konfigurator des Audi E-Tron Sportback anklicken. Sie werden im vierten Menüpunkt "Exterieur" benötigt: Aussenfarbe, Metalliclack Catalunyarot. Als aufpreisfreier Unilack steht ohnehin nur einfaches Schwarz zur Verfügung. Und kein anderer der Farbtöne in der Metallicpalette kann es mit diesem Rot aufnehmen. Im späten Licht eines sonnigen Frühjahrstages leuchtet der E-Tron, als glühte er von innen.

Lohnen die Kameraspiegel für 1540 Euro?

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Rund die Hälfte der Käufer hierzulande bestellt die Kameraspiegel für 1540 Euro.

Ein teureres Extra wählt, sagt Audi, hierzulande rund die Hälfte aller E-Tron-Besteller: die virtuellen Spiegel für 1540 Euro. Kontrastreiche OLED-Displays haben sie, die Kameraspiegel. Sie stellen sich selbsttätig auf verschiedene Szenarien wie Autobahnfahren oder Einparken ein, und dennoch lässt sich nach wiederholten Versuchen mit dem Kamerasystem feststellen, dass konventionelle Spiegel besser wären.

In den USA wird das System übrigens gar nicht angeboten, die Gesetzeslage will es so. Doch nun zurück in den E-Tron 55 Sportback. Da wird sich jeder, der den E-Tron-SUV kennt, sofort heimisch fühlen. Von den vorderen Plätzen sind keine Unterschiede auszumachen. Was ja nicht verkehrt ist, stilistisch einwandfreies, solide verarbeitetes Audi-Oberklasse-Ambiente rundum.

Erster Fahreindruck: guter Komfort

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Geschmeidige Kraft und ausgewogener Komfort prägen den Fahreindurck.

Das Losfahren gestaltet sich Elektroauto-typisch unspektakulär – ein Knopfdruck, ein Zug am Wählhebel, und der E-Tron rollt vom Hof des Audi Forums in Ingolstadt. Das Kopfsteinpflaster lässt das 20-Zoll-bereiften Fahrwerk (S-Line) schon mal Geschmeidigkeit beweisen. Luftfedern und rund 2,5 Tonnen Leergewicht sind in diesem Fall eine gute Kombination. Der Audi gleitet sanft über die Holpereien, straff, doch gut ansprechend und nicht zu holzig abrollend. Überhaupt prägen Fahrwerks- und Antriebskomfort das Fahrgefühl im E-Tron Sportback.

Zwar bietet Audi zum Marktstart des Sportback mit dem E-Tron 50 eine geringfügig schwächere und mit kleinerem Akkupack versehene Variante an, unser catalunyarotes Auto ist ein 55er mit 300 kW und 95 kWh-Akku (ab 73.150 Euro) . Im E-Tron 50 stehen 230 kW sowie 71 kWh-Akku zur Verfügung (ab 81.350 Euro).

300 kWh sind nach alter Rechnung 408 PS, nicht zu knapp also, selbst wenn die PS über 2500 kg zu stemmen haben. Und 664 Nm aus dem Stand dabei sind. Das Gefühl überbordenden Leistungsangebots kommt im E-Tron freilich nicht auf. Das ist diesmal uneingeschränkt positiv gemeint. Der Audi beschleunigt zwar vehement, benötigt aus dem Stand auf 100 km/h keine sechs Sekunden, er macht jedoch keine übertriebene Show daraus.

Die Leistungsabgabe zeigt sich fein dosierbar, geschmeidig und auf den Punkt. Auch das hilft, Reichweite zu generieren, weil man selten mehr Energie auf die Wicklungen der beiden Asynchron-Maschinen loslässt.

E-Tron verbraucht 26 bis 29 kWh/100 km

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In der Praxis ist mit 350 km Reichweite zu rechnen.

Nach WLTP kommt der E-Tron bis zu 446 km weit, in der Praxis sollte man eher mit bis zu 350 km rechnen. Während der Testfahrten pendelte sich der Durchschnittsverbrauch bei Werten zwischen 26 und 29 kWh/100 km ein. Das liegt so am oberen Ende der WLTP-Angaben für den 55 Sportback (26 bis 21,9 kWh/100 km). Rund zehn Kilometer weiter als sein SUV-Zwilling soll der Sportback durch seine windschlüpfigere Form übrigens kommen, nun ja.

Rekuperation lohnt sich eher nicht

Bis zu 30 Prozent seiner Reichweite generiert der E-Tron dabei über Rekuperation. Mit den Schaltwippen am Lenkrad lässt sich auch hier der Rekuperationsgrad beim Fahren steuern. Letztlich eine Spielerei, denn der thermodynamisch sensibilisierte Fahrer weiß natürlich, dass der Elektrowagen am effizientesten fährt, wenn er so frei wie möglich rollt. Denn das Wiederbeschleunigen nach unnötigem Rekuperations-Verzögern kostet immer mehr Energie, als dadurch gewonnen wurde. Und ob die Rekuperation per Paddel am Lenkrad oder sanften Druck aufs Bremspedal dosiert wird, ist dem E-Tron und seiner Ladeelektronik völlig egal.

In Kurven macht sich das Gewicht bemerkbar

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Bei hurtigerer Fahrt macht sich das hohe Leergewicht bemerkbar.

Während dieser Gedankenspielereien schwingt sich der Sportback durchs bayerische Hügelland, die Altmühl zur Linken, rechts der Limes. Schnelles Kurvenfahren beherrscht er beinahe ebenso souverän wie das lautlose Dahingleiten. Die etwas verhalten rückmeldende Lenkung stört anfangs ein wenig, und das nach außen drängende Gewicht macht sich bei hurtigerer Fahrt immer nachhaltiger bemerkbar. Neutral und ausgewogen bleibt die Fahrt dennoch. Auch ein Verdienst des ausbalancierten Achslastverhältnisses von 50 zu 50, und selbstverständlich des tiefen Schwerpunkts durch die im Wagenboden montierten Lithium-Ionen-Einheiten samt umfangreichen Kabelwerks und Thermomanagements.

Laden mit bis zu 150 kW

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Die Ladekabel liegen im vorderen Kofferraum.

Das Ladeinstrumentarium steckt im vorderen Kofferraum. Ab Werk kommt der E-Tron Sportback mit CCS-Lader für Gleichstrom bis zu 150 kW. Damit kann er in einer knappen halben Stunde rund 80 Prozent der Batteriekapazität bunkern. An der Wechselstromdose kann mit dem Mode 3-Kabel mit 11 kW geladen werden. Beides benötigen wir heute nicht. Die Anzeige verspricht 280 km Rest-Reichweite, und bis zum Audi-Forum sind es keine zwanzig.

Innenraumcheck im E-Tron Sportback

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Trotz flacherem Dasch reicht die Kopffreiheit.

Bald steht die Sonne tief, der spärliche Verkehr wird hektischer und in Ingolstadt warten sie darauf, dass wir den roten Wagen zurück bringen. Eine schnelle Sitzprobe hinten. Der Himmel hängt nun im Fond 20 Millimeter tiefer, heißt es. Doch selbst für Sitzriesen reicht die Kopffreiheit locker aus. Ja, der Laderaum ist geringfügig knapper als im E-Tron ohne Sportback, 45 Liter weniger sollen es sein.

Etwas Zeit haben wir noch, um den Sportback von außen zu betrachten. Er räkelt sich vor einer Betonwand, die letzten Abendsonnenstrahlen funkeln über den Lack. Das flachere Dach steht dem E-Tron fraglos gut, zierlicher und kompakter wirkt er, sportlicher als der massigere E-Tron-SUV. Ein wenig teurer ist der Sportback schon, doch 450 Euro Preisunterschied sind in dieser Klasse vermutlich kein entscheidendes Kriterium

Fazit

Etwas weniger Platz, doch stimmigeres Design – auf diese Formel lässt sich der E-Tron Sportback reduzieren. Er ist ein komfortables, geschmeidiges Oberklasse-Auto mit einem unauffällig arbeitenden E-Antrieb, dem Show-Getue angenehm fremd ist.

Technische Daten

Audi E-Tron Sportback 55 Quattro
Grundpreis 81.639 €
Außenmaße 4901 x 1935 x 1616 mm
Kofferraumvolumen 615 bis 1655 l
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
Audi E-Tron Sportback
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