Bei Ferrari hat man der Entscheidung der FIA schon lange herbeigesehnt. Jetzt gab es endlich grünes Licht. Am Rennsonntag von Monaco wurden die Motorenhersteller darüber informiert, wer im Zuge des ADUO-Verfahrens nachrüsten darf und wie viele Upgrades erlaubt sind. Neben Ferrari dürfen auch Audi und Honda ihre Antriebseinheit in zwei Schritten überarbeiten. Mercedes wurde ein Upgrade zugestanden. Red Bull ging leer aus.
Die GPS-Daten aus den ersten Rennen sprachen eine eindeutige Sprache. Im Vergleich zur Konkurrenz verlor Ferrari die Zeit fast komplett auf den Geraden. Die gute Pace in den Kurven reichte nicht aus, um das Defizit auszugleichen. Ferrari sammelte zwar fleißig WM-Punkte, zu einem Sieg hat es an den ersten sechs Rennwochenenden aber noch nicht gereicht.
Der Rückstand bei der Motor-Power kam für die Ingenieure in Maranello nicht unerwartet. Schon früh in der Entwicklung hatten die Verantwortlichen erkannt, dass der eigene V6 wohl nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten kann. Es gab allerdings auch einige strategische Entscheidungen, die ganz bewusst dazu geführt haben, dass die Verbrenner-Power limitiert wurde.

Für eine gute Aerodynamik hat Ferrari bewusst Leistungseinbußen beim Motor in Kauf genommen.
Ferrari nutzt ADUO-Verfahren clever aus
So baute Ferrari zum Beispiel bewusst einen kleineren Turbo ein. Dieser verbessert die Starts und das Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen, kostet aber etwas bei der Spitzenleistung. Dazu hatten die Aerodynamiker die clevere Idee, einen kleinen Flügel hinter das Auspuff-Endrohr zu setzen. Das Winglet bringt zusätzlichen Abtrieb. Der gestiegene Abgasgegendruck reduziert aber etwas die Power des Motors.
Der dritte Faktor, der die PS-Zahl künstlich verkleinerte, ist das grundlegende Motorkonzept. Die Ingenieure legten das Aggregat absichtlich auf relativ hohe Temperaturen aus, um aus aerodynamischen Gründen kleinere Kühler verbauen zu können. Dafür wurde ein spezieller Zylinderkopf entwickelt, der mit der größeren Hitze zurechtkommt. Auch hier nahm man Leistungsbußen bewusst in Kauf.
Ohne die Möglichkeit zur Nachrüstung hätte man bei Ferrari vielleicht anders entschieden. Durch das ADUO-Verfahren, mit dem Hersteller ein PS-Defizit auf Seiten des Verbrenners ausgleichen dürfen, könnte sich der clevere Plan am Ende aber auszahlen. Wie bereits erwähnt, ergab die erste Analyse der FIA, dass das italienische V6-Triebwerk aktuell mehr als vier Prozent Rückstand aufweist und deshalb noch in dieser Saison zwei Mal überarbeitet werden darf.

Das erste Motoren-Upgrade soll schon in Spielberg parat stehen. Die zweite Nachrüstung ist im September geplant.
Erstes Upgrade schon in Spielberg?
Ferrari nutzte die letzten Monate bereits intensiv, um schnell die erste Ausbaustufe hinterherschieben zu können. Der ursprüngliche Plan sah vor, neue Teile zum Rennen in Spa-Francorchamps zu homologieren. Doch offenbar haben die Ingenieure noch etwas auf die Tube gedrückt. Aktuell sieht es so aus, als könnte das Antriebs-Facelift sogar schon in Spielberg ans Auto kommen.
Weil jedes Bauteil ausgiebig auf dem Prüfstand getestet werden muss und auch die Produktion deutlich komplizierter ist als zum Beispiel bei Aerodynamik-Komponenten, rechnen die Ingenieure bei Motoren-Upgrades mit deutlich längeren Vorlaufzeiten. In den letzten Wochen hat man in Maranello also wortwörtlich den Turbo gezündet.
Während das erste Upgrade auf den Prüfständen läuft, wird im Hintergrund schon an der zweiten Ausbaustufe gearbeitet. Auch sie soll so kommen, dass die Piloten in dieser Saison noch möglichst lange davon profitieren. Nach dem aktuellen Plan steht der letzte Schritt nach der Sommerpause im September auf dem Programm.
Mit einem cleveren Timing könnte Ferrari vielleicht sogar um eine Motorenstrafe herumkommen. Aktuell wurden erst zwei Verbrenner-Motoren eingesetzt. Damit hat man noch zwei neue V6-Einheiten in der Hinterhand. Erst beim fünften neuen Aggregat gäbe es eine Strafe.












