BMW M235i xDrive Gran Coupé M Performance, Exterieur Max Balász
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BMW M235i xDrive Gran Coupé im Test

Was kann der Gran?

Auch der kleinste BMW soll zu besonderer Größe finden. Auf Basis des 1er kommt das 2er Gran Coupé – viertürig, quermotorig und allrad-, nicht hinterradgetrieben. Wir klären in seiner Topversion, was es draufhat.

Wer könnte es ihnen verdenken, lägen sie eitel und eingebildet in der Gegend herum? Gerade die kleinen, welche nicht die Richtung zu den großen Metropolen vorgeben, sondern jene, die sich eng verschlungen durch entlegene Gegenden winden, über einsame Hügel oder durch Täler streifen, so tief, dass die Sonne sie kaum erreicht. Gerade für sie treiben die Ingenieure den ganzen Aufwand, den und dessen Wirkung es gleich zu beschreiben und zu bewerten gilt. Es geht: um die Kurve.

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Die Kurven kann er ganz gut, doch für ein M-Modell ein bisschen zu effizient-schnell.

Die Kurve nämlich und ein BMW, das ist mehr als eine flüchtige Romanze – eine innige, sinnstiftende Leidenschaft. Und nein, kleiner haben wir es nicht als Einstieg in den Test dieses Wagens, dessen Name eine Textzeile fordert – des M235i xDrive Gran Coupé M Performance.

Gekürzte Streckung

Es ist das dritte BMW Gran Coupé nach Vierer und Achter, und es ist nicht an uns zu bewerten, ob die Idee, durch eine gestreckte Linie Eleganz zu stilisieren, hier auf kompakten 4,53 Metern Länge zu höchster Harmonie findet. Gewiss, die Plattform brachte Herausforderungen für die Stilistik mit sich. Anders als die Vierer und Achter mit Längsmotor und erhabener Haube basiert das Zweier Gran Coupé wie der Einser auf der UKL2-Plattform für Quermotor und Vorderradantrieb. Um deren Raumeffizienz nicht zu vertüddeln, ist die Haube eher kurz, endet das Heck abrupt. Stattliche 430 Liter passen ins Gepäckabteil, allzu Großes dabei nicht durch die Kofferraumklappe. Mit der dreiteiligen Lehne lassen sich die Transportmöglichkeiten immerhin erweitern.

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Stattliche 430 Liter passen ins Gepäckabteil, allzu Großes dabei nicht durch die Kofferraumklappe.

Auf der Rückbank beherbergt das Gran Coupé zwei Passagiere in sittsamer Distanz voneinander, aber mit knappem Kopfraum. Pilot und Co. integriert es auf zupackend-haltstarken Sportsitzen tief und ungedrängt – ohne je die Intimität durch räumliche Weitschweifigkeit zu gefährden.

Die Bedienung organisiert das Operating System 7.0, wie sich das iDrive nun nennt. Neben der Drehdrückerei lassen sich die Menüs durchtippen, vieles – bis hin zu den Wetteraussichten – mit der verständigen Sprachbedienung beplaudern und manches mit kleinen Gesten ausrichten. Gelingt alles leicht und intuitiv, jedoch zählt zur Infotainment-Abteilung das Digitalinstrumentarium mit etwas pixeligen Anzeigen und gegenläufig flimmerndem Drehzahlmesser. Material- und Verarbeitungsgüte weisen eine Hochwertigkeit auf, wie man sie erwarten darf nördlich von 50.000 Euro. Doch zischelt es nicht etwas vernehmlicher an den Seitenscheiben, die kein Türrahmen umgibt? Ein wenig, doch weiß der Motor das zu übertönen.

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Seitenscheiben ohne Türrahmen.

Es ist die stärkste Version von BMWs Zweiliter-Vierzylinder, bei dem die Ingenieure den Kurbeltrieb verstärkten, die Kolben für eine höhere Verdichtung modifizierten und die Einspritzventile an den stärkeren Druck anpassten. Dazu gibt es das "größtmögliche" Kühlpaket mit Getriebeölkühler und zwei in die Radhäuser ausgelagerten Wasserkühlern. Schließlich hätten wir die zweibordige Auspuffanlage, aus welcher Abgase mit minimiertem Gegendruck entweichen, nachdem sie den Turbo auf Touren geplustert haben.

Motor mit Wuchtpotenzial

Leistung und Drehmoment gipfeln in 306 PS und 450 Nm – so viel, dass sie nur im Launch-Control-Modus komplett an die erste Automatikstufe geleitet werden. Normalerweise fährt der M235i mit sacht gedimmter Kraft los – was dem Vorgang selbst kaum Vehemenz nimmt. Eher geringen Anteil daran dürfte das M-Performance-Paket für 1.500 Euro haben.

Es stellt eine um 0,1 Sekunden schnellere Beschleunigung in Aussicht durch eine Overboost-Funktion, ein geringeres Fahrzeuggewicht und womöglich gar dadurch, dass Heckflügel, Auspuffblenden und Außenspiegelkappen schwarz lackiert sind. Jedenfalls stürmt das Gran Coupé los und nimmt sich auch keinen Wimpernschlag mehr Zeit als die versprochenen 4,8 Sekunden für die Nullhundert.

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In 4,8 Sekunden schafft es der Gran von Null auf Hundert.

Es wäre auch alles gut, gäbe es fast zum gleichen Preis nicht das M240i Coupé mit dem famosen Reihensechser. So ahnst du, wie es sonst sein könnte – noch klang- und drangvoller, kultivierter, feinsinniger. Der Vierzylinder erledigt dagegen alles mit seiner Wucht, welche die Aisin-Automatik und der Allrad gut sortieren und gripfest auf die Straße bringen. Der Achtgangwandler schaltet schnell, treffsicher, reagiert im Sport-Modus ohne nervige Hektik, legt im Comfort-Modus den Leerlauf ein, um die Effizienz zu steigern. Sparsam ist der Gran damit auch – 8,8 l/100 km im Test. Da gibt es nichts, was man dem Antrieb so direkt vorwerfen könnte. Nur: außer der Leistung und Kraft auch wenig, was dich mitreißt.

Wir listen mal auf, was der M235i alles mitbekommt, um sein Handling zu dynamisieren: ein mechanisches, in die Achtstufenautomatik integrierte Torsen-Differenzial für die Vorderachse, das Verstellfahrwerk mit zwei anwählbaren Dämpferkennlinien und vorgespannter Stabilisatorlagerung, die mit 14:1 direkter übersetzte Lenkung mit variabler Servounterstützung und vor allem ARB. Das steht für "Aktornahe Radschlupfbegrenzung", stammt vom i3 und ist eine flinkere Traktionskontrolle.

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Direkt übersetzte Lenkung mit variabler Servounterstützung.

Weil der Schlupfregler im Motorsteuergerät statt in der ESP-Schaltzentrale sitze, erklärt BMW, verringerten sich die Signalwege, was zu einer zehnmal schnelleren Regelung führe, das Leistungsuntersteuern reduziere, das Lenkgefühl verbessere und die "erlebte Agilität" stärke. Dann ist da noch der Allrad, ein Hang-on-System, das die Kraft nach hinten schickt, wenn es den Vorderrädern zu viel wird – aber eben nie mehr als 50 Prozent.

All der Aufwand erhebt das Gran Coupé zu einem agilen, traktionsfesten, fahrsicheren und schnellen, sportlichen Kompaktwagen. Doch bei Slalom und Spurwechsel etwa liegt er mit 66,3 km/h und 140,9 km/h hinter dem Mini Clubman JCW, mit dem er sich das ganze Unterzeug und den Antrieb teilt (66,7/141,4 km/h). Obwohl das die Hierarchie durcheinanderwirbelt, könnte es einem egal sein, brächte der Zweier es dafür auf der Landstraße zusammen.

Auch da fährt er schnell, sicher, effizient. Genau: effizient. Von einem BMW erwartest du mehr Präzision, Nähe, Prickeln. Ein BMW muss selbst auf einer normalen Straße etwas spektakulär fahren. Nur – sorry, aber es stimmt – das M235i (M, Freunde, das ist der Punkt, es ist ein M) Gran Coupé fährt selbst auf einer spektakulären Straße immer noch etwas zu normal.

Im Einflussbereich

Das merkst du beim Einlenken in der ersten Kurve, da untersteuert der frontlastige Zweier (gut 58 Prozent der 1.599 Kilo drücken auf die Vorderachse), was weder ARB noch Momentenverschiebung nach hinten beheben können, sondern nur ein provozierter Lastwechsel. Dann dreht das Heck sacht ein. Beim Herausbeschleunigen zieht es ein wenig in der Lenkung. Also doch: Antriebseinflüsse. Dass die Lenkung spitz anspricht, ist stimmig, damit kommt man auch auf der Autobahn zurecht. Präzise ist sie zudem, doch nie so gefühlvoll-exakt wie im zweitürigen Zweier Coupé.

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Gut 58 Prozent der 1.599 Kilo drücken auf die Vorderachse.

Trotz der straffen Abstimmung des Fahrwerks bietet der Gran umgänglichen Komfort. Kurze Unebenheiten gibt er herb weiter. Aber das passt für ein sportliches Topmodell, vor allem, da selbst der Sport-Modus nicht zu bolzig ist, um ihn auf Landstraßen wirklich nutzen zu können.

Nur das Glück, das ja auf der Straße liegt – ziemlich sicher sogar in einer der eitlen Kurven –, also das findest du im M235i xDrive Gran Coupé eben nicht so leicht, wie es dir mit einem M-BMW sonst gelingt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot vorn
  • bis auf knappe Innenhöhe auch ausreichender Fond
  • für Coupé sehr variabel
  • hochwertige Material- und Verarbeitungsgüte
  • klasse Bedienung
  • kleine Kofferraumklappe
  • schlechte Rundumsicht
  • teils schlecht ablesbare Digitalinstrumente
Fahrkomfort
  • bequeme, haltstarke Sitze für sportlichen Kompakten
  • trotz straffem Set-up angemessener Federungskomfort
  • der Federungskomfort könnte für Langstrecken allerdings ausgeprägter sein
Antrieb
  • druckvoller, stets sehr leistungsbereiter Motor
  • sehr gute Automatik
  • ab und an Schaltrucke
Fahreigenschaften
  • sicheres, agiles Handling
  • sehr gute Traktion
  • direkte, präzise Lenkung
  • Einlenkuntersteuern
  • leichte Antriebseinflüsse in der Lenkung
Sicherheit
  • klassenüblich aufgestellte, gut funktionierende Assistenz- und Lichtausstattung
  • ordentliche Bremsen
Umwelt
  • in Anbetracht der Fahrleistungen günstiger Test- und Eco-Verbrauch
  • erfüllt nur die Abgasnorm 6d-Temp
Kosten
  • langes Wartungsintervall
  • nicht allzu geizige Serienausstattung
  • hoher Grundpreis
  • intensive Unterhaltungskosten

Fazit

Schnell, effizient, traktionsstark, ausreichend geräumig, etwas variabel – das starke Gran Coupé ist für einen Sport-Kompakten fast strebsam. Aber auch teuer, das Handling nicht so mitreißend wie erwartet.

Technische Daten

BMW M235i Gran Coupé xDrive
Grundpreis 52.500 €
Außenmaße 4526 x 1800 x 1410 mm
Kofferraumvolumen 430 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 6,7 l/100 km
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