Der Dacia Duster der dritten Generation gehört hierzulande zu den meistverkauften SUV – vor allem im Privatmarkt. Kein Wunder, steht auf seinem Preisschild ja "ab 18.990 Euro". Auch im Heimatland Rumänien ist der Duster gefragt. Dort gibt es ihn sogar in verschiedenen Pick-up-Varianten mit zwei oder vier Sitzen. Bisher gab es die Pritschen offiziell aber nur in Rumänien. Doch jetzt bringt der französische LPG-Umrüst-Spezialist Borel zwei Varianten auf den französischen Markt – perspektivisch könnte das auch für Deutschland interessant werden.
Kompakter Pick-up als Nutzfahrzeug
Die beiden Duster-Pick-ups entstehen beim rumänischen Karosseriebauer Romturingia. Das Unternehmen ist in Osteuropa seit Jahren auf Spezialumbauten von Dacia-Modellen spezialisiert und arbeitet bereits seit früheren Duster-Generationen mit dem Hersteller zusammen. Bekannt wurde Romturingia unter anderem durch Duster-Pick-ups, Camping-Umbauten und Nutzfahrzeuglösungen auf Renault- und Dacia-Basis.
Anders als klassische Pick-ups setzt Romturingia nicht auf einen verlängerten Leiterrahmen oder eine separate Ladefläche. Stattdessen wird die Karosserie des serienmäßigen Duster umgebaut. Beim viersitzigen Doppelkabiner bleibt die Fahrzeuglänge also nahezu unverändert, während der Kofferraum zu einer offenen Ladefläche umfunktioniert wird. Dadurch entsteht ein ungewöhnlich kompakter Pick-up mit nur rund einem Quadratmeter Ladefläche.
Deutlich praxisnäher wirkt die neue Einzelkabinen-Version. Hier wird das Dach hinter den Vordersitzen entfernt, die hinteren Türen stillgelegt und die Kabine mit einer verglasten Rückwand abgeschlossen. Die Ladefläche wächst dadurch auf 1,65 Meter Länge bei einem Meter Breite. Die Nutzlast beträgt 430 Kilogramm.
Für Kommunen, Handwerker und Förster
Aus deutscher Sicht könnte besonders die zweisitzige Variante Potenzial besitzen. Denn kompakte Allrad-Nutzfahrzeuge mit überschaubaren Außenmaßen sind auf dem Markt selten geworden. Gerade Kommunen, Forstbetriebe, Gartenbauer oder kleinere Handwerksunternehmen suchen häufig robuste Fahrzeuge mit Allradantrieb, niedrigen Betriebskosten und einfacher Technik.
Genau hier setzt der Duster Pick-up an. Angeboten wird er ausschließlich mit dem 1,2-Liter-Mildhybrid-Benziner "Hybrid-G 150", der sowohl Benzin als auch LPG verarbeiten kann und serienmäßig mit Allradantrieb kombiniert wird. In Frankreich profitiert das Modell schon jetzt von seiner Zulassung als Nutzfahrzeug der Klasse N1. Dadurch entfallen dort bestimmte Steuern und Abgaben. Für deutsche Gewerbekunden wäre vor allem die mögliche Vorsteuer-Abzugsfähigkeit interessant – vorausgesetzt, eine entsprechende Homologation würde auch hierzulande umgesetzt.
In Frankreich wird der Pick-up ausschließlich in der gehobenen Ausstattungslinie Journey angeboten. Zur Serienausstattung gehören unter anderem:
- 18-Zoll-Leichtmetallräder
- Klimaautomatik
- Adaptive Geschwindigkeitsregelung
- 10,1-Zoll-Infotainmentsystem
- Kabelloses Smartphone-Mirroring
- Elektrische und beheizbare Außenspiegel
- Keyless-System
- Parksensoren und moderne Assistenzsysteme
Der Einstiegspreis für den zweisitzigen Pick-up liegt bei 37.900 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Die viersitzige Version kostet 38.900 Euro. Damit liegen die Umbauten rund 8.000 Euro über einem vergleichbaren Serien-Duster. Für Dacia-Verhältnisse ist das ein komplett neues Preisniveau – im Pick-up-Segment dürfte es dennoch kaum günstigere Alternativen geben.
Umbau mit Spezialisten-Know-how
Romturingia zählt zu den bekanntesten Fahrzeugumbauern Rumäniens und arbeitet seit Jahren eng mit Dacia zusammen. Bereits frühere Duster-Pick-ups entstanden dort in Kleinserie. Dabei übernimmt der Karosseriebauer nicht nur die strukturellen Änderungen an Karosserie und Innenraum, sondern auch die Anpassung der Elektrik und die Homologation der Fahrzeuge.
Der aktuelle Duster Pick-up zeigt dabei deutlich die Handschrift der Spezialisten: Die serienmäßigen Rückleuchten bleiben erhalten, ebenso große Teile der Karosserie. Die Ladefläche wird direkt in die ursprüngliche SUV-Struktur integriert. Das spart Entwicklungskosten und hält den Umbau vergleichsweise kompakt.
Mini-Camper auf Duster-Basis
Besonders ungewöhnlich ist die optionale Wohnkabine "Bye Bye", die Borel exklusiv für den zweisitzigen Pick-up anbietet. Die abnehmbare Campingzelle verwandelt den kompakten Duster in ein kleines Reisemobil mit Bett, Kühlschrank, Kocher, Spüle und Gasheizung. Die Innenhöhe steigt bei geöffnetem Dach auf 2,10 Meter. Mit einem Gesamtpreis von knapp 60.000 Euro bewegt sich das Konzept allerdings deutlich außerhalb der klassischen Dacia-Preiswelt.
Wäre der Duster Pick-up auch in Deutschland denkbar?
Offiziell wird der Duster Pick-up bislang nicht in Deutschland angeboten. Dennoch wäre ein Markt durchaus denkbar – insbesondere als Nischenfahrzeug für Gewerbekunden oder Outdoor-Fans. Gerade die Kombination aus kompakten Abmessungen, Allradantrieb und LPG-Technik ist in Europa inzwischen selten geworden. Ob Dacia oder ein Importeur den Schritt nach Deutschland wagt, dürfte letztlich von der Nachfrage abhängen.











