6/2021, Cupra Leon VZ Bernd Conrad
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6/2021, Cupra Leon VZ 12 Bilder

Erste Fahrt im Cupra Leon VZ mit 300 PS

Cupra Leon VZ (2021) So fährt sich der spanische GTI-Bruder mit 300 PS

Die erste Fahrt im neuen Cupra Leon VZ mit 300 PS und Frontantrieb fand bei strömendem Regen und auf nassen Straßen statt. Eine gute Gelegenheit, die Alltagstauglichkeit des Hot Hatch zu testen.

Es hätte anders kommen können. Unter blauem Himmel hätte der "Desire Rot Metallic" lackierte Testwagen in der Sonne gefunkelt, bereit für eine Ausfahrt. Stattdessen regnet es aus Kübeln. Doch auch hier punktet die Farbe, setzt sich vom Grau des Himmels und des Asphalts ab.

Gleichzeitig kann der Cupra Leon VZ beweisen, ob er ein alltagstauglicher Hot Hatch ist. 300 PS zerren maximal an der Vorderachse des Fünftürers, nur der Sportstourer genannte Kombi ist auch mit Allradantrieb (und dann 310 PS) lieferbar.

Anstelle einer Mutmaßung können wir heute also direkt ausprobieren, ob der Spanier auf nasser Fahrbahn zickt oder nicht. Nichts wie rein in den geräumigen Innenraum, in den sie haltstarke und bequeme Sportsitze geschraubt haben. Zierelemente in Cupra-typischem Kupferton sorgen, zusammen mit Alcantara und Leder, für den feinen Unterschied zum bürgerlichen Seat Leon.

Der Turbo muss Druck aufbauen

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Andere Logos, Kontrastnähte und Materialien unterscheiden den Cupra Leon von seinem Seat-Zwilling.

Im optionalen "Supersport-Multifunktionslenkrad" steckt der Startknopf. Der Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum erwacht zum Leben und klingt dann doch entspannt. Die vierflutige Abgasanlage kümmert sich zwar um eine leichte Bassnote, bleibt aber nachbarschaftskonform.

Raus aus der Ortschaft, es geht über kurvige Landstraßen am Fluss entlang und in Richtung Weinberge hinauf. 400 Newtonmeter maximales Drehmoment versammeln sich zum Sturm, wenn der Turbolader seinen Druck erst einmal aufgebaut hat. Spätestens, wenn die Nadel des digital animierten Drehzahlmessers die 2.000/min-Marke reißt, haben die Regelsysteme zu tun. Der Fahrer spürt es nur leicht im Lenkrad, vielmehr fällt die nervös blinkende Warnleuchte der Traktionskontrolle auf.

Ein wenig ungestüm ist der also auf nasser Straße, der Cupra Leon. Zumindest dann, wenn man über die Schaltpaddel am Lenkrad einen Gang runterschaltet und gleichzeitig in Richtung Kurvenausgang Vollgas gibt. Die elektronische Differenzialsperre an der Vorderachse lässt eine kurze Tanzeinlage zu, bevor sie alles wieder in sichere Bahnen lenkt. Ganz schön alltagstauglich, so ein Cupra Leon.

Dezenter Sound trotz Lautsprecher

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Vier Endrohre sorgen für eine sportliche Optik am Cupra Leon.

Der zweite Knopf im Lenkrad trägt das Markenlogo und erlaubt die Einstellung der Fahrmodi. Den "Cupra-Modus" lassen wir heute mal seine Freizeit genießen, wir belassen es bei "Sport". Auch dann bleibt der Sound außen beinahe dezent, während das Interieur von einem Soundmodulator beschallt wird. Ja, so weit sind wir mittlerweile. Nur gut, dass die Spanier mit Maß an die Sache herangingen. Ein weltlicher Skoda Octavia RS klingt über seine Lautsprecher deutlich vorlauter und nerviger.

Das DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern ist beim Cupra Leon Teil der Serienausstattung. Im Sportmodus federt es trocken über Querfugen. Wer das nicht mag, wählt die Individual-Einstellung über die Fahrprofilauswahl. In 15 Stufen lässt sich die Dämpfercharakteristik jetzt variieren. Des Autors Empfehlung ist eine Einstellung um die goldene Mitte zwischen Sport und Komfort herum, während man weitere Parameter wie das Ansprechverhalten des Antriebs auf "Sport" stellt.

Mit 19 Zoll großen Leichtmetallfelgen, neuen Schürzen an Front und Heck sowie den Cupra-Logos und Schriftzügen unterscheidet sich der sportliche Leon deutlich von den braveren Brüdern, die weiterhin unter der Seat-Flagge segeln.

Gleichwohl teilt sich der Cupra Leon mit ihnen seine praktischen Vorzüge. Neben dem guten Raumangebot im Innenraum, dank eines im Vergleich zum VW Golf längeren Radstands auch im Fond, bietet er mit 380 Litern auch ausreichen Platz für das Gepäck. Die zum Fahrer orientierte Armaturentafel erlaubt eine gute Erreichbarkeit aller Bedienelemente. Leider machen die voll digitalisierte Bedienung über den großen Touchscreen und die nachts unbeleuchteten Slider für Temperaturauswahl und Audiolautstärke den guten Eindruck zum Teil wieder zunichte.

Günstiger als ein VW Golf GTI Clubsport

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Die Preisliste des Cupra Leon VZ startet bei 39.970 Euro.

Der Cupra Leon VZ (Das Kürzel steht für "veloz", das spanische Wort für "schnell") parkt für einen Grundpreis von 39.970 Euro im Konfigurator und der Preisliste. Damit hält er Respektabstand zum gleichstarken VW Golf GTI Clubsport, der ab 41.415 Euro zu haben ist.

Dem Wolfsburger hat der Cupra gleichzeitig eine umfangreichere Serienausstattung voraus, u.a. mit 19 statt 18 Zoll großen Felgen, Navigationssystem, DCC und Dreizonen-Klimaautomatik. Ein vergleichbar ausgestatteter GTI Clubsport kostet mit 44.375 Euro deutlich mehr.

Abstriche muss der Cupra-Kunde bei High-Tech-Ausstattungsdetails machen. Matrix-LED-Scheinwerfer und ein Head-up Display sind für den Spanier nach wie vor nicht lieferbar.

Fazit

Auch in seiner Neuauflage ist der Cupra Leon, zumindest in der 300 PS starken VZ-Version, ein heißblütiger Hot Hatch. Mittlerweile scheint jedoch auch er erwachsen geworden zu sein. Die Stimme hebt er nur im Rahmen der Möglichkeiten, hält sich gleichzeitig bei der Leistungsentfaltung bei niedrigen Drehzahlen zurück. Angesichts der kompletten Serienausstattung darf der Preis als attraktiv bezeichnet werden. Auch das hätte anders kommen können.

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