Mercedes Benz CLA 220, Front Konstantin Tschivikov

Mercedes-Benz CLA 220 (2019)

Der Mini-CLS im Fahrbericht

War ja klar, dass sich Mercedes bei der Neuauflage des erfolgreichen viertürigen Coupés der A-Klasse richtig Mühe geben würde. Doch wie gut fährt der neue Mercedes-Benz CLA 220?

Den Tag haben sie sich geschickt ausgesucht bei Mercedes. Das bayerische Voralpenland rund um den Tegernsee ist ja selbst an normalen Tagen von geradezu vorabendserienhafter Lieblichkeit. An diesem sonnigen Frühlingstag tänzeln weiße Wölkchen über den immer noch schneeüberpuderten Bergen. Unten blinkt der See durch die winterdürren Laubbäume. Und mittendrin ich im neuen Mercedes-Benz CLA Coupé.

Sein Vorgänger, 2013 präsentiert, ist ein Überraschungs-Bestseller im Mercedes-Programm, bisher rund 750.000-mal gebaut (einschließlich Shooting Brake). Gern wurde an Design und Federungskomfort herumgekrittelt, doch die Kundschaft kümmerte es nicht. Sie kaufte.

Mercedes Benz CLA 220, Rückbank
Konstantin Tschivikov
Dank der Coupé-Form geht es hinten beengt zu in Sachen Knie- und Kopffreiheit. Kinder dürften hier problemlos Platz finden, Erwachsene eher weniger.

Beides, also schön sein und federn, kann der Neue besser, das fällt schon bei der Abfahrt am Flughafen auf. Der CLA wirkt gestreckter, dynamischer und schnörkelloser als der etwas barocke Vorgänger. Erhalten bleiben dem Coupé seine aerodynamischen Qualitäten: Mit einem cW-Wert von 0,23 und einer Stirnfläche von 2,21 m² schlüpft er enorm widerstandsarm durch den Wind.

Ein Detail, das dabei helfen soll, Luftwiderstand und Windgeräusche zu minimieren, sind die Außenspiegel – nun nicht mehr im Fensterdreieck, sondern auf den Türtafeln montiert. Eine Kleinigkeit, doch sie zeigt, mit welcher Freude am gelungenen Detail hier gearbeitet wurde. Auf der A 8 Richtung Salzburg pfeilt der CLA jedenfalls sehr ruhig und geräuscharm durch den Wind.

Hinten sitzen nur für Kleine

Mercedes Benz CLA 220, Kofferraum
Konstantin Tschivikov
Trotz neuer Laderaumöffnung, die den Zugang zum Kofferraum leichter macht, schrumpft das Ladevolumen um 10l auf 460l.

„Mehr Platz im Innenraum“, lautet eine Verheißung des Pressetexts. Vorn wirkt der neue CLA tatsächlich luftiger, mit reichlich Ellenbogen- und viel Kopffreiheit. Eine Chauffeurs-Limousine wird der CLA dadurch freilich nicht. Der Fond ist immer noch eng und flach, zudem geriet der Zustieg durch die niedrigen Türen recht beschwerlich. So nutzt man die Rücksitzbank lieber als Taschenablage. Oder natürlich zum Kindertransport. Früher hießen solche Autos übrigens 2+2-Sitzer.

Besser zugänglich ist in der Tat der Laderaum. Die Heckklappe wurde verbreitert, was das Beladen enorm erleichtert. Allerdings schrumpfte das Volumen im Vergleich zum Vorgänger von 470 auf 460 Liter, aber zwei Golfbags sollten weiterhin reinpassen.

Kräftig-kerniger Motor

Die leicht kernige Ansprache des zwei Liter großen Vierzylinders kennt man aus der A-Klasse; das Getriebe gefällt mit unauffälliger Perfektion. Sehr kräftig wirkt der CLA 220 ohnehin, er tritt mit Nachdruck an und fühlt sich nach eher mehr als 190 PS an. Am Nachmittag fahren wir den gleich starken 220 d, eine ebenso geschmeidige und kräftige Antriebsquelle, die jedoch vorerst nicht in der Preisliste steht.

Natürlich wurde auch am Fahrwerk gefeilt. Die breitere Spur als in der A-Klasse soll ein besseres Einlenkverhalten bringen, und Kurven gibt’s hier genug. Also stürzen wir und mit dem CLA rein ins Vergnügen Richtung Wallbergstraße, wo bis in die 1980er-Jahre Bergrennen ausgetragen wurden. Fein ansprechend und zielgenau zeigt sich hier die Lenkung, der Fronttriebler folgt präzise und gelassen der Spur – auch bei höheren Kurvengeschwindigkeiten.

Mercedes Benz CLA 220, Motor
Konstantin Tschivikov
Der 220d ist noch nicht zum Marktstart erhältlich. Der einzige erhältliche Diesel zum Marktstart ist der CLA 180d mit 116 PS/260 Nm.

Gut, dass der Federungskomfort nicht allzu sehr unter dem Handlingtalent leidet. Der mit Verstelldämpfern (1.178 Euro) ausgerüstete Testwagen schwebt sehr gelassen über die wenigen Unebenheiten auf den Landstraßen in dieser Gegend. Kleinere Fugen bügelt das fein ansprechende Fahrwerk gekonnt weg. Auch das kann er also, dieser Mercedes.

Die ehemalige Bergrennstrecke ist immer noch wegen Lawinengefahr gesperrt. So bleibt mehr Zeit, um sich Interieur und Infotainment zuzuwenden. Im Mercedes-Benz CLA kommt das Bediensystem MBUX aus der A-Klasse zum Einsatz, und zwar in seiner neuesten Generation mit einem intelligenteren Sprachassistenten, Gestenerkennung und Augmented-Reality-Darstellung im Navigationsmonitor.

Einfacher wurde die Bedienung dadurch allerdings nicht; die etwas übereifrigen Wortmeldungen des Assistenten auf das Stichwort „Mercedes“ erweisen sich auf die Dauer als nervig. Und dauerhaft abschalten lässt er sich nicht. Da ist es gut, dass es so schön ist, hier unten am Tegernsee.

Mercedes Benz CLA 220, Front
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Fazit

Der Mercedes-Benz CLA ist ein elegantes, hübsches Auto geworden, auch Antrieb, Lenkung und Federungskomfort überzeugen. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Bedienung.

Technische Daten

Mercedes CLA 220
Grundpreis 37.140 €
Außenmaße 4688 x 1830 x 1439 mm
Kofferraumvolumen 460 l
Hubraum / Motor 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 241 km/h
Verbrauch 6,0 l/100 km
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