Seat Leon ST Kombi 1.5 TSI Fahrbericht 2020 Achim Hartmann
Seat Leon ST Kombi 1.5 TSI Fahrbericht 2020
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Seat Leon ST Kombi 1.5 TSI Fahrbericht 2020 23 Bilder

Fahrbericht Seat Leon ST 1.5 TSI (2020)

Ein besonders normaler Kombi?

Jeder will etwas Besonderes sein. Auch der Seat Leon ST? Der muss sich schließlich nicht nur im großen Kompaktsegment, sondern auch im Konzernumfeld behaupten.

Golf Variant, Octavia Kombi und Leon ST – drei Mal die gleiche Technik-Plattform, auf der drei Fahrzeuge stehen, die sich alle Mühe geben, optisch möglich wenig Gemeinsamkeit zu zeigen. Also alles reine Geschmackssache? Schauen wir doch Mal, was der Spanier zu bieten hat. Tut sich der Leon als Kombi in einer Disziplin besonders hervor? Etwa als Dynamiker, wie bei den Generationen zuvor? Unser Testwagen fährt als 1.5 TSI mit 150 PS und manuellem Sechsganggetriebe in der Ausstattungslinie Xcellence vor. Kostenpunkt inklusive Sonderausstattungen: rund 34.000 Euro.

Bevor wir einsteigen, ein Blick auf das deutlich umgekrempelte Design. Die Kantigkeit des Vorgängers ist passé. Schade eigentlich, denn gerade damit hat sich der Leon immer etwas von der Konkurrenz abheben können. Die Formen und Linien sind nun deutlich weicher geworden und erinnern an eine Mischung aus Hyundai i30 SW und Ford Focus Turnier. Umgekehrt betrachtet unterscheidet sich der Seat damit immerhin von den Konzerngeschwistern.

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Seine Kantigkeit hat der Leon abgelegt. Die Linien sind jetzt weicher und fließender.

Motor ohne Mühe

Doch die Kernkompetenz eines Autos sollte ja nicht sein Aussehen sein, sondern die Fahreigenschaften. Also fahren wir eine Runde. Der 1.5-Liter-Vierzylinder liefert keinen Anlass zu Verwunderung. Schließlich ist das Aggregat aus dem gesamten VW-Kosmos bekannt. 250 Newtonmeter landen an der Vorderachse und ziehen den 1.366 Kilo schweren Kombi vorwärts. Mit diesem Gewicht hat der Motor keine Probleme. Weder klingt er angestrengt, noch lässt er Kraft vermissen. Bei knapp über 2.500 Umdrehungen ist Zug auf der Kette, wer besonders flott unterwegs sein will, muss den Spanier über 3.000 Umdrehungen halten. Freilich zu Lasten des Verbrauchs. Nach unserer Runde zeigt der Bordcomputer durchschnittliche 7,4 Liter an.

Doch will man das überhaupt – flott unterwegs sein? Klar, Seat markiert üblicherweise den Dynamiker zwischen Skoda und VW. Doch dafür ist zumindest dieser Motor nicht unbedingt gemacht. Der TSI ist vor allem eines: herrlich normal und unkompliziert. Auf der Autobahn ist mit einem Gasstoß auch jenseits von 130 km/h im sechsten Gang noch der Willen zum Vortrieb erkennbar, Überholvorgänge auf der Landstraße gelingen gleichermaßen ohne gesträubte Beifahrer-Nackenhaare. Eigentlich macht dieser Motor gar nichts Besonderes und gerade das macht ihn besonders. Er ist da wenn man ihn braucht, und verhält sich ansonsten ruhig – da könnte sich manche Service-Kraft im Baumarkt eine Scheibe von abschneiden.

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Ein Highlight: Das knackige Sechsgang-Getriebe mit seinen kurzen Gassen.

Kurze Gassen

Das Sternchen im Dynamik-Hausaufgabenheft geht nicht an die Maschine, sondern an die manuelle Sechsgang-Box. Die ist so knackig, dass es tatsächlich ein paar Schaltvorgänge zur Eingewöhnung braucht, weil man anfangs ständig das Gefühl hat, der Gang sei noch nicht drin. Falsch, die Gassen sind tatsächlich so. In puncto Fahrspaß eine klare Empfehlung und dem DSG auf jeden Fall vorzuziehen. Zusammen mit dem optionalen Dynamik-Paket für 885 Euro lässt sich der Leon schließlich doch ganz ambitioniert bewegen. Jenes Paket beinhaltet adaptive Dämpfer und Progressivlenkung. Letztere als optimalen Kompromiss aus spürbaren Rückstellkräften, ruhigem Geradeauslauf und Komfort. Das Fahrwerk – selbst im Sport-Modus – als sportlich zu bezeichnen, wäre übertrieben. Es ist jedoch angenehm straff, die Wankwinkel halten sich in Grenzen und das Auto bleibt auch in schnellen Kurven lange neutral ohne die Beherrschung zu verlieren. Wer in engen Ecken drauf anlegt, landet im Untersteuern. Die optionalen 18-Zöller behalten sich eine vernünftige Komfort-Reserve und schicken lediglich kurze Stöße deutlicher spürbar ans Gestühl.

Damit wären wir auch schon im Innenraum. Die graue Stoff-Ausstattung macht einen schicken Eindruck, die Sitze bieten guten Seitenhalt ohne einzuengen. In der Ausstattungslinie Xcellence ist das digitale Virtual Cockpit bereits mit dabei und gefällt mit scharfer und kontrastreicher Darstellung. Über die Tasten am Lenkrad lässt sich die Darstellung anpassen und verändern. Das gelingt nach kurzer Kennenlern-Phase problemlos. Wer den Drehzahlmesser im Blick behalten will, finden diesen allerdings nur in der konventionellen Ansicht mit zwei Rundinstrumenten. Der frei stehende Touchscreen in der Mitte ist gut zu erreichen und reagiert verzögerungsfrei. Die Darstellung wirkt zunächst allerdings etwas überfrachtet. Dieser Umstand lässt sich umgehen, wenn auf die Spiegelung der Smartphone-Oberfläche zurückgegriffen wird. Apple CarPlay und Android Auto beherrscht der Leon ohne den Einsatz eines Kabels per Bluetooth.

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Das Layout im Virtual Cockpit lässt sich in gewohnter Manier konfigurieren. Wer die Drehzahl im Blick behalten will, findet sie allerdings nur in dieser Ansicht.

Neu ist nicht immer besser

Die Bedienungsergonomie fußt auf einem großteils Tasten-befreiten Layout. Das kann man mögen und sehr zeitgemäß finden. Oder eben nicht. Wer beispielsweise den Fahrmodus ändern möchte, braucht nun mehrere Klicks durch die Informationsebenen des Infotainments. So ein Knopf wäre da auch nicht ganz verkehrt. Gleiches gilt für die Wisch-Filder ("Slider") zur Einstellung der Klimaanlage. Deren Dosierbarkeit ist gelinde gesagt eher so mittelprächtig.

Die Übersichtlichkeit ist trotz der schmal wirkenden Glasflächen in alle Richtungen sehr gut. Was nicht im Blickfeld ist, erfassen Sensoren oder die Rückfahrkamera. An dieser Stelle ein großes Kompliment an die Sound-Designer: Die haben der Park-Distance-Control Piepstöne verpasst, die nicht so schrill sind, dass es sich im Kopf anfühlt, als habe man eben beherzt in eine saftige Zitrone gebissen. Es klingt eher nach U-Boot-Sonar – eine sehr angenehme Wahl. Ein Detail macht uns aber ernsthaft Sorgen: das Codewort zur Aktivierung der Sprachsteuerung. "Hola, Hola" ist der Fahrer gezwungen in den Innenraum zu rufen. Mal im Ernst: Welcher erwachsene Mensch sagt zu seinem Auto "Hola, Hola", weil er den Radiosender wechseln möchte? Zumindest radiert Seat so eine Fehlbedienung aus, denn dass der spanische Gruß in einem normalen Gespräch rezitiert wird, ist doch als unwahrscheinlich zu erachten. Naja.

Schließen wir unsere Betrachtungen vielleicht mit etwas Handfesterem. Zum Beispiel Platzverhältnisse in Fond und Laderaum. Dank MQB-Evo-Plattform wächst der Radstand von Generation Vier um fünf Zentimeter auf 2,69 Meter. Da können Passagiere auf der Rückbank auch größer als 1,90 Meter sein und trotzdem bequem mitfahren. Den Golf dürfte der Spanier damit ausstechen, denn der belässt seinen Radstand bei 2,62 Metern. Weil auch die Fahrzeuglänge des Leon insgesamt wächst (auf jetzt 4,64 Meter), fasst das Heckabteil mit 617 Litern derer 30 mehr als zuvor. Bis zu 1.750 Liter sind drin,wenn die Sitze umgelegt werden. In der Grundstellung geht der Pokal mit 640 Litern allerdings abermals an den Skoda Octavia Combi.

Fazit

Alles beim Alten? Irgendwie schon. Aber halt nur irgendwie. Raumwunder im Konzern bleibt der Skoda, teurer wird es mit dem Golf. Den ausgemachten Dynamiker findet man bei Seat allerdings auch nicht mehr unbedingt. Fahrspaß gibt es trotzdem in Form des knackigen manuellen Sechsganggetriebes, satter Straßenlage auf adaptiven Dämpfern und optionaler Progressivlenkung. Was den Seat aber mehr ausmacht, ist eine in sich ruhende Normalität. Ein Kumpeltyp, auf den man sich verlassen kann.

Seat Leon
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