Skoda Octavia RS Fahrbericht (2020) Hans-Dieter Seufert
Skoda Octavia RS Fahrbericht (2020)
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Skoda Octavia RS Fahrbericht (2020) 14 Bilder

Fahrbericht: Skoda Octavia RS 2.0 TSI

Skoda Octavia RS 2.0 TSI im Fahrbericht RS-Tscheche mit GTI-Motor

Bislang gab es ihn nur als Plug-in-Hybrid. Jetzt kommt der sportlichste Octavia auch als Diesel und dreht als Benziner mit dem Motor aus dem Golf GTI auf. Der 245 PS starke 2.0 TSI im Fahrbericht.

Gerade wenn es um den neuen Skoda Octavia RS geht, gibt es keine drängendere und zielführendere Frage, ihn einzuschätzen als jene, wie es wohl beim Ford Focus ST daheim aussieht. Selbst wenn der ST Besuch erwartete, kullerten da unter dem Sofa sicher ein paar leere Bierflaschen herum, in einer Ecke verstaubte ein paar Hanteln, und um dich hinsetzen zu können, müsstest du erst einen Stapel Herrenmagazine vom Sessel schubsen. Auf den ersten drei Stellen seines Kurzwahlspeichers wären ein Pizzaservice, der Döner um die Ecke und ein Take-Away-Inder. Auf Gläser und Teller würde ebenso verzichtet werden wir darauf, die Vergnüglichkeit des Abends durch übertriebene Gastgeberhöflichkeit oder tiefgründige Gespräche zu gefährden.

Der Skoda Octavia dagegen hätte seine Yogamatte gerade weggepackt. Und bevor er diese punktgenau gedünsteten veganen Bratlinge aus dem Ofen holte, führte er dir noch voller Stolz sein neues Ordnungssystem für den Besenschrank vor. Das Gespräch drehte sich um die Vorzüge von Zahnzusatzversicherungen und elektronischen Steuererklärungen. Ob das auch für den RS, gilt? Nun, darauf wollen wir ganz differenziert antworten mit: Nö.

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Hans-Dieter Seufert
In Rot mit schwarzen Akzenten gibt sich der Octavia RS schon ein bisschen krawallig.

Diffusor-Look und tiefer gelegt

Das gilt auch für das tollkühnste aller RS-Modelle. Bisher gab es den RS ja nur als iV – der Plug-in-Hybrid, dessen 1,4-Liter-Benzin- (150 PS) und 85-kW-E-Motor 245 PS Systemleistung zusammenbringen. Für die gleiche Leistung sorgt beim RS der Zweiliter-Turbobenziner aus dem Golf GTI. Alternativ steckt Skoda den doppelt stickoxidgereinigten Zweiliter-Diesel mit 200 PS unter die Haube, der ist als einziger mit Allrad lieferbar. Und alle RS gibt es auch als Combi, für rund 680 Euro Aufpreis. Was im gesamten RS-Programm die Limousine mit Benziner wohl zur verwegendsten Wahl macht – spätestens wenn es schließlich um Belange des Wiederverkaufs geht. Ansonsten zeigt sich die Verwegenheit eher im Stil: Der RS bekommt den Grill schwarz eingefärbt, Schürzen mit Diffusor-Look, die Karosserie 1,5 cm tiefer gelegt und einen Flügel auf die Schrägheckklappe.

Den sehr geräumigen Innenraum möblieren nun die gut ausgeformte Rückbank und vorn optional hervorragende Ergo-Sportsitze (2.192 Euro inklusive Heizung und Massage). Auch das ganze Cockpit, reichlich mit Emblemen verziert, haben sie hochwertig eingeräumt, wenngleich die Bedienung wie bei allen aktuellen Abkömmlingen von VWs Querbaukastens seine Umstandslosigkeit verloren hat. Zumindest lässt sich die für den RS neu dazuprogrammierte Anzeigevariante einfach auf das Digitalinstrumentarium einblenden. Sie verschafft dem Drehzahlmesser dann einen breitformatigen Auftritt mit Leistungs- und Drehmomentanzeigen in prominenten Nebenrollen.

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Wie gewohnt lässt sich das digitale Cockpit frei konfigurieren.

Keine Faxen beim Handling

Jetzt geht es los. Aber doch nicht so richtig. Nicht falsch verstehen: Der RS ist enorm schnell, sein Motor kultiviert, druckstark im Durchziehen, drangvoll beim Hochdrehen. Dazu schaltet das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe anders als im trantütigen Comfort-Modus im Sportprogramm eilfertiger und treffsicherer. Aber du bekommst wo wenig von der Sause mit. Daran ändern das abschaltbare Motorbrünfteln und der überinszenierte Zwischengas-Tusch nichts.

Der RS fährt so beherrscht schnell, ganz ohne Faxen beim Handling – nur auf heftige Lastwechsel drückt er mal mit dem Heck. Aber nicht so wie der Focus RS, der eben mit dir raufen will. Wirkt beim Skoda eher so, als denke er, das gehöre sich so. So als meinte Reinhard Mey, er müsse nach "Über den Wolken" auch mal seine Gitarre zerdeppern, weil Pete Townshend das 1965 in der Fernsehsendung "Ready, Steady, Go" nach "I can‘t explain" auch gemacht hat. Dazu gibt die an sich präzise Progressivlenkung etwas zu diskret Rückmeldung. Gelingt es mal, die Vorderräder ins Scharren zu bringen, behebt das gleich die elektronisch geregelte Vorderachssperre. Und trotz des strafferen Setups federt der RS umgänglich.

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Fazit

Der Fahrbericht zeigt, was für ein hervorragender, alltagstalentierter und eiliger Langstreckenwagen so ein Octavia RS ist. Aber auch, dass er ein wirklich wilder, heißer Kompakter so eben nicht sein kann. Was einerseits kein Makel, aber andererseits schon bei einem Blick in die Preisliste klar ist. Da findet sich unter "Komfortausstattung" serienmäßig die Kombination aus "Regenschirm und Besenfach in den Vordertüren". Nun, wie gut das passt zum RS, der größer als das Vergnügen die Vernunft auf dem Schirm hat. Oder so: Ein Besen allein macht noch keinen heißen Feger.

Technische Daten

Skoda Octavia RS 2.0 TSI RS
Grundpreis 39.710 €
Außenmaße 4702 x 1829 x 1459 mm
Kofferraumvolumen 600 bis 1555 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 180 kW / 245 PS bei 5250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 6,5 l/100 km
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Skoda Octavia
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