Die Premiere war ein Erfolg: Audi holte beim ersten Rennen in der Formel 1 auf Anhieb Punkte. Gabriel Bortoleto steuerte in Melbourne (8.3.) den R26 auf Platz neun ins Ziel. Zwei Punkte waren der Lohn für ein starkes Wochenende in Australien. Der Brasilianer war auch der erste Pilot in Diensten der Premiummarke, der Q3 erreicht hatte.
"Ich war einfach extrem glücklich, das schon an unserem ersten Wochenende erreichen zu können. Ich hatte das wirklich nicht erwartet", sagte Bortoleto im Vorfeld des zweiten Grand Prix in Shanghai auf der offiziellen Pressekonferenz (12.3.). Allerdings hatte der 21-Jährige auch Pech. Sein Audi gab nach dem Ende von Q2 den Geist auf. Das kostete den Mann aus São Paulo die Teilnahme am dritten Qualifying-Segment.
Seine Mechaniker konnten das Problem bis zum Renntag beheben. Dafür schlug die Defekt-Hexe bei seinem Teamkollegen zu. Nico Hülkenberg war auf dem Weg zur Startaufstellung, als sich die Telemetriedaten verabschiedeten. "Wir hatten überhaupt keine Kommunikation mit dem Auto, wir hatten einen Verdacht und versuchten, das zu reparieren, haben das nicht geschafft und irgendwann muss man sich dann auf das Auto konzentrieren, das noch im Rennen ist", erklärte Teamchef Jonathan Wheatley in Melbourne das Problem und kündigte Analysen an.

Nico Hülkenberg schwieg in Shanghai, als er auf den Melbourne-Defekt angesprochen wurde.
Hülkenbergs Schweigen in Shanghai
"Das ist nicht das, was wir nach einem guten Wochenende wollten, und es ist sehr bitter, nicht starten zu können", war Hülkenberg in Australien dementsprechend frustriert. Zum Glück bietet sich in China schon die nächste Chance, die ersten Punkte auf das Konto zu schaufeln. In Shanghai steht eine Woche nach dem Auftakt der zweite Grand Prix (15.3.) des Jahres an.
In seiner offiziellen Medienrunde wurde Hülkenberg nochmal auf den Defekt angesprochen und ob er ausführen könne, woran es gelegen hat: "Nein, dazu kann ich nichts weiter sagen. Keine Details, sorry", antwortete der 38-Jährige knapp. Entweder weiß man bei Audi nicht, was der Grund für das Technik-Drama war, oder man will es verheimlichen. "Natürlich hat das Team es untersucht, alles analysiert, das Auto auseinandergenommen und Teile zurück ins Werk geschickt, um das zu verstehen", sagte der Emmericher in Shanghai.
Selbes Problem wie bei Bortoleto?
Sowohl der Defekt von Bortoleto als auch der von Hülkenberg wiesen ähnliche Merkmale auf. In beiden Fällen ging der Motor aus und es gab keine Chance, ihn wieder zu starten. Bei Bortoleto wählte das Getriebe selbstständig den Leerlauf aus, der R26 rollte aus. Das können Zufälle sein, aber auch nicht.
"Klar ist: Wir müssen jetzt an Lösungen für die Zukunft arbeiten", forderte Hülkenberg von den Ingenieuren. Denn der Defekt raubte ihm nicht nur die Möglichkeit, Punkte beim Audi-Debüt zu holen, sondern auch wertvolle Zeit auf der Strecke. "Mir sind dadurch die ganzen Erfahrungswerte verloren gegangen. Besonders was das Energiemanagement angeht und wie das im Rennen abläuft. Da hänge ich jetzt ein bisschen hinterher. Das ist nicht ideal", resümierte der WM-Elfte des Vorjahres.

Dem Audi-Motor fehlt es noch an Leistung und die Ingenieure müssen noch die Fahrbarkeit verbessern.
Audi-Motor fehlt es noch an Leistung
Erfahrungswerte konnten aber die Motoren-Ingenieure sammeln. Immerhin absolvierte Bortoleto 57 Runden unter Rennbedingungen. In Neuburg hat Audi den Antriebsstrang für sein F1-Abenteuer entwickelt. Der Motor hat eine solide Ausgangsbasis, ihm fehlt es aber noch an Power. GPS-Daten offenbaren, dass die Power Unit in Melbourne rund eine Sekunde auf die Klassenbesten Mercedes und Ferrari einbüßt.
Zum einen müssen die Ingenieure noch an der Fahrbarkeit und zum anderen an der Leistung des V6-Turbos arbeiten. Ein Vorteil für Audi sind die neuen Regeln: Nach sechs Grands Prix wertet die FIA alle Daten aus. Die Hersteller, die einen Rückstand aufweisen, dürfen nachrüsten. Der Neuling dürfte mehr Prüfstandszeit und Erleichterungen beim Budget-Deckel erhalten. Und Audi weiß schon jetzt, wo sie Hand anlegen werden, um weitere Schritte Richtung Spitze der Formel 1 gehen zu können.












