Formel 1: So will Audi den F1-Motor nachträglich verbessern

Erste Leistungsanalysen schaffen Fakten
Deshalb will Audi den F1-Motor überarbeiten

GP China 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.03.2026
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Formel 1 - GP China 2026 - Audi Gabriel Bortoleto
Foto: Marcel van Dorst/EYE4IMAGES/NurPhoto via Getty Images

Die Formel 1 ist ein gnadenloses Business. Wenn man nicht gerade von Sieg zu Sieg, Titel zu Titel eilt, gibt es keinen Grund für Zufriedenheit. Wie unfair das womöglich ist, zeigt aktuell Audi. Die Neulinge erlebten in Melbourne einen Einstand nach Maß – die technische No-Show von Nico Hülkenberg am Sonntag mal herausgerechnet. Der Deutsche verpasste aus Gründen, die Audi nur ungern komplett offenlegen will, den Start in die neue Ära.

So oder so bleibt das Debüt der bayerischen Silberpfeile historisch. Während die andere Newcomer-Marke Cadillac trotz simpel dazugekauftem Kundenmotor hinterherhechelte und Aston Martin wegen Honda-Entwicklungslücken mit dem Kollaps flirtete, arbeiteten sich die vier Ringe fast selbstverständlich durch das erste Wochenende. Der gerechte Lohn: zwei Punkte dank des Jungstars Gabriel Bortoleto.

Natürlich offenbart der Blick in die Details auch genügend Sorgen. Analog zu Hülkenbergs verpasstem Rennen streikte Bortoletos Bolide denkbar ungünstig im Qualifying. Wegen einer verrutschten Strategie musste der Brasilianer am Sonntag zudem viel Risiko gehen. Danach spielte der Weg dorthin keine Rolle mehr. Denn Audis Werbeslogan "Wir waren immer bereit" galt als untermauert. Also Gründe für Zufriedenheit? "Nach dem guten Qualifying hatte ich auf mehr gehofft", widersprach klischeehaft Projektleiter Mattia Binotto.

Audi weckt alte Renn-Mentalität

Wie viel Biss die Motorsport-Edelmarke mittlerweile hat, zeigt sich an allen Fronten. Ihre vorher noch unterkühlten Beziehungen zu Chefetagen und der Belegschaft erwärmten sich jüngst schlagartig. Aus "Warum machen wir das?" wurde eher ein "Wie machen wir das noch besser?", samt erster politischer Spitzen. In der Revolte gegen den Mercedes-Motortrick mischte Audi fleißig mit. Dieses Jahr ist der Vorsprung der schwäbischen Silberpfeile zwar egal. Aber wenn man dann mal auf Augenhöhe sein kann, soll diese auch vorab gewährleistet werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Audi eine weitere Initiative angeschoben: Man will den Antrieb nachbessern. GPS-Messungen ergaben, dass rund eine Sekunde auf Mercedes und Ferrari fehlt. Zum einen verliert der Antrieb des R26 beim maximalen Output, zum anderen bei der Fahrbarkeit. Die Defizitanalyse warf keine einzelne Schwachstelle aus. Alle Elemente stehen auf dem mentalen Prüfstand.

Die Konsequenz setzt sich parallel beim Chassis fort. Die einverleibte und verbesserte Sauber-Truppe durfte eigene Wege gehen. Das Resultat war die B-Version, die man in Bahrain auf die Strecke schickte. Außerdem startete der Audi R26 direkt als Mustersportler durch. Er hat zehn Kilogramm weniger als das Mindestgewicht (768 kg) im FIA-Waage-Display stehen. Auch bei diesem Gedanken können viele andere Teams nur grummeln.

Nico Hülkenberg - Audi - GP Australien 2026
Audi

FIA-Timeline soll Entwicklung helfen

Im Rahmen des Großen Preises von China suchte Audi den Dialog mit der Presse. Die Botschaft: Spätestens seit der Analyse aller Daten aus Melbourne sei man sich einer PS-Lücke bewusst. Angesichts weniger Test- und Entwicklungskilometer fällt die Erklärung nicht schwer. Der Hersteller strebt jetzt eine aktive Rolle durch den Dialog mit anderen Teams und der FIA an, um gemeinsam die nächsten Schritte zu gestalten.

Die Chancen stehen gut. Bei der Sechs-Grands-Prix-Marke will die FIA eine eigene Datenauswertung angehen. Wer einen Rückstand zur Spitze so belegt, wird nachrüsten dürfen. Mehr Prüfstandzeit und mehr Freiheit beim Kostendeckel machen das möglich. Audi hat die nötige Vorarbeit für die nächste Entwicklungsstufe bereits geleistet, braucht nur das Go.

Bis dahin kämpfen die Bayern weiter fleißig um Punkte. Im Sprint-Qualifying am Freitag (13.3.) verpassten die vier Ringe die Top 10. Das macht dort keinen nervös. Die Verantwortlichen um Teamchef Jonathan Wheatley werden beispielsweise froh gewesen sein, dass Hülkenbergs Funktotalausfall im SQ2 und nicht im Q2 passierte. Der wiederum ist happy, endlich ein Rennen anzugehen. Selbst wenn es nur ein Sprint ist.

Fazit