Beim Formel-1-Projekt von Audi kommt es überraschend zu einer personellen Neuordnung an der Spitze. Wie der Hersteller offiziell mitteilte, verlässt Jonathan Wheatley das Werksteam mit sofortiger Wirkung aus persönlichen Gründen. Seine Aufgaben übernimmt künftig Mattia Binotto zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion als Gesamtprojektleiter.
Binotto wird damit nicht nur weiterhin das F1-Programm verantworten, sondern auch die Rolle des Teamchefs ausfüllen, inklusive der operativen Leitung an der Rennstrecke. Der Italiener hatte das Projekt bislang als "Head of Audi F1 Project" gesteuert und gemeinsam mit Wheatley den Aufbau des Rennstalls am Standort Hinwil in der Schweiz vorangetrieben.
Wheatley war erst im April 2025 zum Projekt gestoßen und galt als zentrale Figur in der Aufbauphase. Unter seiner Mitwirkung gelang dem Team ein vielversprechender Einstand: Beim Debüt Anfang März fuhr Audi auf Anhieb in die Punkte. Nach nicht einmal einem Jahr verlässt der Engländer nun wieder die Kommandobrücke in Hinwil.

Wheatley leitete gemeinsam mit Mattia Binotto die Transformation von Sauber zum Audi-Werksteam. Künftig muss Binotto die Aufgabe alleine meistern.
Wann wechselt Wheatley zu Aston Martin?
Der plötzliche Abschied hat seinen Grund in einem Angebot von Aston Martin, wo Teamchef Adrian Newey einen erfahrenen Mann gesucht hat, der ihm administrative Aufgaben abnimmt. Mit Wheatley hatte Newey schon mehr als 18 Jahre lang erfolgreich bei Red Bull gearbeitet.
Offiziell wurde der Wechsel zum Rennstall aus Silverstone noch nicht bestätigt. Teambesitzer Lawrence Stroll erklärte in einem Statement, dass man sich zu Spekulationen und Gerüchten nicht äußere. Die Spatzen pfeifen es aber schon von den Dächern, dass sich Newey künftig wieder auf seine Rolle als technischer Leiter beschränkt und den Teamchef-Posten, den er zuletzt bekleidet hatte, freiwillig an Wheatley abgibt.
Noch ist nicht klar, wann die beiden alten Red-Bull-Kollegen wieder vereint arbeiten. Beim Wechsel hochranginger Mitarbeiter werden normalerweise längere Arbeitssperren fällig, damit kein aktuelles Insiderwissen von einem Team zum anderen abwandert. Hier dürften auf Audi und Aston Martin noch ein paar Verhandlungsrunden warten, um den Wechsel zu beschleunigen.

Newey und Wheatley kennen sich aus gemeinsamen Red-Bull-Zeiten.
Mehr Stabilität mit Binotto
Audi-CEO Gernot Döllner dankte Wheatley für seinen Einsatz in der entscheidenden Startphase. "Wir sind Jonathan Wheatley dankbar für seinen Beitrag zum Projekt in der wichtigen Phase des Einstiegs und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft. Mattia Binotto und das Team werden den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen."
An der Strategie ändere die Personalie nichts: "Unsere Ausrichtung bleibt werden unverändert: Wir konzentrieren uns mit aller Kraft darauf, ein Hochleistungsteam aufzubauen, das ab 2030 um Weltmeisterschaften in der Formel 1 fährt. Dafür werden wir unsere Organisationsstrukturen kontinuierlich weiterentwickeln, um unser gemeinsames Ziel nachhaltig zu erreichen."
Mit der Doppelfunktion für Binotto bündelt Audi die Verantwortung nun stärker in einer Hand – ein Schritt, der in der Formel 1 nicht unüblich ist. Experten hatten schon länger kritisch hintergefragt, wie lange die Konstellation mit der Doppelspitze funktionieren würde. Neben dem Aston-Martin-Angebot sollen Wheatley auch persönliche Gründe aus der Schweiz zurück auf die britische Insel gezogen haben.












