Die ganze Motorsport-Welt fiebert der Formel-1-Saison 2026 entgegen. Noch nie zuvor gab es in der 76-jährigen Geschichte der Königsklasse einen solch massiven Regelumbruch. Während Neuankömmling Audi schon die ersten Runden in Barcelona gedreht hat, spekulieren die Fans und Journalisten bereits über das Kräfteverhältnis zum Saisonauftakt am 8. März in Australien.
Bis dahin stehen aber noch drei Testfahrten in Barcelona und zwei in Bahrain an. Zeit genug, um noch einmal einen Blick in die Formel-1-Vergangenheit zu werfen. Genauer gesagt in das Jahr 1997. Das renommierte Auktionshaus RM Sotheby's bietet nämlich am 28. Januar in Paris einen fast 29 Jahre alten Ferrari zum Kauf an. Der F310B mit der Los-Nummer 136 ist eines von zwei F1-Autos, die RM Sotheby's in der französischen Metropole versteigert. Auch ein McLaren MP4-17 aus den Saisons 2002 und 2003 sucht einen neuen Besitzer.
Letztgenannter Rennwagen wird vom Auktionshaus mit einem Wert von rund einer Million Euro aber deutlich niedriger eingeschätzt als der F310B. Die Gründe? Ein gewisser Michael Schumacher fuhr 1997 mit der Roten Göttin.
7,5 Millionen Euro für F1-Ferrari?
Auf der Website gibt RM Sotheby's für den Ferrari eine Preisspanne zwischen 5,5 und 7,5 Millionen Euro an. Selbst wenn der F310B "nur" fünf Millionen Euro erlöst, springt er dennoch in die Top-Ten der teuersten Formel-1-Autos aller Zeiten. Dort tummeln sich bereits vier Exemplare von alten Schumi-Ferrari. Der 97er-Rennwagen würde somit in eine illustre Phalanx stoßen. Zudem steht noch ein Benetton B192 vom Rekordweltmeister bei Broad Arrow Auctions zum Verkauf. Das erste Siegerauto in der Formel 1 des Deutschen ist sogar mit einer Summe von 8,5 Millionen Euro bewertet.
Vor dem Benetton muss sich der Ferrari aber nicht verstecken. Der F310B war der zweite F1-Flitzer von Schumacher in seiner Ära bei der Mythos-Marke. Er folgte auf den ungeliebten, unzuverlässigen und nicht titelfähigen F310, den Schumacher ironisch "Fallschirm" nannte. Damit spielte die Legende auf den hohen Luftwiderstand des Autos im Vergleich zur Konkurrenz von Williams an.
Trotz der Chancenlosigkeit auf seinen dritten Titel, holte Schumi drei Siege mit dem 96er-Modell. Doch Ferrari reichte das nicht. Man hatte Schumacher für sündhaft viel Geld verpflichtet. Der Hoffnungsträger sollte Ferrari nach 1979 endlich wieder zu WM-Ruhm in der Fahrerwertung führen. Der 2003 verstorbene Fiat-Patron Gianni Agnelli unkte damals: "Wenn wir mit Schumacher nicht Weltmeister werden, werden wir es nie mehr."
Platz drei in der Endtabelle war also zu wenig. Der Druck war immens auf Teamchef Jean Todt und dessen Angestellten. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo verlangte nach der Niederlage 1996 von seinem Technik-Direktor John Barnard Folgendes: "Bauen Sie mir einen roten Williams." Der Engländer lieferte.

Michael Schumacher holte mit dem Ferrari 310B fünf Siege in der Saison 1997.
F310B wird zum Siegerauto
Optisch ähnelte der F310B stark dem besten Auto im Feld. Und er war ein deutlicher Schritt nach vorn, was die Konkurrenzfähigkeit betraf. Die Nase war im Gegensatz zum Vorgänger schon zu Saisonbeginn nach oben gezogen. Der Wagen wirkte kompakter als sein Vorgänger. Die Öffnungen der Seitenkästen waren nun nicht mehr separat angeordnet, sondern dockten direkt am Chassis an. Front- und Heckflügel ähnelten stark dem Williams FW18 aus der 96er-Spielzeit.
Der Motor bekam den Namen Tipo 046/2 verpasst. Es war der zweite V10-Sauger in der F1-Geschichte Ferraris. Rund 730 PS entwickelte das drei Liter große Aggregat. Die maximale Drehzahl des mit einem 75-Grad-Bankwinkel angeordneten Motors betrug 15.500/min. Für die Kraftübertragung sorgte ein sequenzielles 7-Gang-Getriebe. Den Sprit stellte Shell für die Scuderia her, die Reifen lieferte Goodyear. Von außen blieb der Ferrari natürlich in Rot lackiert, aber die Farbe war heller als in den Jahren zuvor. Hauptsponsor Marlboro hatte dafür gesorgt, denn so glich das Auto eher der Farbe der berühmten Zigarettenmarke.
Zwar war der Barnard-Entwurf besser als das 96er-Modell, doch es dauerte bis zum Monaco-Grand-Prix, ehe Schumacher im Regen die Gegner zu Statisten degradierte und den ersten Saisonsieg feiern konnte. Im Laufe der Saison wurde der F310B immer konkurrenzfähiger. Das lag an der Ankunft von Chefdesigner Rory Byrne und dem neuen Technik-Direktor Ross Brawn, der Barnard ablöste. Letzterer hatte noch vor dem Saisonstart seinen Hut genommen. Schumacher, Brawn und Byrne arbeiteten bereits erfolgreich bei Benetton zusammen und holten zwei Fahrer- sowie einen Konstrukteurs-Titel in den Jahren 1994 und 1995.

Der Ferrari F310B benötigt eine technische Revision, bevor er zurück auf die Rennstrecke kann.
Schumacher scheitert knapp
Das zu ersteigernde Chassis mit der Nummer 179 ist eines von neun gebauten Autos des F310B. Mit dem Modell war Schumacher nur beim Belgien-Grand-Prix unterwegs, jedoch nicht im Rennen, in dem der als "Regenmeister" getaufte Spitzenpilot der Konkurrenz im nassen Spa eine erneute Lehrstunde erteilte.
Dafür steuerte sein Teamkollege Eddie Irvine das Chassis in Monza und in Spielberg. Punkte holte der Nordire keine. Das Auto diente in den letzten beiden Rennen nur noch als Ersatzfahrzeug. Die Saison 1997 endete im Finale von Jerez kontrovers, als Schumacher und WM-Rivale Jacques Villeneuve kollidierten und der Deutsche den Titel knapp gegen den Williams-Piloten verlor. Fünf Schumi-Siege standen am Jahresende zu Buche.
Wie RM Sotheby's angibt, erhielt der Ferrari im Jahr 2007 das Klassik-Zertifikat des Autoherstellers. Nach der F1-Zeit verkaufte die Rennabteilung den Wagen an eine Sammlergruppe, die den F310B im Rahmen des Clienti-Programms in Deutschland und den USA auf Rennstrecken bewegte. Im Jahr 2019 nahm Chassis-Nummer 179 am Goodwood Festival teil.
Ferrari rät dem neuen Besitzer nach Erwerb des Autos, sich an die Clienti-Abteilung zu wenden, um eine mechanische Überholung durchführen zu lassen. Danach ist der F310B wieder tauglich für sein natürliches Habitat: die Rennstrecke.












