Wegen neuen Formel-1-Autos: So müssen die Piloten den Fahrstil anpassen

Wegen neuen Formel-1-Autos
So müssen die Piloten den Fahrstil umstellen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.02.2026
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Das neue technische Reglement der Formel 1 schlägt hohe Wellen. Spätestens als Max Verstappen in der ersten Testwoche von Bahrain (11. bis 13. Februar) die Königsklasse als "Formel E auf Steroiden" bezeichnet hatte, ist eine Debatte über die Grundsätze der neuen Hybrid-Formel entbrannt.

Verstappen gilt als Verfechter des klassischen Rennfahrens. Der Niederländer will kompromisslos am Limit über die Strecke rasen. Doch das vereiteln ihm die neuen Regularien. Der Elektro-Anteil des Antriebs ist signifikant gestiegen. Von 120 auf satte 350 kW. Nahezu die Hälfte der Leistung der neuen Power Units kommt nun aus der Batterie.

Auf den ersten Blick klingt das beeindruckend. Abgerundet mit dem nachhaltigen Kraftstoff treibt die Formel 1 ihr Ziel zur Dekarbonisierung der Rennserie voran. Das hat allerdings eine Kehrseite. Die Piloten müssen ihren Fahrstil deutlich umstellen. Deshalb wütete der wohl beste Vertreter seiner Klasse. Verstappen sieht das als Bruch mit der Identität der Königsklasse. "Als Rennfahrer will man natürlich immer Vollgas geben. Das geht aber momentan nicht", hatte sich der viermalige Weltmeister aufgeregt.

Energie an der richtigen Stelle

Die anderen Piloten waren vorsichtiger in der Wortwahl. In der zweiten Testwoche (18. bis 20. Februar) haben sich die Dinge zum Teil wieder relativiert. Die Teams machen extrem schnell Fortschritte, was das Verständnis der komplexen Autos angeht.

Im Fokus steht dabei das Energie-Management. Es geht darum, die Batterie so schnell wie möglich zu laden und an den passenden Stellen, die Elektro-Power abzurufen. Das Feedback der Fahrer soll einstimmig sein. Die Piloten wollen die Energie nicht ruckartig am Kurvenausgang abrufen, sondern konstant einsetzen. Daran arbeiteten die Ingenieure in der letzten Woche vor dem Saisonstart in Melbourne (8.3.).

Mercedes - Upgrade - Bahrain-Test - 2026
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Turbo muss sich drehen

Zwar sind Verbesserungen schon erkennbar, doch das ändert aber nicht das grundlegende Verhalten der Autos. "Du versuchst natürlich immer, so zu fahren, dass du so spät wie möglich bremst, Gas gibst und so schnell wie möglich durch die Kurven fährst. Das ist jetzt anders", gestand George Russell am Ende der zweiten Testwoche.

"Der Fahrstil wird sich deutlich von dem unterscheiden, was wir zuletzt hatten", bekräftigte der Mercedes-Mann. "Du musst den Turbo immer am Drehen halten, damit der Verbrenner Energie erzeugt." Damit spielte der 28-Jährige auf das Laden der Batterie an.

Russell muss wie seine Kollegen an Stellen auf das Gaspedal steigen, die unlogisch erscheinen. Es geht darum, ausreichend Energie auf den Geraden zu haben. Sonst bleibt nur noch der Verbrenner für den Vortrieb übrig und man ist ein leichtes Opfer für die Verfolger.

Lewis Hamilton - Ferrari - Bahrain - Test - Formel 1 - 2026
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Wird der Funk begrenzt?

Die Teams wollen ihre Piloten davor beschützen. Deshalb lenkt man sie vom Kommandostand aus. Doch das stößt manchen im Paddock sauer auf. Der Fahrer soll den Unterschied machen, heißt es aus verschiedenen Lagern. "Wir wollen doch kein ferngesteuertes Fahren", erzählt ein Insider. Um das zu verhindern, sind die Teams bereits im Austausch mit den Regelhütern.

In der ersten Testwoche war bereits zu sehen, dass hier Intuition einen Vorteil bringen kann. Max Verstappen schaltete vor der Kurve absichtlich einen Gang mehr herunter als nötig. Das hielt die Drehzahl oben und brachte den Turbo auf Touren. Das Resultat: mehr Energie für die folgenden Beschleunigungsphasen.

George Russell - Bahrain - Test - Formel 1 - 2026
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Reduzierte Energie könnte Abhilfe schaffen

Die FIA hatte die Teams in Bahrain dazu ermutigt, die Autos in Bahrain mit einer geringeren Elektro-Power zu bewegen. Das könnte helfen, die Aufladeprozesse an ungewöhnlichen Stellen zu vermeiden und den Fahrern ein konstanteres Abrufen der Leistung zu ermöglichen.

Letztendlich schloss der als Top-Favorit gehandelte George Russell am letzten Testtag die erhitzte Debatte um das Fahrverhalten ab. "Es gab schon immer Phasen in der Formel 1, wo sich das Fahrverhalten erstmal geändert hat."

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