Die stärksten Motoren der Formel 1-Geschichte

Mercedes mit 949 PS

BMW F1 Motor Prüfstand Foto: BMW 21 Bilder

Es ist ein beliebtes Stammtischthema: Was war der stärkste Motor der Formel 1. Da gibt es keine Zweifel. Der BMW-Vierzylinder-Turbo von 1986 mit 1.430 PS. Und wer hat den stärksten Motor heute? GPS-Messungen eines Herstellers berechnen 949 PS für Mercedes.

Die Formel 1 sucht einen neuen Motor für 2021. Er sollte möglichst über 1.000 PS haben. Noch ist die 1.000er Schallmauer nicht gebrochen. Mercedes-Motorenchef Andy Cowell ist aber zuversichtlich, dass es irgendwann gelingen wird. Wenn man den aktuellen Antriebseinheiten genug Zeit gibt. In einem Lagebericht zu Saisonbeginn meldete Mercedes einen Anstieg von 109 PS seit Beginn der Hybrid-Ära 2014. Wenn der Weltmeister das Entwicklungstempo auch nur annähernd beibehält, dann fällt 2019 die 1.000 PS-Marke.

Mario Illien - GP England 2017 Mario Illien zum F1-Motor 2021 „Nur mit Sponsor möglich“

Doch wie steht es im Augenblick? PS-Zahlen sind streng geheim. Trotzdem wissen die Motorenhersteller untereinander ungefähr Bescheid. Sie errechnen die PS-Zahlen, den Abtrieb und den Luftwiderstand der Autos anhand der GPS-Daten, die ihnen auf jedem Meter sagen, wie schnell das Auto ist. Das eigene und das der Konkurrenz. Ein Hersteller hat uns in Abu Dhabi seine PS-Berechnungen verraten. Sie sind natürlich mit kleinen Fehlern behaftet, weil es gerade beim Berechnen des Anpressdrucks und des Luftwiderstandes noch Ungenauigkeiten gibt.

Ferrari fehlen 15 PS auf Mercedes

Wir haben die PS-Daten der vier Hersteller für den Verbrennungsmotor in Kilowatt bekommen und rechnen dann noch einmal 163 PS Elektrokraft dazu. Theoretisch sollte die bei voller Batterie für 33 Sekunden reichen. Tatsächlich boostet zumindest Mercedes auf jeder Rennstrecke die gesamte Runde. Weil die MGU-H mehr elektrische Leistung beisteuert, als die Batterie aufnehmen kann. Die geht dann von der MGU-H direkt in die MGU-K.

Jetzt zu den Zahlen. Nach diesen Messungen hat der Mercedes M08 V6-Turbo eine Systemleistung von 949 PS. Ferrari kommt auf 934 PS, Renault auf 907 PS und Honda mit der letzten Spezifikation auf 881 PS. Zuvor haben die Japaner gerade so an der 860 PS-Marke gekratzt.

Das sind beeindruckende Werte, vor allem wenn man bedenkt, dass pro Stunde nur 100 Kilogramm Kraftstoff eingespritzt werden dürfen. Mercedes vermeldete am Anfang des Jahres, dass zum ersten Mal mehr als 50 Prozent der Energie, die im Benzin steckt, in Vortrieb umgesetzt werden konnten. Die V10-Motoren in der Zeit zwischen 2000 und 2005 lagen bei gleicher Leistung bei unter 30 Prozent Energieausnutzung. Der Abstand von Mercedes zur Konkurrenz zeigt sich auch im Verbrauch. Für 305 Kilometer des GP Mexiko verbrannte der Mercedes-Sechszylinder 89 Kilogramm Sprit. Die Konkurrenz brauchte 10 Kilogramm mehr.

Alfa Romeo schaffte 1951 unglaubliche 430 PS

Die Motoren der Formel 1 haben die Fans von Anfang an fasziniert. In den ersten beiden Jahren 1950 und 1951 durfte mit 4,5 Liter Saugmotoren oder mit 1,5 Liter Hubraum mit Aufladung gefahren werden. Während Ferrari das Hubraumlimit mit seinen Zwölfzylindermotoren voll ausschöpfte, setzte Alfa Romeo auf einen Reihen-Achtzylinder mit Kompressor. Und entfesselte 1951 unglaubliche 430 PS. Die Motoren waren allerdings so gefräßig, dass die Alfa-Fahrer bei einigen Rennen nachtanken mussten.

1952 und 1953 kam die Schmalspur-Formel 1. Eigentlich waren es Formel 2-Autos mit zwei Liter Hubraum, weil es nicht genügend Fahrzeuge nach dem alten GP-Reglement gab. Ferraris Vierzylinder und Maseratis R6 gaben sich nicht viel. Der eine kam auf 190, der andere auf 195 PS. Ab 1954 durfte die Formel 1 wieder Gas geben. Das Hubraumlimit lag jetzt bei 2.500 cm³. Der Reihen-Achtzylinder im Mercedes W96 setzte mit 290 PS in seiner letzten Version lange den Maßstab. Ferrari kletterte erst 1959 mit 300 PS aus einem V6-Motor über diese Marke. Doch das Konzept war trotz seines PS-Vorteils nicht mehr Titel tauglich. Cooper-Climax holte trotz eines Defizits von 60 PS 1959 und 1960 den Titel. Weil der Motor hinter und nicht vor dem Fahrer eingebaut wurde.

Lotus 49 - Chassis R2 - Rennwagen - Classic Team Lotus Foto: XPB Images
Lotus 49 von 1967 mit Cosworth-V8.

Ab 1961 fuhr die Formel 1 aus Sicherheitsgründen mit 1,5 Liter-Motoren ohne Aufladung. Klassenprimus war der quer eingebaute Honda V12 aus dem Jahr 1965 mit 230 PS. 1966 machte die FIA einen Versuch, mehr Automobilhersteller ins Boot zu ziehen und stockte den Hubraum auf drei Liter auf. Wahlweise 1,5 Liter mit Turbolader. Auch Wankelmotoren und Gasturbinen waren erlaubt. Diese Motorformel galt eigentlich bis 1985. Doch ab 1977 nahmen ihnen die Turbos Schritt für Schritt das Ruder aus der Hand. Renault hatte sich als erster Hersteller an das alternative Konzept mit Turboaufladung gewagt. Bis dahin setzte Alfa Romeo mit seinem flachen Zwölfzylinder mit 525 PS die Messlatte. Der Ferrari 180 Grad V12 lag 1977 in einem ähnlichen Bereich. In all den Jahren gab es nur einen Exoten. Die Gasturbine von Pratt&Whitney, die 1971 einige Einsätze in einem Lotus hatte. Sie kam auf stolze 520 PS. Verbrauchte aber auch 250 Liter Kraftstoff für eine GP-Distanz.

BMW hält mit 1.430 PS immer noch den Bestwert

Renault stieg 1977 mit seinem V6-Turbo mit 510 PS ein. Neun Jahre später war das Ende der Fahnenstange erreicht. BMW errechnete für seinen Vierzylinder-Turbo in den Qualifikationsrunden1.430 PS. Der Prüfstand war bei 5,1 bar Ladedruck bei 1.065 PS an seinen Grenzen angelangt. Im Rennen musste die Leistung zurückgeschraubt werden. Honda kam trotzdem noch auf 1.100 PS. Beeindruckender waren allerdings die 680 PS des Honda V6-Turbo aus dem Jahr 1988. Damals galten ein Spritlimit von 150 Litern und ein maximaler Ladedruck von 2,5 bar für eine Renndistanz.

BMW F1 Motor 1986 Foto: Wilhelm
1.430 PS: Der Vierzylinder-Turbo von BMW ist der stärkste F1-Motor bislang.

Ab 1989 wurden Turbomotoren verboten. Der Hubraum der Sauger war seit 1987 auf 3,5 Liter vergrößert worden. 1994 ging diese Ära mit den tödlichen Unfällen von Imola zu Ende. FIA-Präsident Max Mosley ordnete für 1995 eine Reduzierung auf 3.000 Kubikzentimeter an. Ferrari hatte mit 830 PS aus seinem Zwölfzylinder die Rangliste der 3,5 Liter Generation angeführt.

Die Motoren verloren nur kurzfristig Leistung. Dann sorgten immer höhere Drehzahlen für einen nie erwarteten Leistungsgewinn. Honda schoss 2005 mit 968 PS bei 19.000/min den Vogel ab. Der Zehnzylinder wog nur 88 Kilogramm. Zum Vergleich: Eine aktuelle Antriebseinheit muss mindestens 145 Kilogramm auf die Waage bringen. Der heutige Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer war damals Rennleiter bei Honda, und er erinnert sich, wie dieses Wunder möglich war: „Wir hatten Kolben aus MMC und hohlgebohrte Pleuel.“

Wieder funkte Mosley den Herstellern dazwischen. Im Rahmen einer weiteren Abrüstung waren ab 2006 nur noch V8-Motoren mit 2,4 Liter Hubraum erlaubt. Als deren Leistung wieder auf 760 PS geklettert war, wurden ein Drehzahllimit von 18.000/min und ein Entwicklungsstopp vorgeschrieben. Mercedes gab mit 760 PS den Ton an. 2009 und von 2011 bis 2013 kamen Kers dazu. Das waren für 6,7 Sekunden 82 PS aus der Batterie. Die Systemleistung betrug demnach kurzfristig 840 PS.

In der Hybrid-Ära ab 2014 wurde der 1,6 Liter Motor mit einem Turbolader und zwei Elektromaschinen ausgestattet. Zu Beginn waren die Antriebseinheiten etwa gleich stark wie der V8 mit Kers. Das allerdings für einen deutlich längeren Zeitraum. Sie mussten aber auch wesentlich mehr Gewicht in Bewegung setzen. 2013 wog ein Formel 1-Auto noch 642 Kilogramm. Ein Jahr später waren es bereits 691. Und in diesem Jahr sind wir bereits bei 728 Kilogramm angelangt. Es reichte dank mehr Abtrieb, breiteren Reifen und knapp vier Prozent mehr Leistung als 2016 trotzdem noch zu den schnellsten Formel 1-Autos aller Zeiten.

Die Motorenformel der Formel 1

Jahr Reglement
1950-1951 ,5 l Saugmotor oder 1,5 l mit Kompressor
1952-1953 2,0 l Saugmotor oder 500 cm³ mit Kompressor
1954-1960 2,5 l Saugmotor oder 750 cm³ mit Kompressor
1961-1965 1,3 bis 1,5 l Saugmotor, Aufladung verboten
1966-1985 3,0 l Saugmotor oder 1,5 l mit Turbolader
1986 1,5 l mit Turbolader, Saugmotor verboten
1987-1988 3,5 l Saugmotor oder 1,5 l mit Turbolader
1989-1994 3,5 l Saugmotor, max. 12 Zylinder
1995-1999 3,0 l Saugmotor, max. 12 Zylinder
2000-2005 3,0 l Saugmotor, 10 Zylinder
2006-2008 2,4 l Saugmotor, 8 Zylinder
2009-2013 2,4 l Saugmotor, 8 Zylinder+Kers
ab 2014 1,6 l Motor mit Turbolader+MGU-K+MGU-H
Neuester Kommentar

The V-16 BRM in the early 1950’s was an engine of legendary status. During the Albi F1 race in 1953, Fangio's car's V16 ran at a claimed 72 psi boost (4.9 ata) and 585 bhp (436 kW) at 11,800 rpm, the car reaching 186 mph (300 km/h).

Andy from Beaverton 4. Januar 2018, 05:49 Uhr
Neues Heft
Top Aktuell Marcin Budkowski - Cyril Abiteboul - Renault - GP Singapur 2018 Budkowski bittet um Geduld Bereit sein für Titelkampf 2021
Beliebte Artikel Lewis Hamilton - Mercedes - GP Japan 2017 - Suzuka Exklusiver Speed-Vergleich 2016/2017 Schnellste Formel 1-Autos aller Zeiten F1 Tagebuch - GP USA 2017 - Austin Hat die F1 ein Überholproblem? 393 weniger Überholmanöver
Anzeige
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Sportwagen Falken Porsche 911 GT3 R 2019 - VLN 7 - 20. September 2018 VLN Vorschau, 7. Lauf 2018 Falken mit neuem Porsche Impressionen - VLN 2018 - Langstreckenmeisterschaft - Nürburgring-Nordschleife VLN 2018 im Live-Stream Das siebte Rennen hier live!
Allrad Kia Niro EV Elektro-SUV Kia e-Niro (2019) Elektro-SUV mit 485 km Reichweite Seat Tarraco, SUV, Offroad, Allrad, 7-sitzer Seat Tarraco (2019) Lesen Sie hier alles zum neuen Seat-SUV
Oldtimer & Youngtimer Volkswagen Käfer 1200 Cabriolet (1961) VW Käfer Auktion Schwedens größtes Käfer-Museum macht zu Ford Sierra I Cosworth 1985 50 Jahre Ford RS Schnelle Escort, Sierra, Focus