Start - Formel 1 - GP Japan 2022 - Suzuka Wilhelm
Red Bull Fabrik - Milton Keynes - 2021
Red Bull 2004
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Red Bull 2005 80 Bilder

F1 Budget Cap: Was zählt dazu? Was sind Ausnahmen?

Budget Cap der Formel 1 erklärt Was zählt dazu? Was sind die Ausnahmen?

Seit 2021 gibt es in der Formel 1 eine Budgetobergrenze. Sie soll den Sport gesünder und ausgeglichener machen. Jetzt gibt es den ersten großen Streitfall um Red Bull. Doch was zählt eigentlich zum Budget Cap? Und was dürfen die Teams rausrechnen? Wir geben eine Übersicht.

Es ist das wichtigste Projekt der FIA und der Formel 1 seit vielen Jahren. Die Budgetdeckelung soll die Königsklasse des Motorsports auf gesunde Füße stellen. Liberty Media trieb seit der Übernahme der Formel 1 (2017) die Idee einer Kostenobergrenze voran. Es brauchte viel Überzeugungsarbeit. Die kleinen Teams waren sofort dafür, die Großen wie Mercedes, Ferrari und Red Bull sträubten sich lange dagegen.

Sie hatten Angst um ihre Vorteile. Man hatte ja das Geld, also warum sollte man es nicht voll ausgeben? Und man hatte das Personal, um das Budget sinnvoll einzusetzen. Inzwischen sind selbst die Großen angetan, weil sie mit der Formel 1 plötzlich Geld verdienen können – und sie sie so besser ihren Vorständen verkaufen können, als rein über die Technologie-Plattform und den Werbewert.

Drei Ziele des Formel-1-Budgetdeckels

Das Ziel der Budgetobergrenze ist in Artikel 1.3 des Finanzreglements festgehalten.

  • Förderung des Wettbewerbsgleichgewichts der Meisterschaft;
  • Förderung der sportlichen Fairness der Meisterschaft; und
  • die langfristige finanzielle Stabilität und Nachhaltigkeit der F1-Teams sicherzustellen, bei gleichzeitiger Wahrung der einzigartigen Technologie und technischen Herausforderung der Formel 1

Doch jetzt erwartet die Regelhüter der FIA die erste Bewährungsprobe. Weltmeister Red Bull hat laut den Buchprüfern in der ersten Budget-Cap-Saison 2021 zu viel Geld ausgegeben. Doch bei welchem Betrag ist das Limit überhaupt festgesetzt? Welche Kosten fallen überhaupt unter den Budgetdeckel – und welche nicht?

Sergio Perez - Red Bull - GP Japan 2022 - Suzuka
xpb
Die großen Teams sind trotz Budgetdeckelung weiter vorn.

F1-Obergrenze 2021 & 2022

2021 setzte die Formel 1 die Obergrenze bei 145 Millionen US-Dollar an. Sie wanderte bis auf 148,6 Millionen hoch. Das hatte damit zu tun, dass der Kalender 22 und nicht 21 Rennen umfasste. Für jeden Grand Prix mehr als 21 Rennen dürfen die Teams zusätzlich 1,2 Millionen ausgeben. Da es 2021 noch zu kurzfristigen Änderungen im Kalender kam, erhöhte sich der Budget Cap zusätzlich. Hier kommt es immer darauf an, wann die Teams Bescheid bekommen. Wenn eine Frist abgelaufen ist, und das Rennen nicht zum geplanten Zeitpunkt stattfindet, dürfen sie mehr investieren.

In dieser Saison wurde die Obergrenze auf 140 Millionen US-Dollar gesenkt. Auch 2022 finden 22 Grands Prix statt. Ergo erhöht sich das Budget Cap um 1,2 Millionen auf 141,2. Hinzu kommt ein Inflationszuschlag, über den die Teams mitten in der Saison einig wurden. So sollen gestiegene Fracht-, Transport- und Energiekosten abgefedert werden. Die Summe wurde auf 4,37 Millionen festgelegt. Die Budgetobergrenze kletterte somit auf insgesamt 145,5 Millionen US-Dollar.

Budget Cap: Das ist drin

Die Teams dürfen über ihr Geld innerhalb der Grenzen frei verfügen. Was stecken sie in die Fahrzeugentwicklung? Wie viel geben sie für Ersatzteile aus? Wie hoch entlohnen sie ihre Mitarbeiter? Wichtig ist nur, dass sie die Obergrenze nicht überschreiten. Die komplette Entwicklung eines Formel-1-Autos fällt also unter das Budget Cap. Wichtig in diesem Zusammenhang: Produktionskosten werden erst verrechnet, sobald die entsprechenden Teile tatsächlich von den Teams eingesetzt werden.

Was in den Fabriken passiert, zählt zum Cap. Wenn ein Team also beispielsweise das Kantinenessen für seine Mitarbeiter bezuschusst (was eigentlich alle machen) oder sogar kostenfrei anbietet, muss das angegeben werden. Dazu ein Beispiel: Wenn ein Team eine halbe Million pro Jahr für die Verpflegung seiner Mitarbeiter bezahlt, es aber nicht korrekt in den Büchern vermerkt, hätte dieses Team diese halbe Million mehr Luft als andere, die korrekt verrechnen. Dieses Geld könnte man dann in die Fahrzeugentwicklung stecken. Das zeigt, dass jeder einzelne Posten die Performance beeinflussen kann, auch wenn kein unmittelbarer Zusammenhang zum Auto besteht.

Kostenloser Eintritt im Fitness-Studio, vergünstigtes Mietwagen-Leasing, Kompensation für eine Lebensversicherung, sonstige Rabatte: zählt alles zum Budget Cap, weil es Teil der Entlohnung für die Mitarbeiter ist. Es muss rein, da man ansonsten "Gehalt verstecken" könnte. Wenn nur das Grundeinkommen ein Faktor wäre, könnte man Mitarbeiter ansonsten über weitergehende Leistungen leichter an sich binden – und von der Konkurrenz abwerben.

Catering nicht im Budget Cap

Es gibt viele Ausnahmen vom Budget Cap. Das Catering an der Rennstrecke gehört beispielsweise nicht in den Topf. Im Klartext: Essen an einem Grand-Prix-Wochenende wird rausgerechnet, das Essen in der Fabrik reingenommen. Wie kommt das? An der Strecke verköstigen die Teams nicht nur ihre Mitarbeiter, sondern auch Sponsoren-Gäste und VIPs. Es wäre viel zu kompliziert, das alles zu trennen und jedes einzelne Essen und Getränk gesondert abzurechnen. Zumal die Marketing-Aktivitäten der Teams ohnehin nicht unter das Budget Cap fallen.

Bleiben wir bei den Mitarbeitern: Die Fahrergehälter sind ebenfalls kein Teil der Budgetdeckelung. Die Teams dürfen auch die drei Topverdiener (meist Teamchefs, Technikchefs) im Rennstall rausrechnen. Nur die Entwicklung des Autos ist inbegriffen. Der Motor zählt nicht zum Budgetdeckel. Ferrari, Mercedes, Red-Bull-Honda und Renault können hier noch ausgeben, was sie wollen. Doch ab 2023 wird es auch für die Motoren eine Obergrenze geben. Die Kosten der Kundenteams für den Erwerb der Power Units zählen ebenfalls nicht in das limitierte Budget.

Mercedes - F1-Motorhomes 2022 - GP Emilia-Romagna - Imola
ams
Das Catering an der Rennstrecke ist kein Teil des Budget Caps.

Budget Cap: Die Ausnahmen

Was sind weitere Ausnahmen? Hier ein paar Beispiele aus den Finanzregeln. Alle Ausnahmen sind auf den Seiten 6 bis 9 (unter Punkt 3. "Exclusions") aufgeführt

  • Betreuung und Einsatz von Autos aus der Vergangenheit (Heritage)
  • Finanzierungskosten
  • Körperschaftssteuern
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Bonuszahlungen (Höchstbetrag gedeckelt)
  • Leasingkosten in Bezug auf Anlagen und Ausrüstungen
  • Kosten für Teile und Verbrauchsmaterial sowie ausgelagerte Dienstleistungen, die für die Instandhaltung einer Anlage oder Ausrüstung aufgebracht werden
  • Immobilienkosten (Fabrik)
  • Einschreibekosten für die WM
  • Kosten für die Superlizenz
  • Finanzielle Strafen beim Bruch der Finanzregeln
  • Hotels
  • Flüge
  • Anfallende Kosten bei Mutterschaftsurlaub / Vaterschaftsurlaub
  • Ersatz bei Krankheitsvertretung
  • Alle Beträge der Abschreibung, Amortisation, Wertminderung und Beträge als Ergebnis aus der Neubewertung oder Veräußerung von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten
  • Alle in der Gewinn- und Verlustrechnung erfassten Wechselkursgewinne und -verluste

Wenn ein Mitarbeiter durch Krankheit ausfällt, etwa für zwei Wochen, dann darf die Summe aus dem Budget Cap herausgerechnet werden. Sollte ein Team einen Mitarbeiter entlassen, ihn aber während einer Karenzzeit noch weiter bezahlen müssen, dann muss diese Summe mit in die Bücher.

Sie sehen: Der Budgetdeckel der Formel 1 ist ein kompliziertes Gebilde, und gleichzeitig ein extrem wichtiges Werkzeug. Ohne hätte die Königsklasse vermutlich keine langfristige Zukunft. Die kleinen Teams hätten nie die Chance, wettbewerbsfähig zu werden, weil die Großen das Doppelte oder Dreifache ausgeben. Die Großen mussten zwar leiden und müssen es immer noch. Personalabbau geht an keinem spurlos vorbei. Doch Red Bull, Ferrari und Mercedes haben immer noch die schnellsten Autos.

Sie haben immer noch die meisten Angestellten und die besten Ingenieure. Mehr Köpfe, mehr Ideen. Und sie haben die besten Werkzeuge. Sie rüsteten in den Jahren vor der Budgetdeckelung massiv auf: Der Wettbewerb zwang sie dazu. Und weil sie eingespielte Teams sind. Die Hoffnung der anderen (und der Formel 1) ist es, dass sich das Feld über Jahre hinweg angleicht. Der wahre Effekt der Budgetdeckelung sei deshalb jetzt noch gar nicht zu sehen.

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