Kaum eine Welt ist so schnelllebig wie die der Formel 1. Mit der Technik entwickeln sich auch die Regeln immer weiter. Was vor ein paar Jahren noch galt, kann heute schon ganz anders sein. Dass sich die Zeiten ändern, müssen auch die Piloten erfahren. Traditionell fragen die Stars immer mal wieder bei ihren Teams nach, ob sie nicht eines ihrer alten Formel-1-Autos bekommen können. Zuletzt lautete die Antwort auf diese Frage immer öfter "Nein".
Früher war es gängige Praxis, dass die ausrangierten Rennwagen an die Fahrer verteilt wurden. Vor allem, wenn ein Pilot nach mehreren Jahren ein Team verließ, bekam er zum Dank und zum Abschied oft ein Auto überreicht. Jean Alesi lässt etwa gerade seinen Ferrari F92A versteigern, den er bei Ferrari nach seiner Zeit in Maranello überreicht bekam. Das Fahrzeug stand mehr als 30 Jahre lang in der Villa des Rennfahrers.
Der letzte Pilot, der sich einen seiner alten Formel-1-Renner in die Garage stellen durfte, hieß Carlos Sainz. Nach vier Jahren bei Ferrari erhielt der Spanier zum Abschluss der Saison 2024 einen fahrbereiten F1-75, mit dem er 2022 in Silverstone seinen ersten von insgesamt vier Siegen für das Team aus Italien gefeiert hatte. Das Auto für Sainz war damals nicht Bestandteil seines Vertrages, sondern ein freiwilliges Geschenk.

Carlos Sainz bekam zum Ferrari-Abschied einen seiner alten Rennwagen geschenkt. Dazu durfte der Spanier zusammen mit seinem Vater noch ein paar letzte Runden in Fiorano drehen.
Formel-1-Autos werden seltener
Als Dankeschön für die guten Leistungen, und vielleicht auch ein wenig als Entschuldigung für den unsanften Rausschmiss, durfte Sainz mit seinem alten Rennwagen auch noch ein paar Runden auf der Teststrecke in Fiorano drehen. Auch sein Vater wurde eingeladen, den ehemaligen Dienstwagen des Juniors probezufahren, bevor das Auto in einer Garage im heimischen Madrid verschwand. Zuvor hatten auch schon Fernando Alonso und Sebastian Vettel alte Formel-1-Autos aus ihrer Ferrari-Zeit überreicht bekommen.
Diese Tradition scheint nun aber langsam auszusterben. "Ich würde gerne meine eigenen Formel-1-Autos sammeln", verriet Mercedes-Pilot George Russell. "Wegen des Kostendeckels produzieren wir aber nur noch drei oder vier Monocoques pro Jahr. Vor 20 Jahren, als noch unlimitiert getestet werden durfte, hatte jedes Team 15 bis 20 Chassis aufgebaut. Die wurden dann immer durchrotiert."
Die Rennställe haben am Ende eines Jahres also nur noch wenige Autos übrig, die sie dann lieber in die eigene Sammlung aufnehmen oder in ein Museum stellen. Zum Verschenken bleibt nichts mehr übrig. "Ich habe versucht, bei meinen letzten Vertragsverhandlungen ein Formel-1-Auto zu bekommen. Aber leider war ich da nicht erfolgreich", verrät Russell auf Nachfrage von auto motor und sport.

Jean Alesi trennt sich gerade von einem seiner alten Formel-1-Autos, das er von Ferrari geschenkt bekam.
Russell hofft auf Regeländerung
Der Engländer hofft, dass es in Zukunft wieder leichter wird, an Autos zu kommen: "Ich würde mir wünschen, dass man irgendwie eine Möglichkeit für die Teams findet, Monocoques außerhalb des Budget-Deckels zu produzieren. Von den anderen Teilen haben wir ja genug."
Das Monocoque ist der limitierende Faktor. Deshalb werden originale Formel-1-Autos zu echten Raritäten, wie Russell erklärt: "Jeder Fahrer hat fünf Motoren pro Jahr. Ich glaube, dass Mercedes insgesamt 60 Motoren für jede Saison produziert. Wir haben auch ausreichend Heckflügel – für viel, mittel und wenig Abtrieb. Frontflügel und Unterböden gibt es ebenfalls genug. Von allen anderen Teilen stehen mindestens zehn Sätze parat. Aber vom Monocoque gibt es nur drei oder vier. Vielleicht sollte ich da mal mit der FIA drüber sprechen."












