Alpha Tauri - Garage - 2022 Red Bull

Neue F1-Regeln für 2023: Korrekturen für mehr Action

Neue F1-Regeln für 2023 Korrekturen für mehr Action

Im Vergleich zur großen Regelreform vor der Saison 2022 lief die aktuelle Winterpause etwas ruhiger ab. Trotzdem müssen sich Ingenieure und Fans auf einige Änderungen in der Königsklasse einstellen. Wir bringen Sie auf den neuesten Stand.

Blicken wir noch einmal zwölf Monate zurück. Die Formel 1 stand Anfang 2022 kurz vor der größten Technikrevolution ihrer Geschichte. Groundeffect-Autos sollten mehr Spektakel und mehr Spannung bringen. Überall in den Fabriken war die Nervosität groß. Wer hatte die Regeln am besten interpretiert? Wird die Reihenfolge neu gemischt? Und gibt es wirklich mehr Action auf der Strecke?

Alle Hoffnungen konnte die Reform sicher nicht erfüllen. Ja, es gab mehr Überholmanöver, aber das Versprechen nach mehr Abwechslung und Spannung hielt die neue Königsklasse nicht ein. Der Weltmeister hieß am Ende wieder Max Verstappen. Seinen zweiten Titel feierte der Red-Bull-Pilot deutlich früher in der Saison als seinen ersten.

Neue Regeln reduzieren den Abtrieb

Nach der steilen Lernkurve im ersten Jahr soll sich das Feld nun automatisch zusammenschieben, so die Hoffnung der Serienbosse. Auch der Budgetdeckel werde dabei helfen, die Abstände zwischen den Topteams und den Hinterbänklern zu verringern. Apropos Budget: Eigentlich sollte die Ausgabengrenze über den Winter um fünf Millionen US-Dollar sinken. Doch der Ausgleich für Inflation, die größere Anzahl an Rennen und die Kompensation für drei zusätzliche Sprints fressen den niedrigeren Grundbetrag mehr als auf. So dürfen die Teams jetzt rund acht Millionen Dollar mehr ausgeben als im vergangenen Jahr.

Auch im technischen Reglement wurde noch einmal nachgebessert, um die Kinderkrankheiten der letzten Reform zu beseitigen. Dabei hatten die FIA-Experten besonders das Thema "Porpoising" im Visier. Zum Schutz der Fahrer vor zu aggressivem Bouncing der Autos bei hohen Geschwindigkeiten wurde gleich ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt. Vor allem die Anhebung der Unterbodenkante um 15 Millimeter dürfte den Ingenieuren Kopfschmerzen bereiten. Dazu wird auch noch der Eingang des Diffusorschachts um zehn Millimeter höher gesetzt.

Ziel der Übung ist nicht nur, dass die Autos ruhiger liegen, sie sollen auch weniger stark an den Asphalt gesaugt werden. Auf fünf bis acht Prozent beziffern die Ingenieure den Abtriebsverlust, den die Regelanpassung mit sich bringt, was fast einer halben Sekunde in Rundenzeit entspricht. Das dürfte aber durch die normale Weiterentwicklung über den Winter mehr als wettgemacht werden. Es muss also keiner fürchten, dass die neuen Autos langsamer sind als die alten.

Mercedes - GP Belgien 2022
Wilhelm
Die Außenkante des Unterbodens schleift 2023 nicht mehr so nah auf dem Boden.

Aero-Schlupflöcher gestopft

Im Technik-Reglement für 2023 ist zudem noch eine Gewichtsreduzierung vorgesehen. Von 798 geht es auf 796 Kilogramm runter. Nicht viel, aber nach Jahren des Zuwachses zeigt der Trend endlich wieder in die richtige Richtung. Was die Optik der Autos angeht, werden den Fans wohl vor allem die veränderten Außenspiegel ins Auge fallen. Sie wachsen in der Breite von 15 auf 20 Zentimeter. Bei ersten Testläufen im Vorjahr freuten sich die Piloten damit über eine deutlich verbesserte Sicht nach hinten.

Aerodynamisch ändert sich sonst nicht viel. Beim Heckflügel sorgen neue Radien-Vorgaben dafür, dass die clevere Endplatten-Lösung von Aston Martin aus dem Vorjahr nicht mehr möglich ist. Auch bei der Frontflügel-Endplatte wird ein Schlupfloch gestopft, das Mercedes entdeckt und ausgenutzt hatte.

Beim Thema Sicherheit kennt die FIA bekanntlich keinen Spaß. Als Reaktion auf den heftigen Crash von Guanyu Zhou in Silverstone gibt es strengere Regeln beim Überrollbügel. Der obere Teil muss künftig stärker abgerundet sein und härteren Crashtests widerstehen. Bei der Sicherheit der Tanks wurde ebenfalls nachgebessert. Der Druck in der Spritblase ist künftig begrenzt. Um das Niveau zu regeln, ist ein neues Ventil mit einem Mess-Sensor an den Gummi-Kevlar-Containern vorgeschrieben.

Alpha Tauri - Spiegel - GP Niederlande 2022
Wilhelm
Die Spiegel wachsen 2023 in die Breite.

Pirelli backt neue Reifen

Auch Pirelli hat sich für 2023 etwas Neues überlegt. In den letzten Jahren wurden stets fünf Reifenmischungen homologiert. Künftig wird der Gummi in sechs verschiedenen Härtegraden gebacken, von denen dann drei an jedem Rennwochenende zum Einsatz kommen. Der Auswahl von C1 bis C5 wird noch ein neuer C0-Reifen hinzugefügt, der am härteren Ende der Skala angesiedelt ist.

Beim Thema Heizdecken gibt es ebenfalls eine Änderung. Die ursprünglich geplante Temperatur-Reduzierung von 70 °C auf 50 °C ist nach dem kritischen Feedback der Fahrer beim Test in Austin vom Tisch. Um die angepeilte Energie-Einsparung doch noch zu realisieren, sollen die Heizdecken künftig nur zwei statt drei Stunden vor Gebrauch eingeschaltet werden.

Ebenfalls aus Gründen der Nachhaltigkeit gibt es Überlegungen, die Anzahl der Reifensätze in Zukunft zu reduzieren. Schon in der Saison 2023 will man bei zwei Grand-Prix-Veranstaltungen mit einem neuen Qualifikationsformat experimentieren. Hierbei werden die Teams verpflichtet, im Q1 nur die harten, im Q2 nur die mittelharten und im Q3 nur die weichen Reifen zu verwenden. So käme jeder Fahrer am Ende mit lediglich elf statt 13 Sätzen über das Wochenende. Bei welchen Rennen das neue Format ausprobiert wird, steht aber noch nicht fest.

Guanyu Zhou - GP England 2022
Wilhelm
Die FIA will die Sicherheit weiter verbessern. Verschärfte Crashtests und neue Vorgaben gibt es unter anderem für den Überrollbügel.

Mehr Sprints, mehr Geld

Die Sprint-Events sind dagegen bereits fixiert. Um mehr Einnahmen zu generieren, verdoppelt sich die Zahl der zusätzlichen 100-Kilometer-Rennen an Samstagen von drei auf sechs. In Baku, Spielberg, Spa-Francorchamps, Katar, Austin und São Paulo bekommen die Fans zwei Mal Rennaction geboten.

Das hat wie schon eingangs erwähnt auch Auswirkungen auf die Budgetdeckel-Berechnung. Früher wurden jedem Team 150.000 US-Dollar extra pro Sprint angerechnet – plus eine zusätzliche Kompensation bei Unfallschäden. Jetzt wird das Ausgabenlimit pauschal um 300.000 US-Dollar pro Sprint-Event erhöht, ohne dass es etwas extra gibt.

Damit die Ingenieure mehr von dem begrenzten Budget für die Entwicklung ausgeben können, wurde eine komplette Testwoche weggespart. Vor der neuen Saison stehen damit nur noch drei Tage lang Proberunden für jedes Team auf dem Programm, was die Eingewöhnung für Rookies und Teamwechsler deutlich erschweren dürfte.

In den Fabriken der zehn Teams beginnt jetzt die heiße Phase. Die ersten Ausfahrten mit den Neuwagen sind vom 23. bis 25. Februar in Bahrain eingeplant. Dann bekommen wir hoffentlich auch die ersten Antworten auf die Frage, ob das Feld nun endlich enger zusammenrückt.

Zur Formel-1 Startseite
Formel 1 Aktuell Mohammed Ben Sulayem - GP Belgien - 2022 FIA-Präsident auf dem Rückzug Ben Sulayem gibt F1-Geschäft ab

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem will sich aus der Formel 1 zurückziehen.