Deutsch-französisches Panzer-Projekt "MGCS": Steht der Leopard-2-Nachfolger auf der Kippe?

Deutsch-französisches Panzer-Projekt „MGCS“
Steht der Leopard-2-Nachfolger auf der Kippe?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.06.2026
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Rheinmetall-Chef Armin Papperger hält es für möglich, dass Frankreich das Vorhaben verlässt. Gegenüber der "Welt am Sonntag" sagte er, ein solcher Schritt sei nicht ausgeschlossen, auch wenn bislang keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden seien.

Antrieb und Energie als technische Grundlage

Ein zentraler Unterschied zu heutigen Kampfpanzern liegt im Energiebedarf. Moderne Sensorik, aktive Schutzsysteme und digitale Gefechtsführung benötigen deutlich mehr elektrische Leistung als bisher.

Im Zentrum steht ein Hybrid-Powerpack mit mehr als 1.400 Kilowatt Systemleistung, das entspricht rund 1.902 PS. Es kombiniert einen neu entwickelten Dieselmotor mit elektrischen Komponenten und einem elektrifizierten Getriebe.

Der Verbrennungsmotor basiert auf der mtu-Baureihe 199. Konkret, ein Zehnzylinder-Motor mit rund 1.100 Kilowatt mechanischer Leistung. Er kann mit unterschiedlichen Kraftstoffen betrieben werden und ist darauf ausgelegt, auch minderwertige Qualitäten zu verarbeiten. Diese Fähigkeit gilt im militärischen Einsatz als relevant, da Nachschubketten nicht immer stabil sind.

Ergänzt wird das System durch ein elektrifiziertes Lenkschaltgetriebe von ZF. Das System mit der Bezeichnung eLSG 5000 kombiniert Antrieb, Lenkung und Bremsfunktion. Eine stufenlose Überlagerungslenkung soll präzisere Manöver ermöglichen. Gleichzeitig kann beim Bremsen Energie zurückgewonnen und wieder ins Bordnetz eingespeist werden.

Das Gesamtsystem arbeitet als Parallel-Hybrid. Verbrennungs- und Elektromotor können gemeinsam oder getrennt eingesetzt werden. Neben dem eigentlichen Antrieb stellt das System zusätzliche elektrische Energie für Sensorik, Kommunikation und Schutzsysteme bereit.

Bewaffnung mit größerem Kaliber

Die Feuerkraft gehört zu den sichtbarsten Veränderungen. Aktuelle Kampfpanzer nutzen 120-Millimeter-Kanonen. Für MGCS werden größere Kaliber vorbereitet. KNDS entwickelt mit ASCALON ein System, das zwischen 120 und 140 Millimeter wechseln kann. Rheinmetall arbeitet parallel an einer 130-Millimeter-Kanone.

Der Hintergrund liegt in der steigenden Schutzwirkung moderner Panzerungen. Um diese zu durchdringen, sind höhere Geschossenergien erforderlich. Gleichzeitig macht die größere Munition automatische Ladesysteme notwendig. Der klassische Ladeschütze entfällt damit in vielen Konzepten.

Turmkonzepte und Besatzung

Ein weiterer grundlegender Wandel betrifft den Aufbau des Fahrzeugs. Die Studie des Leopard 2 A-RC 3.0 von KNDS zeigte schon 2024 wo die Reise hingeht. Der Turm ist unbemannt, die Besatzung sitzt vollständig im geschützten Rumpf. In diesem Konzept reduziert sich die Crew auf drei Soldaten.

Der französische Leclerc Evolution verfolgt einen anderen Ansatz. Hier bleibt der Turm bemannt, wird jedoch erweitert. Ein zusätzliches Besatzungsmitglied übernimmt die Steuerung moderner Sensoren und zusätzlicher Wirkmittel.

Beide Konzepte zeigen, dass die endgültige Konfiguration des MGCS noch offen ist. Klar ist jedoch, dass Schutz und Automatisierung deutlich an Bedeutung gewinnen.

Sensorik, Vernetzung und die Rolle von Hensoldt

Die größte technische Veränderung liegt weniger in der Panzerung als in der Elektronik. MGCS soll Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen. Dazu zählen optische Sensoren, Wärmebildtechnik, Radar und Drohnen. Diese Informationen werden in Echtzeit verarbeitet und der Besatzung als Lagebild zur Verfügung gestellt.

Hier kommen Unternehmen wie Hensoldt ins Spiel. Der Konzern entwickelt Sensorik, Radar- und Aufklärungssysteme sowie Lösungen zur Datenverarbeitung. Diese Komponenten bilden die Grundlage für die sogenannte Sensorfusion.

Der Panzer wird damit zu einem Knotenpunkt im Gefechtsnetzwerk. Entscheidungen basieren nicht mehr nur auf Sicht, sondern auf einem umfassenden digitalen Lagebild.

Drohnen und unbemannte Begleitfahrzeuge

Ein wesentlicher Bestandteil des MGCS ist die Integration unbemannter Systeme. Dazu gehören Drohnen zur Aufklärung und Zielerfassung sowie sogenannte Loitering-Munition-Systeme. Diese können Ziele eigenständig anfliegen und bekämpfen.

Was ist Loitering-Munition?Loitering Munition ist eine Kombination aus Drohne und Präzisionswaffe, die über einem Einsatzgebiet kreisen kann, bevor sie ein Ziel angreift. Sie wird gestartet, sucht selbstständig oder ferngesteuert nach Zielen und kann bei Bedarf direkt einschlagen. Im Unterschied zu klassischen Raketen bleibt sie längere Zeit in der Luft und kann flexibel eingesetzt werden. Typische Einsatzfelder sind die Bekämpfung von Fahrzeugen, Radarstellungen oder einzelnen Zielen.

Zusätzlich werden unbemannte Bodenfahrzeuge entwickelt. Sie begleiten den Kampfpanzer und übernehmen Aufgaben wie Aufklärung oder Materialtransport. Dadurch wird die Besatzung entlastet und Risiken werden reduziert. Der Leo 2-Nachfolger fungiert also in diesem System als zentrale Führungseinheit.

Zeitplan und aktueller Stand

Das MGCS-Projekt wurde 2017 gestartet. Nach Verzögerungen bei der industriellen Abstimmung wurde in den Jahren 2024 und 2025 eine gemeinsame Struktur festgelegt.

Aktuell befindet sich das Projekt in der Konzept- und Demonstrationsphase. Erste Prototypen werden im kommenden Jahrzehnt erwartet. Eine Einführung in die Truppe gilt erst ab den 2040er-Jahren als realistisch.

Zukunft des MSCS auf der Kippe?

Nach dem FCAS-Aus gibt es Überlegungen in Frankreich, die finanziellen Mittel für das Main Ground Combat System (MGCS) deutlich zu reduzieren. Nach Angaben Pappergers stehe eine Kürzung auf weniger als die Hälfte des ursprünglich vorgesehenen Budgets im Raum. Eine endgültige Festlegung über den Finanzrahmen gebe es jedoch bislang nicht.

Nach Einschätzung des Rheinmetall-Chefs hätte ein geringeres Budget direkte Auswirkungen auf das Projekt. Leistungsumfänge müssten reduziert werden, zudem drohten weitere Verzögerungen. Bereits heute komme das Programm nur langsam voran. Papperger verwies darauf, dass die vier beteiligten Unternehmen seit dem Start des Vorhabens vor rund zehn Jahren zusammen erst 25 Millionen Euro erhalten hätten. Angesichts der Größe und Bedeutung des Projekts sei das aus seiner Sicht ein vergleichsweise geringer Betrag.

Fazit