Der Sportwagen war auf einem geschlossenen Transportanhänger von der Schweiz nach Nordrhein-Westfalen unterwegs. Weil beim Grenzübertritt keine Einfuhrdokumente vorgelegt werden konnten, setzte der Zoll Einfuhrabgaben von rund 33.400 Euro fest und stellte das Fahrzeug zunächst sicher.
Wie das Hauptzollamt Singen mitteilte, kontrollierten Beamte den Transport vergangene Woche auf dem Parkplatz Räthisgraben an der A81 in Fahrtrichtung Stuttgart. Der Fahrer gab an, im Auftrag des Besitzers unterwegs zu sein. Nachweise über eine ordnungsgemäße Verzollung konnte er jedoch nicht vorlegen. Daraufhin leiteten die Zöllner ein Steuerstrafverfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ein.
Laut einer vorgelegten Rechnung wurde der Wert des Fahrzeugs mit 99.000 Schweizer Franken angegeben. Das entspricht umgerechnet rund 108.000 Euro. Auf dieser Grundlage berechnete der Zoll die Einfuhrabgaben. Bis zur Zahlung wurde der Sportwagen sichergestellt. Die weitere Bearbeitung übernimmt die Straf- und Bußgeldstelle des Hauptzollamts Karlsruhe.
Warum der Porsche nicht als Oldtimer galt
Nach Angaben des Hauptzollamts hätte das Fahrzeug aufgrund seines Alters grundsätzlich von einer günstigeren Oldtimer-Verzollung profitieren können.
Dies scheiterte jedoch an den zahlreichen Veränderungen am Fahrzeug. Die Behörde spricht ausdrücklich von vielen Umbauten, die einen Originalzustand ausschließen.
Was ist das für ein Modell?
Natürlich macht das Foto im Redaktions-Chat von auto-motor-und-sport.de die Runde. Auf dem einzigen veröffentlichten Foto ist ein weißer Porsche mit den breiten Kotflügeln eines 911 Turbo, auffälligen seitlichen Luftschächten, einem großen Heckflügel und mehrteiligen Felgen zu erkennen.
Als technische Basis kommt am ehesten ein Porsche 911 Turbo der Baureihe 930 infrage. Der zwischen 1975 und 1989 gebaute Sportwagen gilt als einer der bekanntesten Porsche-Klassiker und bildete auch die Grundlage für zahlreiche Tuning- und Motorsportumbauten. Die Karosserie des sichergestellten Fahrzeugs weist mehrere Merkmale auf, die auf einen 930 Turbo hindeuten. Dazu gehören insbesondere die verbreiterten Hinterkotflügel und der markante Heckspoiler.
Führt die Spur führt zu RUF?
Besonders auffällig sind die Felgen. Sie erinnern stark an die bekannten Speedline-Räder, die häufig bei Fahrzeugen des bayerischen Herstellers RUF verwendet wurden. RUF aus Pfaffenhausen gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Porsche-Spezialisten weltweit. Das Unternehmen entwickelte auf Basis des Porsche 911 eigene Hochleistungsfahrzeuge und erhielt sogar einen eigenen Herstellerstatus.
Berühmt wurde RUF vor allem durch Modelle wie den CTR "Yellowbird" oder den BTR.
Handelt es sich um einen RUF BTR?
Eine mögliche Erklärung wäre ein Fahrzeug aus dem Umfeld des RUF BTR. Das Kürzel steht für "Gruppe B Turbo RUF". Der BTR basierte auf dem Porsche 911 Turbo und gehörte in den 1980er-Jahren zu den schnellsten straßenzugelassenen Fahrzeugen der Welt.
Je nach Ausführung leistete der BTR rund 374 PS und erreichte Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. Mehrere Details des Zollfotos würden grundsätzlich zu einem solchen Fahrzeug passen.
Auch andere Umbauten kommen infrage
Ebenso denkbar ist ein Porsche 930 Turbo mit zeitgenössischem Flachbau- oder Breitbau-Umbau. In den 1980er- und 1990er-Jahren boten zahlreiche Spezialisten entsprechende Umbauten an. Neben RUF waren unter anderem DP Motorsport, Kremer oder Gemballa für aufwendige Karosserie- und Leistungsumbauten bekannt.
Gerade solche Fahrzeuge verfügen häufig über umfangreiche Veränderungen an Karosserie, Fahrwerk, Rädern und Antrieb. Das könnte auch erklären, weshalb der Zoll eine Oldtimerbegünstigung nicht anerkannte.
Der auf der Rechnung ausgewiesene Wert von rund 108.000 Euro liefert ebenfalls keinen eindeutigen Hinweis. Für einen umgebauten Porsche 930 kann dieser Betrag durchaus realistisch sein. Für einen dokumentierten und originalen RUF BTR liegen die Marktpreise heute dagegen häufig deutlich höher.





