Ferrari hatte sich vor der Reise nach Montreal etwas Sorgen gemacht. Der Power-Nachteil drohte auf den langen Geraden der Highspeed-Strecke zu einem echten Hemmschuh zu werden. Schon in Miami konnten Mercedes und McLaren die rote Konkurrenz in die Schranken weisen. In Kanada drohte die Niederlage noch schmerzhafter auszufallen.
Am Ende kam es im Sprint-Qualifying dann zu dem erwarteten Ergebnis. Die beiden Mercedes sicherten sich die Plätze in der ersten Reihe. George Russell konnte dabei die Erfolgsserie von Kimi Antonelli unterbrechen und sich die Pole-Position sichern. Dahinter parken beim Start in den Sprint die beiden McLaren von Lando Norris und Oscar Piastri.
Für Ferrari blieben wie befürchtet nur die Plätze in der dritten Reihe. Doch das Ergebnis des Top-Ten-Finales erzählt nur die halbe Geschichte. In den ersten beiden Runden auf den Medium-Reifen konnte Lewis Hamilton munter um die vorderen Plätze mitkämpfen. Das SQ1 beendete der Rekordsieger an der Spitze, im SQ2 fuhr er immerhin die zweitschnellste Runde.

Ferrari kam in Montreal besser zurecht als erwartet.
Nicht so schlimm wie befürchtet
Erst im SQ3 ging dem Ferrari etwas die Luft aus. Mit dem Soft-Reifen konnten sich die Scuderia-Piloten nicht so viel steigern wie die Konkurrenz in Silber und Papaya-Orange. Am Ende fiel der Rückstand mit dreieinhalb Zehnteln aber überschaubar aus. Das hatten einige im Lager der Roten vorher schlimmer befürchtet.
Die niedrige Erwartungshaltung hatte ihre Ursache auch im Entwicklungsprogramm. Während Mercedes und McLaren in Montreal nochmal einige Upgrades nachlegten, wies die Liste mit den neuen Teilen bei Ferrari nur eine leere Zeile aus. Dass man dennoch so gut mithalten konnte und Red Bull hinter sich ließ, durfte man schon als Erfolg werten.

Auch ohne Upgrades konnte Hamilton im Sprint-Quali lange gut mithalten.
Hamilton hat wieder Spaß
"Das war wahrscheinlich die beste Quali-Session, die wir seit langer Zeit hatten", jubelte Hamilton anschließend. "Wir haben gut mit den Ingenieuren gearbeitet. Die Setup-Änderungen haben funktioniert. Das Auto hatte sich aber schon im Training gut angefühlt. Wir mussten zum Quali nur noch wenig anpassen."
Der Brite hatte nach dem starken Start in die Quali-Session schon auf ein bisschen mehr gehofft: "Die Plätze eins und zwei in den ersten Runden haben wirklich gut ausgesehen. Ich weiß auch nicht, warum die anderen dann noch etwas mehr nachlegen konnten. Aber ich bin schon froh, dass ich überhaupt mitkämpfen konnte. Ich hatte heute echt viel Spaß da draußen."
Es scheint, als hatte Hamiltons neue Vorbereitung Erfolg gebracht. Nachdem ihn die Simulator-Arbeit in Miami auf die falsche Spur geführt hatte, verzichtete er in der Vorbereitung für das Montreal-Rennen auf das Tool. "Ich war nicht im Simulator und trotzdem habe ich mich so wohl im Auto gefühlt, wie noch nie dieses Jahr. So werde ich es also wohl in Zukunft weiter machen."

Charles Leclerc fand nicht das richtige Gefühl für die Bremsen.
Bremsen-Problem bei Leclerc
Leclerc konnte das Hamilton-Tempo in der ganzen Session nicht mitgehen, was auch einen konkreten Grund hatte: "Bei mir hat es überhaupt nicht gepasst. Ich kämpfe die ganze Zeit mit den Bremsen. Wir müssen das Problem jetzt schnell lösen, sonst wird es ein langes Wochenende. Vor jeder Kurve muss ich hoffen, dass es nicht geradeaus geht."
Die Zeiten des Schwesterautos konnte Leclerc nur bestaunen: "Lewis ist unglaublich schnell dieses Wochenende. Auf meiner Seite der Garage kann ich nur hoffen, dass das Gefühl für die Bremse zurückkommt und wir das Ruder morgen nochmal rumreißen können. Wir haben schon eine Idee, was los sein könnte. Aber ob wir für morgen schon eine Lösung haben, steht auf einem anderen Blatt."





