Zumindest im Rennen um die radikalsten Aero-Innovationen dominiert Ferrari die neue Formel-1-Ära. Vorneweg gehen die Italiener am Heck: Shanghai sieht das Wettbewerbsdebüt des rotierenden Heckflügels, der je nach Präferenz entweder wie das Neunziger-One-Hit-Wonder "Macarena" oder das Schuhgenre "Flip-Flop" tituliert wird. Manche fühlen sich ebenso an einen Döner-Spieß erinnert.
Doch auch darunter verdrehten die Roten die Köpfe. Direkt hinter dem Auspuffrohr montierten sie ein extremes Leitblech. Eigentlich herrschte die Meinung, dass Abgase weiterhin ungestört vom Auto abgeführt werden müssen. Das vorherige Reglement legte den Aerodynamikern diesbezüglich das Handwerk. In der Vorbereitung auf das neue Regelwerk fanden die Techniker Maranellos jedoch eine Ausnahme.
Bis zu einer gewissen Höhe sind Anbauten möglich. Sie sitzen auf der hinteren Crash-Struktur und generieren zusätzlichen Anpressdruck. Während die Halterung bei Ferraris Lösung von Carbon eingefasst ist, besteht das Winglet selbst aus einem metallischen Werkstoff. Die Gase erreichen dort Temperaturen von 1.000+ Grad.

Im direkten Vergleich zu Haas' Flügel fällt Ferraris Lösung deutlich massiver aus. Fast die Hälfte des Rohrs wird abgedeckt.
Bester Kleiner, und vielleicht mehr?
Für das zweite Rennwochenende auf dem 2004 debütierten Shanghai International Circuit hatte Haas eine Adaption im Gepäck. Der Haas VF-26 unterscheidet sich allerdings stärker vom Ferrari SF-26. Statt des aufragenden Blechs rahmt bei den US-Amerikanern eine kürzere Halterung den Auspuff ein. Trotz derselben Idee handelt es sich also nicht um eine blanke Kopie.
Beide Ansätze haben dennoch den Ursprung in der technischen Kooperation. Nur eine spezielle Auslegung der Getriebe-Peripherie samt der damit verbundenen Crash-Struktur erlaubt derartige Aero-Extras. Deswegen scheinen die anderen Teams das auch nicht schlicht kopieren zu können. Haas erklärte pragmatisch: Die Flügelform soll die Aufwärtsströmung der Luft fördern. "Das verbessert lokale Aero-Charakteristiken und resultiert in entsprechender Druckerhöhung."
Nach einem starken siebten Platz von Ollie Bearman in Melbourne, der Haas zum fünftbesten Team machte, bleibt der Blick im oberen Mittelfeld. Red Bull liegt aktuell nur zwei Zähler davor. Dementsprechend hofft das mit Toyota kooperierende Haas auf die Rolle des Hersteller-Schrecks. Auch die Konkurrenten sehen das gefährliche Potenzial.

Das Ferrari-Duo muss sich in China an eine Aero-Änderung unmittelbar im Sichtfeld gewöhnen.
Heiligenschein mit Flügelchen
Partner Ferrari arbeitet parallel fleißig an weiteren Innovationen. Der untere Teil des Halo-Stegs trägt nun zwei durchsichtige Flügelchen. Diese Bauweise soll die Sichteinschränkung bei Charles Leclerc und Lewis Hamilton verschmerzbar machen. Die Scuderia selbst wünscht sich davon kleine Abtriebsverbesserungen.
Visualisierungen des Luftflusses auf Fanseiten lassen außerdem die Vermutung zu, dass neben dem Cockpit auch der Heckflügel sauberer umströmt werden könnte. Sowohl das Werks- als auch das Kunden-Update kamen konsequent beim einzigen Training am Freitag zum Einsatz.
Echte Neuerung außerhalb des Italo-Kosmos brachte im Übrigen Audi. Die Endplatten-Geometrie und die Nase erhielten Korrekturen. Während die Platte den Luftfluss verbessern soll, zielt die Nase auf Abtrieb ab. Weil das Sprint-Wochenende die Übungszeit massiv verkürzt, sind sich die Deutschen wohl ebenfalls sicher, dass das Risiko überschaubar ausfällt.












