Der Indianapolis Motor Speedway ist ein wankelmütiges Wesen. Während er sich an einem Tag noch sehr zahm gibt, kann er schon am nächsten die Fahrer stark ins Schwitzen bringen – bei oft demselben Setup. Und manchmal verhält es sich auch umgekehrt. Genau das passierte Mick Schumacher am ersten richtigen Trainingstag des Indy 500.
Der 27-Jährige erzählt: "Der Auftakt im Mai war wirklich nicht gut. Das Auto hat sich schwierig angefühlt und es war superwindig. Als Fahrer will man sich hier natürlich immer wohlfühlen. Dann am nächsten Tag war es bereits viel besser. Wir durchlaufen aktuell einen Prozess." Micks Team, Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL), gibt dem Rookie dabei die nötige Zeit.
Schon beim Vortest Ende April stellte das Team einen maßgeschneiderten Plan für ihn auf. Das Hauptziel war es, dass der Deutsche zunächst problemlos seinen "Indy-Führerschein" besteht. Die Regelhüter lassen Neulinge bestimmte Rundenziele auf dem vier Kilometer langen Oval absolvieren. Nachdem das problemlos geklappt hatte, durfte sich Schumacher weiter herantasten. Unnötiges Risiko wäre Gift für das junge Selbstvertrauen gewesen.

Zusammen mit seinem Fahrercoach Ryan Briscoe und dem in Indy extrem erfahrenen Renningenieur Andy Brown absolvierte Schumacher ein durchdachtes Trainingsprogramm.
Schumacher dreht Setup-Schraube
Das stetige Sammeln von Erfahrung setzte sich dann an diesem Dienstag (12.5.) fort, als die richtigen Indy-500-Trainings begannen. "Wir haben definitiv erst einmal mit kleinen Schritten angefangen, um wirklich in die richtige Stimmung und an den richtigen Punkt mit dem Auto zu kommen. Ich finde, Indy ist noch ein schwieriger Kurs." Die größte Herausforderung sei es, sich an die verändernde Charakteristik des Dallara-Honda zu gewöhnen.
"Über die Zeit nehmen wir Downforce aus dem Auto, was höhere Geschwindigkeiten erzielt. Das verändert das Gefühl. Wir arbeiten unsere Liste Stück für Stück ab und achten auch darauf, das Team parallel ein wenig zu unterstützen, etwa bei Dämpfertests oder Ähnlichem." Der Neuling verkauft sich hierbei etwas unter Wert, wie sein erfahrener Teamkollege Graham Rahal ergänzt.
"Dank eines Wechsels des hinteren Dämpfers in Micks Auto haben wir einen extrem wirkungsvollen Unterschied ausgemacht. Sein Feedback fällt sehr präzise aus." Das hat Schumacher allen voran seiner Formel-1-Zeit zu verdanken, wie er berichtet: "Mir fällt es leichter, Dinge herauszufühlen. Besonders die Arbeit im Mercedes-Simulator ist bis jetzt hierbei hilfreich. Dort bekommt man Veränderungen ohne Vorwarnung vorgesetzt. Das Gefühl hat in der IndyCar einen hohen Stellenwert. Und dann muss man es ja noch dem Team wiedergeben können."

Zur Feier seines Indy-500-Debüts trägt Schumacher einen roten Spezialhelm samt passenden Handschuhen. Das Design zitiert den Kinderfilm-Helden Lightning McQueen und, natürlich, die ikonischen Helme seines Vaters.
Erster Realitätscheck im Verkehr
Wie groß fiel der Unterschied diesbezüglich zu seinen F1-Autos und dem WEC-Renner nun schlussendlich aus? "Grundsätzlich haben alle ein gleiches Gefühl, nämlich das Limit. Wer sich an diesem bewegt, merkt ganz feine Veränderungen. Sie werden durch das Limit größer in der Wahrnehmung." Eine andere Art von Grenzerfahrung stellt der Verkehr in Indy dar. Hier musste Mick ebenfalls wichtige Lektionen lernen.
"Rennsituationen werden auf jeden Fall hart. Es ist herausfordernd, sich darin wohlzufühlen. Denn man kann nur schwer einschätzen, welchen Zustand die Reifen der anderen haben. Ich bin zum Beispiel mit Gebrauchten in eine Situation beim Trainieren geraten, die sich total blöd angefühlt hat. Nachdem ich mir neue in der Boxengasse geholt hatte und zurück ins Pulk gesprungen war, fühlte es sich gleich viel besser an."
Und was macht man als Fahrer, wenn man im Rennen in eine schwierige Situation gerät und keine andere Strategieoption hat? "Man muss vorausdenken und versuchen, einen richtigen Platz zur richtigen Zeit zu finden. Es braucht dann Gegner mit einer ähnlichen Situation." Spätestens hier zahlt sich die vorab hart erkämpfte Erfahrung aus.

Glückliches Händchen: Beim öffentlichen Auslosen der Quali-Startplätze hatte Mick Schumacher nur noch die "Wahl" zwischen den Rängen 15 und 33 – eine spontane Fanumfrage lotste ihn zur richtigen Münze.
Quali-Mutprobe am Wochenende
"Im Großen und Ganzen ist es ganz gut gelaufen", bilanziert Mick Schumacher die Trainingszeit vor der Qualifikation. "Es waren auch schwierige Tage dazwischen, aber der Trend zeigt insgesamt nach oben." Am Wochenende (16./17.5.) wandert der Blick des Rookies endgültig zum Qualifying. Am Samstag möchte er unter die besten 15 kommen, um am Sonntag die K.o.-Runden im Pole-Kampf zu bestreiten. Regenschauer könnten den Ablauf (alle Infos) allerdings durcheinanderwirbeln.
Nachdem der 27-Jährige bereits am sogenannten "Fast Friday" (15.5.) den höheren Quali-Turboboost testen konnte, sagt er vorfreudig: "Das lief heute rund! Wir haben viel zu den 100 Extra-PS gelernt und gute Ansätze für den Samstag gefunden. Hoffentlich kriegen wir das nun alles zusammen." Mick Schumacher beendete den Tag zwar nur auf dem 32. von 33 Rängen, beim traditionellen Auslosen des Quali-Startplatzes zog er aber die 15.
Die deutsche IndyCar-Heimat Sky Sport F1 überträgt, abhängig vom Wetter, beide Tage live und vollständig.
- Samstag, 16. Mai
- 17:00 – 00:00 Uhr LIVE: IndyCar – Qualifying Indy 500 – Tag 1
- Sonntag, 17. Mai
- 22:00 – 01:00 Uhr LIVE: IndyCar – Qualifying Indy 500 – Tag 2





