IndyCar - Aeroscreen - Schutzscheibe - Test - 2020 IndyCar
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Neuer IndyCar-Cockpitschutz

Aeroscreen besser als F1-Halo?

Die IndyCar-Meisterschaft hat als erste Formel-Serie weltweit eine Schutzscheibe zum Schutz der Fahrer vor herumfliegenden Trümmerteilen eingeführt. Laut den Entwicklern ist das Feature sogar besser als der Halo-Bügel in der Formel 1.

Der Corona-Virus hat die Rennsport-Welt aktuell fest im Griff. Nicht nur in Europa steht alles still, auch in den USA dreht sich bis Ende April kein Rad. Genau wie in der Formel 1 musste in der IndyCar-Serie der geplante Saisonauftakt in letzter Minute abgesagt werden. Dabei hatten die Fans dem Start dieser Saison besonders entgegengefiebert.

Grund für die Spannung war der erste Einsatz des neuen "Aeroscreens", der auf die Einheitsrenner aus dem Hause Dallara gesetzt wird. Statt eines Titangestells wie in der Formel 1 haben die Piloten in der US-Serie eine Scheibe vor der Nase.

Einen ersten Vorgeschmack darauf bekamen die Beteiligten beim ersten gemeinsamen Test in Austin Mitte Februar. Obwohl regnerisches Wetter die Fahrzeit limitierte, zogen die Fahrer ein positives Fazit: "Die Erprobung war deutlich weniger dramatisch als erwartet. Bis auf kleinere Reflektionen, die wir noch in den Griff kriegen sollten, gab es gar keine Probleme", erklärte Andretti-Pilot Alexander Rossi zufrieden.

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An den neuen Look müssen sich die Fans wohl erst noch gewöhnen.

Aeroscreen belastbarer als F1-Halo

Der 12,8 Kilogramm schwere Aeroscreen, bestehend aus einem fünfteilig zusammengeschweißten Titanrahmen und einer 9,6 Millimeter dicken Polycarbonat-Scheibe, wird von den österreichischen Rennsportspezialisten von Pankl angefertigt. Bei der Entwicklung haben Ingenieure von Red Bull Advanced Technologies mitgeholfen, einer Tochterfirma des F1-Rennstalls.

Die Schutzvorrichtung hält nicht nur Objekte vom Helm des Piloten fern, sie erhöht auch die Steifigkeit des Chassis um zehn Prozent. Zudem wird der Schutz der Fahrer bei Überschlägen verbessert.

Die Konstruktion soll einem Druck von 17 Tonnen standhalten. Zum Vergleich: Der Halo in der Formel 1 ist nur auf eine Belastung von 12 Tonnen ausgelegt. Ein herumfliegendes Objekt mit einem Gewicht von einem Kilo soll der Aeroscreen selbst bei einer Geschwindigkeit von 350 km/h noch sicher ablenken können.

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Abziehfolien gewährleisten gute Sicht

Innen auf der Scheibe ist eine spezielle Folie aufgetragen, die Reflektionen reduzieren soll. Um das Beschlagen bei kühl-feuchten Bedingungen zu verhindern, wurde sogar eine Heizung eingebaut. Unter der vorderen Kante sind zudem kleine Lüftungsschlitze eingelassen, die bei Hitzerennen für Kühlung sorgen.

Um immer eine klare Sicht zu gewährleisten, sind die Scheiben auf der Oberseite mit bis zu acht Abreißfolien versehen, die bei Boxenstopps Lage für Lage entfernt werden können. Zur Wartung des Cockpits durch die Mechaniker lässt sich der gesamte Aeroscreen in weniger als 15 Minuten montieren oder demontieren.

"Wenn man damit mal einen Tag gefahren ist, fühlt es sich richtig nackt an, wenn man ohne Aeroscreen im Auto sitzt", zeigte sich Penske-Pilot Will Power begeistert. Der Aeroscreen soll übrigens bei allen Rennen zum Einsatz kommen, also sowohl auf normalen Rennstrecken als auch auf Stadtkursen und im Oval.

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IndyCar
Den Ein- und Ausstieg mussten die Piloten erst üben.

Spannung vor ersten Tests unter Rennbedingungen

Erstaunlicherweise ist der aerodynamische Effekt des wuchtigen Bauteils viel geringer als gedacht. "Durch die optische Präsenz glauben die meisten, der Einfluss des Aeroscreens auf die Überströmung sei riesig – dabei ist er fast vernachlässigbar", erklärt Ingenieur Tino Belli, der bei den IndyCars für die Aerodynamik zuständig ist.

Der Grund: Die IndyCar-Renner generieren einen Großteil des Abtriebs über den Unterboden und nicht über die Flügel. Wie sich das zusätzliche Bauteil auf die Stabilität der Autos beim Fahren im Pulk auswirkt, haben die Verantwortlichen bei Testfahrten versucht zu simulieren. Verwertbare Daten wird man aber erst bekommen, wenn die neuen Autos im realen Rennbetrieb unterwegs sind.

Während die Entwickler und die Fahrer mit Lob nicht sparen, fielen die Reaktionen der Fans auf die Bilder von den ersten Testfahrten eher verhalten aus. Wie bei allen neuen Dingen braucht wohl auch der Aeroscreen noch ein wenig Zeit, bis sich die Zuschauer damit angefreundet haben. Der Akzeptanz helfen würde es sicher, wenn die ersten Rennen der neuen Saison ordentlich Action bieten – wann auch immer sie stattfinden können.

Motorsport Motorsport IndyCar - Aeroscreen - Cockpitschutz - Red Bull Cockpitschutz für IndyCar ab 2020 Red Bull entwickelt Aeroscreen

Die Formel 1 fährt mit Halo, die IndyCar-Serie ab 2020 mit dem Aeroscreen.

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