IndyCar: Mick Schumacher spricht über USA-Wechsel und Kindheit

Schumacher gibt Einblicke in Sport und Privates
Diesen Spitznamen bekam Mick vom IndyCar-Team

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.03.2026
Als Favorit speichern
Mick Schumacher - IndyCar-Test - Homestead-Miami - 2026
Foto: IndyCar

Zwischen der Familie Schumacher und den USA bestehen enge Verbindungen. Schon Vater Michael bezeichnete sich selbst als großen Freund des Landes. Weil zu seiner aktiven Zeit die Königsklasse dort noch eine absolute Randerscheinung gewesen ist, konnte er unbehelligt über die Straßen spazieren und auch mal völlig normale Aktivitäten wie ein Dinner mit Frau Corinna genießen.

Selbige schätzt ebenfalls den amerikanischen Spirit in Form des Westernreitens – ein Hobby, das sie an Tochter Gina weitergegeben hat. Beide sammelten zahlreiche Erfolge und machten aus dem Sport zudem ein Geschäft. Die Powerfrauen betreiben eine hochklassige Pferderanch in Gordonville, Texas. Für Mick Schumacher bietet diese jetzt eine Heimat während des sportlichen Auslandstrips.

Darüber und über vieles mehr sprach Mick im neuen Motorsport-Podcast "SPEED" des TV-Senders FOX. Dieser wird von einem alten Bekannten moderiert: Will Buxton, der durch die Netflix-Formel-1-Serie "Drive to Survive" weltbekannt wurde, führt die IndyCar-Berichterstattung des US-Medienkonzerns an. Der Podcast ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der NASCAR-Legende Kevin Harvick. Ihre aktuelle Ausgabe widmete sich jungen Stars – neben Schumacher war die NASCAR-Hoffnung Connor Zilisch zu Gast.

Mick Schumacher - RLL - IndyCar 2026 - Phoenix Raceway
IndyCar

Anfängliche Naivität als Glücksfall?

Dank einer entspannten Atmosphäre fand der sonst eher ruhige Mick Lust am Erzählen. "Der Übergang vom metrischen in das angloamerikanische System bleibt für mich ein Kampf. Aber sonst kann ich nicht meckern. Natürlich war der frühe Ausfall beim Saisonstart in St. Petersburg kein Spaß, aber davon lassen wir uns nicht beirren. Das bewies das gute Oval-Qualifying in Phoenix." Unbeeindruckt von der weiterhin hohen Aufmerksamkeit richtet der Deutsche den Blick auf sich selbst.

"Man ist immer sein größter Kritiker, denn man betreibt den Sport ja für sich. Druck bleibt Teil unseres Geschäfts, das lernen wir Fahrer schon in der Jugend. Die Zusammenarbeit mit dem Team und die grandiosen Fans hier erleichtern den Übergang. Jeder gibt mir ein Lob oder eine Aufmunterung mit auf den Weg." Im Nachhinein zeigte sich der Rookie über seine relaxte Oval-Einführung dankbar. "Man hat mich quasi ins kalte Wasser geworfen und mich einfach machen lassen beim ersten Test." Während der Vorbereitung auf das Phoenix-Rund wurde die Arbeit dann aber zielstrebiger. Insgesamt sieht der 26-Jährige anhaltend Lernbedarf.

"Der vierte Platz im Qualifying war natürlich großartig – aber genauso unerwartet. Vielleicht half mir ein bisschen Naivität, ein bisschen Ahnungslosigkeit, um während dieser Situation zu bestehen. So oder so gab mir das Team das nötige Auto dafür. Im Rennen ist dann vieles anders." Die Moderatoren interessierte ebenso brennend, wie groß denn der Unterschied zu einem Formel-1-Wagen ausfällt. Schumacher kürzte es ab: "Die IndyCar-Renner sind roher, haben keine Servolenkung. Ja, bei Gewicht, Power und Downforce unterliegt die IndyCar. Aber dafür ist der Firestone-Reifen beispielsweise einfacher zu managen."

Mick Schumacher - RLL - IndyCar 2026 - Phoenix Raceway
IndyCar

"Der Leichtfüßige" träumt von Rallycross

Da Schumacher noch das Reifenflüster-Mindset aus der Königsklasse verinnerlicht hat, bekam er einen charmanten Spitznamen verpasst. Wenn immer es um dieses Thema geht, nennt das Team ihn 'Twinkletoes', auf Deutsch: der Leichtfüßige oder Tänzer. "So lernt es ein Fahrer eben in Europa, das bleibt jedoch genauso hier mein Vorteil", freute sich der Quereinsteiger. "Ironisch ist, dass mein Teamkollege Graham Rahal 'Big Foot' genannt wurde, weil er immer so hart in die Pedale trat."

Etwas gröber geht es manchmal auf der Familien-Ranch zu. Schumacher verriet, dass sie eine Offroad-Strecke beherbergt, über die er mit Quad-artigen Gefährten flitzt. Außerdem hat er dort ein kleines Haus, welches ihm nun unter der Saison als Unterkunft dient. Das Areal teilt er sich mit 200+ hochklassigen Zuchtpferden, aber auch Kühen und Hunden. Ob Mick selbst mal Pferdeäpfel einsammeln muss, ist nicht überliefert.

Trotzdem hat er keine Berührungsängste bei Dreck und Schlamm. Auf die Frage, welche Renn-Disziplin ihm noch fehle, antwortete der Neuling schnell: "Dank des Race of Champions fuhr ich bereits ein Rallycross-Auto. Jetzt will ich so eines mal in dem richtigen Rennumfeld bewegen. Mattias Ekström hat mich mit seiner Fahrzeugbeherrschung damals sehr beeindruckt." Natürlich findet Mick auch NASCAR-Renner spannend. Während seiner Haas-Zeit durfte er ein Stockcar des Cup, der höchsten Liga, auf einem Mix aus Oval und Rundkurs testen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Icon youtube

Leben als Michael Schumachers Sohn

Eine sehr persönliche Frage stellte der 2014er-NASCAR-Champion Kevin Harvick. Weil sein Sohn gerade im US-Nachwuchssport aufsteigt, wollte er unbedingt wissen, wie Mick die Herausforderung des riesigen Nachnamens damals angenommen hatte. "Ich liebte seine Tipps!", erinnerte sich der junge Schumacher auf Anhieb. "Meine Familie hat sich aber bemüht, dass ich so geschützt wie möglich aufwachsen konnte. Deswegen trug ich bis zur Formel 4 den mütterlichen Geburtsnamen. Jeder an der Kartstrecke wusste, wer ich bin, aber niemand von außerhalb."

Das ermöglichte Mick eine Kindheit, die viele andere Rennfahrersöhne so nie haben sollten. "Erst als ich 15 Jahre alt war, drangen Bilder von mir an die Öffentlichkeit. Meine Kart-Jugend blieb unbeschwert." Sichtbar dankbar ergänzte er: "Mein Vater hat mir das ermöglicht, hierfür hat er sich sehr viel Mühe gegeben." Mick sah keinen Unterschied zu den anderen Kindern im Fahrerlager.

Die Kameradschaft erlebt Mick Schumacher teilweise nun wieder im IndyCar-Paddock, wo er bislang viel Zuspruch bekam. Nach den harten Lektionen der ersten zwei Rennen hofft der Deutsche, seine neuen Gegner aber schon am kommenden Wochenende zu ärgern. Die US-Formelserie tritt erstmals auf einem Stadtkurs im texanischen Arlington an. Dieser verbindet das Football-Stadion der Dallas Cowboys mit dem Baseball-Gegenstück der Texas Rangers. Da alle dort neu sein werden, könnte Micks aktueller Dauerlernmodus zum riesigen Vorteil mutieren.

Fazit