IndyCar: So will Mick Schumacher seine Rookie-Saison retten

Schumacher vor zweiter IndyCar-Saisonhälfte
Diese Faktoren müssen Micks Rookie-Jahr retten

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.06.2026
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IndyCar 2026 - Detroit - Mick Schumacher - Rahal Letterman Lanigan Racing
Foto: IndyCar/Penske Entertainment

Nach dem katastrophalen Ende des Detroit-Stadtrennens (31. Mai) brachen die Emotionen bei Mick Schumacher heraus. Mit gesenktem Haupt begab sich der Serienneuling in die sorgenvollen Arme seiner Freundin Clara Ramos. Selbst ihr gutes Zureden konnte den Schmerz jedoch nicht lindern. Der Deutsche war zuvor in Richtung eines starken Top-10-Resultats unterwegs – vielleicht sogar seines ersten Podests. Doch dann holte ihn das Pech wieder unnachgiebig auf den Betonboden der Tatsachen zurück.

Genau während der günstigen Safety-Car-Phase, die Mick in strategische Schlagdistanz gebracht hatte, setzte der Funkverkehr aus. Das Team konnte keine Auto-Einstellungen etc. mehr mit seinem Schützling absprechen, wodurch dieser beim Restart als Dritter von allen Seiten attackiert wurde. In diesem Stress verhaute sich Schumacher schließlich und ging geradeaus. Statt gegen Champagner in den Augen musste der 27-Jährige gegen Tränen der Enttäuschung kämpfen. Die brutalen Szenen aus der Motown wirken sinnbildlich für die bisherige IndyCar-Karriere von Schumacher.

Immer wieder gab es Momente, die Hoffnung machten, darunter der herausragende vierte Quali-Platz für das allererste Ovalrennen oder der Preis des "Rookie of the Year" beim Indy 500. Am Ende verhagelte dennoch immer irgendetwas die Party. Und beim Debüt gar der Anfang. Während der Auftaktrunde des Saisonstarts in St. Petersburg (Florida) wurde Schumacher in einen unnötigen Startunfall hineingezogen. Sein RLL-Honda stieg hierbei unverschuldet auf, wodurch der Neuling sich eine kleine Handfraktur zuzog. Sie gefährdete zwar nie Einsätze, aber über die Renndauern hinweg erschwert die Reibung häufig das Wohlbefinden. Nach der Saison könnte eine OP nötig werden.

IndyCar - Indy 500 2025 - Mick Schumacher - Rahal Letterman Lanigan
IndyCar

Zwischen Geldlücke und Fanliebling

Grundsätzlich war allen klar, dass Jahr eins kein Triumphzug werden wird. Schon früh nahmen der Teameigentümer Bobby Rahal und sein fahrender Sohn/Mick-Mentor Graham Rahal Druck vom deutsch-amerikanischen Kessel. Dass es nach neun von achtzehn Rennen aber den 25. und letzten Platz unter den Vollzeitpiloten zu beklagen gilt, wird keiner schulterzuckend hinnehmen. Denn für ein Stück des Prämienkuchens der Serie braucht es mindestens den 22. Endrang. Hypernervös muss man diesbezüglich noch lange nicht werden: Mit einem guten Rennen ist der Sprung locker geschafft.

Wohl auch kommerziell hat sich Rahal Letterman Lanigan Racing etwas mehr erhofft. Bislang gab es immerhin vier große Partner-Lackierungen: die der Fahrrad-Manufaktur ENVE, des Getränkeherstellers Liquid Death, des Schrauben-Weltkonzerns Würth und der Autohändlergruppe Bommarito. Kleinere Partner hielten sich dafür eher in Grenzen. Hier haben die großen Teams einen deutlichen Vorsprung. Heißt in der Konsequenz: Auch dort herrscht bislang eine Lücke zwischen Wunsch und Realität.

Einzig die öffentliche Wahrnehmung präsentierte sich durchweg positiv. Überall konnte Mick Schumacher die riesige Unterstützung der Fans genießen. Speziell beim Saisonhöhepunkt in Indianapolis lag sein Applaus bereits auf dem Niveau der Serieneliten. Als Themensong ordnete der Strecken-DJ ihm den Achtziger-Klassiker "(Hey) Mickey" zu, was ebenfalls gute Laune bereitete. Ob das Lied ebenfalls im nächsten Jahr über die Tribünen schallt, bleibt vorerst unklar. Der Deutsche soll selbst über seine Zukunft im Team und der Meisterschaft entscheiden können.

Schicksalsort Road America

Die zweite Saisonhälfte eröffnet ein Kurs, der bei Mick Schumacher ganz oben auf der Liste stand. Am kommenden Wochenende (19.–21.6.) gastiert die IndyCar in Elkhart Lake. Nahe der Wisconsin-Kleinstadt liegt die Naturstrecke Road America, die das Rustikale von US-Bahnen mit dem Dynamischen europäischer Rundstrecken vereint. Schumacher schwärmte nach einem Test: "Er lief recht rund und wir wissen vor dem Auftakttraining schon, wo wir stehen. Direkt in die Weiterentwicklung zu starten, ist ein echter Vorteil."

"Die Strecke wurde wunderschön in die Landschaft eingepasst, behielt ihren Oldschool-Charakter und hat blinde Passagen. Hoffentlich kann ich meine Stärken dort ausspielen. Ich weiß, wie man auf solchen Bahnen die Reifen schont." Hierin liegt die bislang positivste Erkenntnis des stotternden Amerika-Abenteuers: Die europäische Ausbildung lässt Mick nicht nur gut mit den Firestone-Reifen umgehen, sondern auch direkt ein guter Spritsparer sein. Wie der Dauer-Champion Álex Palou (Ganassi) beweist, sind beide Tugenden extrem wichtig.

"Es ist ein seltsamer Gedanke, dass wir bisher erst zwei richtige Rundkurse gefahren sind. Ich hatte Barber vorher noch nie gesehen und Road America auch nicht, aber durch den Test sind die Voraussetzungen diesmal anders, und ich denke, ich werde für das Rennen von Anfang an eine wirklich gute Ausgangsposition haben – hoffentlich auf Augenhöhe mit allen anderen."

IndyCar 2025 - Road America - Álex Palou - Chip Ganassi Racing
IndyCar/Penske Entertainment

Überraschung auf den Ovalen

Neben dem sportlichen Druck gibt es dort auch einen kleinen persönlichen. Wie das US-Magazin "Racer" berichtet, will Schumachers Renningenieur Eddie Jones im Anschluss entscheiden, ob er weitermacht. Er ist Micks dritter Toptechniker bisher, alle Partnerschaften zuvor waren unter den Erwartungen geblieben. Dank Jones, der für den Deutschen die Rente unterbrach, gab es einen sichtbaren Aufschwung. Das Urgestein bringt die Art von Souveränität und Ruhe, die Schumacher schon bei seinen vorherigen Karrierestationen schätzte.

Neben Road America stehen mit Mid-Ohio, Portland und Laguna Seca drei weitere klassische Rundstrecken im Plan der zweiten Hälfte. Dazu kommen zwei völlig neue Stadtkurse im Toronto-Vorort Markham und in Washington. Ein Lauf auf dem 1,33 Meilen großen Nashville Superspeedway und das Doppel auf der legendären "Milwaukee Mile" runden die Vielfalt des Restprogramms ab. Dass ausgerechnet die Ovale bislang Micks beste Disziplin waren, gilt als weiterer Mutmacher.

Nach dem 16. von 25 Plätzen beim letzten Linkskurven-Lauf in St. Louis (7.6.) – Schumacher war bester RLL-Fahrer – hielt er fest: "Ich denke, wir haben da draußen wirklich gezeigt, was in uns steckt – sogar trotz einiger Probleme, die wir hatten, wie zum Beispiel beim Sprit. Ich glaube, da waren viele Dinge, die gegen uns gearbeitet haben, aber wir haben das auf der Strecke wettgemacht. Es war großartig, gegen die großen Jungs zu fahren und trotzdem mit ihnen mithalten zu können – wenn nicht sogar schneller zu sein."

Fazit