Im Dauerduell gegen die IndyCar-Erzrivalen von Chevrolet hatte Honda zuletzt deutlich die Oberhand. Dank des Dominators Álex Palou (Ganassi) feierten die US-Japaner vier Meisterschaften in den letzten fünf Jahren. Der Indy-500-Triumph des Spaniers 2025 stoppte außerdem den Run von Chevy-Star Josef Newgarden (Penske) beim Saisonhighlight. Für David Salters – Chef von Hondas amerikanischer Sportabteilung – wäre die Welt schon so rosig wie Kirschblüten.
Doch als er vom Werben des RLL-Teams um Mick Schumacher erfuhr, stieg noch einmal die Begeisterung. Der aus Großbritannien stammende Ingenieur hat nämlich eine ganz persönliche Beziehung zu dem berühmtesten deutschen Rennnamen. Nach ersten Stationen bei englischen Antriebsspezialisten wechselte er 2006 zu Ferrari. Dort leitete er neun Jahre lang die Motorenentwicklung. "Als ich anfing, war da noch dieser Fahrer namens Michael Schumacher, den kennt man sicher", scherzt Salters verschmitzt.
Ergänzend zum britischen Humor wird er sentimental. "Es ist für mich selbst ein schöner Gedanke, dass es nun so mit Mick kam." Dessen Talent und Handwerk erkannte seine Truppe direkt, als sich der junge Schumacher im Simulator auf den allerersten Test vorbereitete: Die Erfahrung aus der Mercedes-F1-Zeit war sofort spürbar. "In der Folge macht sein Feedback auch uns besser."
Volle, aber faire Unterstützung
Die Erzählung, dass Honda den Simulator trotz Renovierungsarbeiten extra für Mick scharfgestellt hat, wischt David Salters schnell zur Seite. Denn weil die IndyCar-Serie auf einem Kundensport-Modell beruht, hat Fairness höchste Priorität. Aber ihm ist wichtig zu unterstreichen, dass man alle verfügbare Hilfe leistet. "Die ganze IndyCar-Szene kann sich für die Verpflichtung nur gratulieren. Wir bei Honda freuen uns sehr, so einen Weltklassefahrer in unseren Reihen zu haben."
Gleichzeitig glaubt David Salters, der 2015 auf die andere Atlantikseite gewechselt ist, dass Mick ebenso happy über die eigene Entscheidung sein wird. "Jeder Pilot liebt neue Herausforderungen, und hier bekommt er ganz besondere durch das harte Racing und die Ovale. Mick wird sein Handwerk zügig erlernen und Zeichen setzen."
Obwohl die Honda Racing Corporation (HRC) nicht explizit das Feedback des Deutschen zum Motor einholt, bekommt sie tiefe Einblicke. Jedes der 13 Kundenautos hat einen designierten Ingenieur, obendrauf gibt es einen Honda-Verantwortlichen für das gesamte RLL-Team. Zwischen den Rennen liefert ein zentral gestellter Simulator den Fahrern slotweise Erkenntnisse.

Seit der Saison 2012 kommen 2,2-Liter-Biturbo-V6 zum Einsatz. Chevrolet und Honda schweigen zur Power, aber je nach Strecke liegt das Fenster bei 550 bis 750 PS.
So funktioniert der IndyCar-Motor
An dieser Zusammenarbeit fand Mick Schumacher ebenfalls Gefallen. "Es gibt noch viel, was wir verbessern können. Das umfasst Strategien und das Ansprechverhalten. Wir sind dran!" Obwohl die grundsätzliche Architektur des Aggregats aus der Saison 2012 stammt, wird sie unter Hochdruck weiterentwickelt. Jedes Jahr finden Chevrolet und Honda kleine Schritte bei ihren 2,2-Liter-Biturbo-V6. Was nach Marketingsprech klingen mag, wird durch regelmäßig verschobene Kräfteverhältnisse, besonders beim Saisonhighlight in Indy, untermauert.
Seit Mitte 2024 sorgt zusätzlich ein Superkondensator-Hybrid für Extra-Power. Ähnlich wie der von Rund- und Stadtkursen bekannte Turbo-Boost "Push to Pass" hilft das standardisierte System beim Herausbeschleunigen und Überrumpeln der Gegner. Vor allem wenn alle Werkzeuge zur Verfügung stehen, haben Mick und Co. ordentlich zu tun.
Ein komplett neuer Motor wurde für die Saison 2028 angekündigt. Nach zahlreichen Verzögerungen sowie internen Streits haben sich die IndyCar und die Hersteller auf eine 2,4-Liter-Nachfolgeformel festgelegt. Laut David Salters braucht es allerdings noch ordentlich Detailabstimmung. Wenn diese mal durch ist, wüsste er sicher einen Piloten für die Testfahrten.












