Bereits der Vorlauf des Großen Preises von China verlief kontrovers. Eine Aussage über die "nicht wie erwartete" Datenkommunikation des Motorenpartners Mercedes sorgte für Ärger im McLaren-Camp. Während das Werk einen Doppelsieg in Australien feierte, musste das vorher meisterliche Kundenteam hart um die Rolle als dritte Kraft kämpfen.
Teamchef Andrea Stella grummelte: "Wenn man sich anschaut, was die Mercedes-Antriebe dort leisten konnten, gibt es bei uns viel zu tun. Es wird keine offensichtliche Lösung geben. Wir müssen die Zusammenarbeit mit dem Hersteller unbedingt ausbauen, denn ihr Erfolg sollte auch auf uns übertragbar sein."
Dann kam der entscheidende Satz: "Womöglich war der Fluss von Informationen nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten." Stella betonte allerdings, dass es keine öffentliche Schelte ist, sondern sehr wohl intern besprochen wird. "Die Diskussionen dazu laufen seit Wochen. Schon beim Testen fühlten wir uns im Rückstand bei der Vorbereitung."

Kurzer Besuch: Nachdem es Oscar Piastri immerhin auf das Grid geschafft hatte, musste der MCL40 kurze Zeit später händisch in die Box zurück.
Falsch verstandener Hilferuf
Im Anschluss an die wenig überraschende Verwunderung ruderte Stella zurück. Er schwor, sich nicht zu beschweren. In einer Medienrunde ergänzte der McLaren-Chef: "Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit. Es ist verständlich, dass sie mehr direkte Informationen haben." Die Botschaft blieb dennoch bestehen. Nur zusammen kommt man aus der Misere heraus.
Als es dann endlich auf die Strecke ging, konnte Papaya zunächst überzeugen. Im Sprint-Qualifying mischte McLaren die Ferrari auf, im Mini-Rennen selbst konnte man anfangs auch mithalten. Bevor die Roten doch konsequent wegzogen. Das klassische Qualifying bestätigte erneut die Rolle als dritte Kraft – Ferrari blieb immerhin greifbar.
"Noch scheint Ferrari eine bessere Renn-Pace zu haben, aber wir schließen schrittweise die Lücke. Um richtig heranzukommen, wird es allerdings weitere Entwicklungssprünge brauchen", bilanzierte Stella vorzeitig. "Der Renntag wird uns weiter helfen, um unseren aktuellen Stand zu sehen." Das bevorstehende Chaos war da noch nicht zu erahnen.

Keine GP-Runde 2026: Der Australier Piastri schaut zwar standardmäßig unbeeindruckt, nach zwei verpassten Starts hat er jedoch einen guten Grund.
Bizarre Doppelung zerlegt McLaren
Geht es rein nach dem Sonntag, steht es ziemlich schlecht um die Verteidigung der Doppel-Weltmeisterschaft. Beide McLaren verpassten dramatisch den Start zum Shanghai-Rennen. Während Oscar Piastri immerhin den Weg auf das Grid fand – nach Melbourne keine Selbstverständlichkeit –, blieb Lando Norris bereits in seiner Box stecken. Am Ende standen beide Autos ohne Fahrer nebeneinander in der Garage, als das Feld die Startlichter sah. Beide gaben denselben Grund an: Die Elektronik der Antriebseinheit streikte. McLaren passierte ein doppelter Startverzicht zuletzt vor über 20 Jahren. 2005 stoppte der USA-Reifenskandal die Briten.
Weltmeister Norris erlebte durch den vorzeitigen Ausfall ein Novum: "Das hatte ich auch noch nicht in meinen acht Formel-1-Jahren. Ungefähr eine Stunde, bevor es auf die Strecke hätte gehen sollen, kam die schlechte Nachricht." Angesichts des vierten Rangs des Sprints reiste er immerhin mit insgesamt 15 Zählern und WM-Position sechs ab.
Bizarr ist die Situation von Piastri. Der Australier absolvierte bisher keine einzige GP-Runde, sieht sich durch drei Sprint-Zähler nur auf WM-Platz zwölf. "Es ist schon etwas länger her, dass ich mir zwei Formel-1-Rennen von außen anschauen konnte", flüchtete sich der stoische Youngster in Galgenhumor. McLaren behielt denkbar knapp die dritte WM-Position. Mercedes und Ferrari sind schon weit enteilt.
Nach einer turbulenten Woche hatte Teamchef Stella die letzten Worte: "Das ist sehr frustrierend für uns alle und tut uns leid. Diese Probleme müssen wir verstehen, um in Japan anzugreifen. Als wir Landos Auto vorbereitet haben, fanden wir den Elektrik-Ärger. Es gab keine schnelle Lösung. Im Grid sahen wir auch bei Oscar ein Elektrik-Problem auf Seiten der Power Unit, das sich aber etwas von dem bei Lando unterschieden hat. Das parallele Auftreten ist wirklich ein ungewöhnlicher Zufall. Die fehlerhaften Teile schicken wir jetzt an Mercedes. Wir sollten als gesamtes Team daraus lernen." Die längere Pause nach der kriegsbedingten Absage der Tour durch den Mittleren Osten kommt demnächst wohl gerade recht.












