Formel 1: Trotz des Australien-Doppelsieges wirft Mercedes noch Fragen auf

Mercedes gewinnt in Melbourne den Auftakt
Doppelsieg mit Fragezeichen

GP Australien 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.03.2026
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George Russell - Andrea Kimi Antonelli - Mercedes - GP Australien 2026
Foto: xpb

Die Angst im Fahrerlager war schon vor dem ersten Rennen in Melbourne (8.3.) groß. Alle Experten vermuteten, dass Mercedes während der Testfahrten massiv gepokert hatte, um die Konkurrenz und die Medien nicht aufzuschrecken. Das Versteckspiel endete dann spätestens im Qualifying, als die Silberpfeile locker und leicht die erste Startreihe belegten. Andrea Kimi Antonelli verlor zwar drei Zehntel auf Team-Kapitän George Russell, war aber immer noch eine halbe Sekunde schneller als der drittplatztierte Isack Hadjar.

Ein kollektives Stöhnen war im Paddock zu vernehmen. Viele erinnerten sich an die erste Phase der Power-Unit-Ära ab 2014 zurück, als Mercedes turmhoch überlegen war und die Formel 1 mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg fast kaputtsiegte. Es dauerte bis 2021, ehe Max Verstappen die Mercedes-Regentschaft beendete.

Noch einmal wollen das weder die Gegner noch die Formel 1 selbst erleben. Zu wichtig ist den Machern ein spannender Sport an der Spitze, der Entertainment verspricht und die Fans bei Laune hält. Ein auf und davon fahrendes Mercedes-Doppel, bestehend aus Russell und Antonelli, wäre da Gift.

Ferrari ärgert Silberpfeile

Umso erfreulicher aus Sicht der Verantwortlichen war der Start in die neue Ära der Formel 1, deren Reglement schon vor dem ersten Rennwochenende für viel Kritik sorgte. Denn dieses Reglement war dafür zuständig, dass sich die Reihenfolge am Start völlig veränderte. Charles Leclerc und Lewis Hamilton profitierten vom bewusst kleiner dimensionierten Ferrari-Turbo. Der ließ die beiden Roten am Start von den Plätzen vier und sieben auf die Ränge eins und drei stürmen. Antonelli hingegen fiel bis auf P7 zurück.

Wer an ein kurzes Strohfeuer geglaubt hatte, wurde eines Besseren belehrt. Leclerc wehrte sich nach allen Kräften gegen Russell. Immer wieder konterte der Monegasse den Top-Favoriten während der ersten acht Runden. Das unterschiedliche Einsetzen der Energie führte zu wildem Racing.

"Es war am Anfang ein höllischer Kampf. Wir wussten, es würde herausfordernd werden", sagte George Russell. Der Rennsieger führte weiter aus: "Wir hatten diesen Verdacht, dass es so ein Jo-Jo-Effekt werden würde, und sobald einer von uns vorn war, fühlte es sich einfach unmöglich an, das zu halten."

Andrea Kimi Antonelli - Mercedes - GP Australien 2026
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Strategie befreit Mercedes

So klebte der Engländer bis Runde 12 im Getriebe des Ferrari. Dann holte ihn der Kommandostand rein. Wegen des ausgerollten Isack Hadjar verhängte die Rennleitung eine VSC-Phase, die Mercedes nutzte, um beide Autos an die Box zu holen.

Das war der Schlüssel. Ferrari blieb draußen, weil man bei der Scuderia glaubte, dass Mercedes so nicht mit einem Stopp hätte durchfahren können. "Wir waren uns nicht sicher, ob der zweite Reifensatz 46 Runden lang hält. Dann haben wir den ersten untersucht und gesehen, dass es klappen könnte", erklärte Chefstrategin Rosie Wait.

Der nun sechsmalige Sieger wusste, wem er zu danken hatte. "Das Strategie-Team hat eine großartige Entscheidung getroffen, und ich bin sehr glücklich, dass wir den Sieg und den Doppelsieg holen konnten." Schließlich spülte das Antonelli noch auf Rang zwei.

Kommt Ferrari noch ran?

Der Italiener hatte in Melbourne mächtig Dusel. Der Crash in FP3 (7.3.) hätte ihm ohne die Unterbrechung in Q1 einen Start am Ende des Feldes beschert. So schaffte er noch Startplatz zwei und komplettierte den ersten Mercedes-Doppelsieg seit Las Vegas 2024: "Insgesamt war es ein gutes Rennen. Die Pace war sehr stark, besonders am Ende", bilanzierte Antonelli.

Stärker als die von Ferrari. "Unter dem Strich waren wir langsamer als die Mercedes. Nur nicht mehr so dramatisch wie in der Qualifikation", äußerte sich Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur zum Rennen. Kreise um die Scuderia sind die Silberpfeile nicht gefahren. Leclerc fehlten 15,5 Sekunden auf Russell. Je nach Strecke könnte Ferrari aus eigener Kraft in der Lage sein, die Mercedes zu schlagen.

Teamchef Toto Wolff stellte die Mannschaft auf viel Arbeit ein. "Wir wissen, dass unsere Konkurrenten Jagd auf uns machen werden, aber genau so wollten wir ins Jahr starten. Hoffentlich können wir um den Titel kämpfen." Dazu sollte Mercedes in der Lage sein, aber nicht so dominant, wie gemeinhin befürchtet.

Fazit