Mercedes und Ferrari in der Favoritenrolle: Wer hat die Nase in Melbourne vorn?

Mercedes und Ferrari in der Favoritenrolle
Wer hat die Nase in Melbourne vorn?

GP Australien 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.03.2026
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In Melbourne beginnt für die Formel 1 eine neue Zeitrechnung. Doch wer schon vor dem ersten Training (6.3.) eine komplette Einordnung zum Kräfteverhältnis erwartet, muss sich gedulden. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten vor dem Saisonstart. Kampfansagen der Fahrer waren in Australien deshalb nicht zu hören. Die Message ist klar. Nicht überdrehen, nicht zu früh jubeln, nicht zu früh urteilen.

Einem Team wird aber die Favoritenrolle vor dem Auftakt zugeschoben. Mercedes geht als WM-Kandidat Nummer 1 in die neue Spielzeit. Die Testfahrten in Barcelona und Bahrain unterstrichen das. Lediglich die Zuverlässigkeitsprobleme bereiten den Silberpfeilen noch Sorgen.

Team-Kapitän George Russell weiß, dass 2026 die Chance seines Lebens sein könnte. Sowohl bei den Journalisten als auch bei den Experten innerhalb des Fahrerlagers fällt sein Name häufig, wenn es darum geht, den kommenden Weltmeister zu tippen.

"Ich werde es genauso angehen wie jede andere Saison, nämlich das absolute Maximum aus dem Paket herauszuholen", verkündet George Russell während des Medientags im Albert Park. Der Engländer bestreitet seine fünfte Saison bei den F1-Dominatoren der 2010er-Jahre.

Entwicklungsrennen wird entscheidend

In ähnliche Sphären will das Werksteam nun wieder stoßen. Mercedes tritt mit spürbar mehr Selbstvertrauen an als in den vergangenen Jahren. "Wir haben für den Moment ein starkes Auto gebaut", ist dem 28-Jährigen bewusst. Gleichzeitig erinnert er daran, wie schnell eine Saison unter einem neuen Reglement kippen kann.

"Als das letzte Reglement 2022 eingeführt wurde, hat Ferrari die ersten drei, vier Rennen dominiert. Am Ende mussten sie sich früh vom Titel verabschieden. Selbst wenn wir die Saison sehr gut starten würden, zählt das nicht wirklich viel", betont Russell. Die Botschaft ist eindeutig. Melbourne ist ein Indikator, aber kein Urteil.

Für ihn ist das Jahr vor allem ein Entwicklungsrennen, in dem Konstanz und Lernkurve mehr zählen als ein einzelner Auftakt. Es ist zu erwarten, dass die Autos sich von den Testfahrten Anfang des Jahres bis zum Ende der Saison um bis zu zwei Sekunden pro Runde verbessert haben könnten.

Lewis Hamilton - Ferrari - GP Australien 2026
xpb

Hamilton will den achten Titel

Russells ehemaliger Teamkollege Lewis Hamilton schlägt in die gleiche Kerbe. Der 41-Jährige musste in seiner ersten Ferrari-Saison viele Tiefschläge verkraften. Für 2026 greift er nochmal an. Hamilton wirkt in Melbourne locker und gelöst. Die schweren Tage aus dem vergangenen Herbst scheinen vergessen und wie weggeflogen.

"Wir lassen das Schlechte zurück und gehen mit dem Guten voran", verspricht der Rekordsieger. "Wir sind scharf, vorbereitet, und wir wissen, was wir zu tun haben", sieht er Ferrari im Aufwind. "Mercedes sah besonders schnell aus, und ich bin nicht wirklich sicher, ob wir bei Red Bull schon alles gesehen haben", warnt er davor, aus Testeindrücken zu viel abzuleiten. Der erste Grand Prix dürfte damit auch ein Realitätscheck werden, wie viel Sandbagging wirklich im Spiel war.

Charles Leclerc - Bahrain-Test - 2026
Joseph Portlock via Getty Images

Leclerc ist noch vorsichtig

Hamiltons Teamkollege Charles Leclerc tritt ebenfalls auf die Euphoriebremse. "Das Gefühl ist ziemlich neutral, wenn ich in diese Saison gehe." Dennoch habe Ferrari bei den Tests besser abgeliefert als 2025.

"Alles, was wir am Auto gemacht haben, ist besser als letztes Jahr. Wir haben unsere Schlussfolgerungen gezogen", erklärt Leclerc. "Wo das Potenzial liegt, ist im Moment schwer zu wissen." Erst nach dem Qualifying und dem Rennen will Leclerc bewerten, wo das Team wirklich steht. Der Monegasse rechnet wie Russell mit schnellen Verschiebungen in den ersten Wochen.

"Die Dinge ändern sich so schnell", betont Leclerc. "Ein Jahr wie dieses wird nicht mit der Performance gewonnen, die wir im ersten Rennen sehen." Für ihn wird das Jahr weniger durch den Saisonstart entschieden, sondern durch die Update-Schlacht.

Andrea Kimi Antonelli - Mercedes - GP Australien 2026
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Neue Überholchancen

Ein weiterer Titelkandidat ist Andrea Kimi Antonelli. Die Formkurve des 19-Jährigen zeigte gegen Ende des vergangenen Jahres steil nach oben. Um sich zum jüngsten Champion aller Zeiten zu küren, müsste er aber erst einmal seinen Teamkollegen Russell schlagen.

Helfen könnten ihm dabei die neuen Regeln, die einen anderen Ansatz erfordern, was das Fahren angeht. Selbst erfahrene Piloten fangen bei Null an. "Energiemanagement wird ein Schlüsselaspekt in den Rennen dieses Jahr sein", weiß der Mercedes-Mann. "Du kannst tatsächlich an Stellen überholen, wo es vorher nicht ging", prophezeiht der Italiener.

Sein Mercedes-Vorgänger Hamilton macht aus diesem Thema den bedeutendsten Knackpunkt überhaupt. "Das Einsetzen der elektrischen Leistung ist der größte Teil", weiß der Routinier. Vor allem im Qualifying. "Du kannst eine gute Runde fahren, aber du könntest eine Sekunde langsamer sein, weil der Einsatz der Leistung nicht stimmt."

Hat Red Bull gepokert?

Die Mercedes-Chauffeure wurden sich auch nach ihren persönlichen WM-Favoriten gefragt. "Ich würde sagen Max (Verstappen) und Charles (Leclerc)", antwortet Russell. Ein Duell mit Erzrivale Verstappen hätte einen besonderen Reiz. Die beiden sind sich auf und neben der Strecke des Öfteren in die Quere gekommen. Unvergessen bleibt bei F1-Fans der Saisonabschluss 2024. Damals flogen so richtig die Fetzen.

"Red Bull sah im zweiten Test ehrlich gesagt verdächtig langsam aus", traut Russell der Vorstellung vom Verstappen-Team während der zweiten Testwoche in Bahrain nicht. Für ihn ist klar, dass Red Bull besser auftreten wird, als es die Daten von außen vermuten lassen. "Ich erwarte, dass sie sehr stark sein werden."

Stallgefährte Antonelli stimmt Russell zu. "Max wird mit dabei sein. Ferrari sah sehr stark aus." Und er nimmt noch einen Mann mit in die Verlosung: "Ich würde Lewis auch nicht abschreiben."

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