Mick Schumacher - Formel 1 - 2022 xpb
Mick Schumacher - Jordan 191 - Silverstone - Juli 2021
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Mick Schumacher - Jordan 191 - Silverstone - Juli 2021 11 Bilder
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Mick Schumacher im Interview: "Kein Klick-Moment"

Mick Schumacher im Interview „Ich hoffe auf mehr Zweikämpfe“

Mick Schumacher blickt zufrieden auf seine erste Formel 1-Saison zurück. Der Haas-Pilot spricht mit uns im Interview über das gewachsene Vertrauen in sein Auto, den besonderen Reiz der Formel 1 und seine Hoffnungen für 2022.

Wo auf Ihrer persönlichen Zufriedenheitsskala stehen Sie nach Ihrer ersten Formel 1-Saison?

Schumacher: Ich glaube schon, dass wir da recht hoch stehen, weil wir mit dem Paket, das wir haben, ganz gute Leistungen gezeigt haben. Das motiviert uns für die Zukunft.

Teamchef Guenther Steiner hat von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Mit dem Auto war nichts zu gewinnen. War es dann so wie Sie es sich erwartet haben?

Schumacher: Wir wussten, dass es keine Weiterentwicklung am Auto geben würde. Wir sind praktisch mit dem Vorjahresauto gefahren, das an die diesjährigen Regeln angepasst wurde, aber damit nicht ganz so harmoniert hat, wie wir uns das gewünscht haben. Und trotzdem gab es dann Momente, in denen es richtig gut lief, wie zum Beispiel in der Türkei.

Warum war der GP Türkei ein Highlight? Wie messen Sie den Begriff Highlight für sich selbst?

Schumacher: Weil wir das Gefühl hatten, das Letzte aus dem Auto herausgeholt zu haben. Vielleicht haben es die anderen auch nicht so gut hingekriegt in den gemischten Bedingungen halb nass, halb trocken. Wir haben dort das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht.

Die Leistungen wurden zuletzt auch besser, weil Sie Ihr Auto besser verstehen. Warum dauert es ein Dreivierteljahr, um sein Auto zu verstehen?

Schumacher: Man könnte 100 Rennen fahren und würde beim 101. Rennen etwas am Auto finden, das man noch besser machen könnte. Jede Strecke, jede Trainingssitzung ist anders, die Bedingungen wechseln ständig. Jedes Mal musst du das Auto dafür anpassen. Gegen Ende der Saison haben wir das Auto so gut verstanden, dass wir relativ schnell wussten, was wir tun mussten, damit sich das Auto gut anfühlt. Deshalb konnten wir dann auch eine Qualifikation wie die in der Türkei abliefern.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Frankreich - Le Castellet - 19. Juni 2021
xpb
Das erste Formel-1-Jahr von Mick Schumacher blieb nicht ohne Rückschläge.

Gab es einen Moment, wo es Klick gemacht hat?

Schumacher: Den Klick-Moment wie seinerzeit in der Formel 3 gab es nicht. Ich habe mich Stück für Stück eingelebt in dieses Auto, so dass ich mich immer wohler gefühlt habe, dass wir im Team das Beste aus dem Auto herausgeholt haben und ich mich mit meiner Mannschaft ohne Worte verstehe. Auf dieser Basis des Vertrauens haben wir die Möglichkeiten des Autos immer öfter voll ausgeschöpft.

Hat die Formel 1 Ihre Erwartungen erfüllt?

Schumacher: Ich hatte mir schon vorgestellt, dass im Fahrerlager mehr Rummel ist. Die Covid-Situation hat das sicher etwas entschärft. Auf der Ebene fühle ich mich wohler als erwartet. Ich fühle mich mit offenen Armen angenommen.

Gibt es Dinge, die Sie überschätzt oder unterschätzt haben?

Schumacher: Nichts, was mir direkt in den Sinn kommt. Das Auto ist natürlich ein gutes Stück schneller als alles, was ich vorher gefahren war. Die Reifen kennenlernen war auch ein großer Punkt, weil sie doch sehr anders sind als in der Formel 2. Und natürlich zu lernen, wie man in so einem großen Team zusammenarbeitet.

Warum haben Sie sich in der Formel 1 schneller zurechtgefunden als in den Nachwuchsklassen?

Schumacher: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es an der Herangehensweise. In die Juniorformeln steigst du mit dem klaren Ziel ein, dass du in die nächste Klasse weiterkommen willst. In der Formel 2 hast du immer den Gedanken im Hinterkopf: Hoffentlich schaffe ich es in die Formel 1. Wenn du dann oben angekommen bist, kannst du die Schultern mal runterlassen. Man kann sich nur auf die Arbeit konzentrieren, die zu tun ist. Deshalb habe ich mich hier von Anfang an wohl gefühlt.

Mick Schumacher - Jock Clear - Formel 1 - 2022
xpb
Bei Ferrari-Mentor Jock Clear holte sich Mick Schumacher regelmäßig einen Ratschlag ab.

Stimmt es, dass Ihnen das Formel 2-Auto von allen Kategorien am wenigsten gefallen hat?

Schumacher: Ja irgendwie schon. Die Formel 2 hat ein Riesen-Turboloch. Das ist nicht so angenehm zu fahren. Da musste man seinen Fahrstil extrem anpassen. Klar aber ist auch, dass der Fahrspaß immer da ist, solange man gewinnt. In der Formel 1 machen die kleinen Dinge Spaß, weil das Auto so komplex ist.

Wie viel kann man in der Formel 1 durch harte Arbeit im Vergleich zu einer Nachwuchsserie wettmachen?

Schumacher: Arbeit ist ein großer Teil in der Formel 1. Mit einer guten Kombination aus Talent und Arbeit kann man hier weit kommen. Deshalb habe ich mir das auch früh angeeignet. Für mich ist die Arbeit mit dem Auto kein Muss. Sie macht mir Spaß. Ich versuche immer so viele Informationen wie möglich zu bekommen und so viel zu verstehen wie möglich.

Jock Clear als Chef der Ferrari-Fahrer-Akademie ist eine Art Mentor für Sie. Geht es ohne heute nicht mehr für einen Rookie in der Formel 1?

Schumacher: Warum soll ich als Einzelkämpfer da durch? Wenn es Hilfestellung gibt oder Personen, die dir helfen können, dann macht es Sinn diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Jock ist mit seiner Erfahrung eine Person, auf die ich zurückgreife, wo immer es geht. Da hole ich mir gerne eine zweite Meinung ein, wie ich manche Dinge angehen soll.

Welche Lektion war am schwierigsten zu lernen?

Schumacher: Wahrscheinlich die ganzen Startphasen. Da ist das Auto extrem anfällig. Im Pulk verlierst du zum Beispiel in Monte Carlo fast 100 Prozent Abtrieb. Das kann man sich als Neuling gar nicht vorstellen. Dass du im Training noch mit Vollgas durch die Kurve fährst, und im Startgetümmel fährt das Auto plötzlich geradeaus. Man muss es erlebt haben und aus diesen Situationen lernen. Zum Beispiel wie man sich beim nächsten Mal im Zweikampf verhält.

Mick Schumacher - Sebastien Vettel - Formel 1 - 2022
Motorsport Images
Mit Sebastian Vettel hatte Schumacher einen erfahrenen Freund im Fahrerlager.

Verlassen Sie sich bei der Setup-Arbeit am Auto auf Ihr Gedächtnis oder gibt es da ein Schulbuch?

Schumacher: Ich schreibe das nach jedem Wochenende auf, damit ich in Zukunft eine Basis habe, auch die ich mich beziehen kann. Dann weiß man gleich, was im Vorjahr funktioniert hat und was nicht.

Verfolgt Sie die Formel 1 bis in die Freizeit?

Schumacher: Ich beschäftige mich gerne mit der Formel 1. Ich denke auch zuhause drüber nach, was gut lief, was nicht so und was man hätte besser machen können. Manche Sportler sind da zu negativ eingestellt. Ich versuche mich konstant daran zu erinnern, dass es auch positive Sachen gibt und wir uns auf diese positiven Dinge konzentrieren müssen.

Wie viel länger ist ein Arbeitstag in der Formel 1 als in der Formel 2?

Schumacher: Der Arbeitstag ist anders gestaltet. In der Formel 1 kommt viel mehr Medienarbeit dazu. An einem Donnerstag siehst du die Ingenieure nur morgens oder abends. Das ist aber in Vorbereitung für den Freitag wichtig. Deshalb sind die Tage länger.

In diesem Jahr fand generell nur wenig Weiterentwicklung statt, bei Haas gar nicht. Das wird 2022 eine neue Erfahrung für Sie?

Schumacher: Das wird neu sein, und darauf freue ich mich auch.

Mick Schumacher - Formel 1 - 2022
Wilhelm
Zum Ende des Jahres kam Schumi Jr. immer besser in Schwung.

Sind Sie das 2022er Auto schon im Simulator gefahren?

Schumacher: Im Moment noch nicht. Wir haben zur Zeit keinen eigenen Simulator. Das soll sich aber ändern für nächstes Jahr. Ich denke, ich werde erst beim Barcelona-Test das Auto zum ersten Mal fahren.

Sie kennen die Formel 1-Reifen aus der Formel 2. Sind die wirklich so anders und ist das möglicherweise ein Vorteil für Sie?

Schumacher: Es macht einen Unterschied. Das Auto wird sehr steif dadurch. Beim Bahrain-Test haben wir gemerkt, dass sich das ganze Auto dadurch auf den Kopf dreht. Vielleicht, weil wir auch die falschen Erwartungen hatten. Ob das ein Vorteil ist die zu kennen, denke ich eher nicht, weil die Formel 1-Reifen anders sein werden als die in der Formel 2.

Alle erwarten für den Neustart 2022, dass sich das Feld durcheinanderwürfelt und die Teams näher zusammenliegen. Kann Diese Rechnung aufgehen?

Schumacher: Die Hoffnung ist schon, dass alle enger beisammen sind und man gegeneinander fahren kann. Vielleicht wird das am Anfang so sein. Im Endeffekt werden sich die üblichen Teams wieder absetzen. Die Frage ist nur um wie viel.

Obwohl Haas mit der Entwicklung des 2022er Autos früher angefangen hat als alle anderen.

Schumacher: Es ist die große Frage, wie viel uns das bringt. Aber bei den anderen Teams arbeiten auch keine Pappnasen. Die wissen ja auch, wo es lang geht. Wir müssen abwarten. Hoffentlich haben wir etwas am Auto, das uns zumindest am Anfang einen kleinen Vorteil gibt.

Haas - F1-Auto 2022 - Team-Lackierung
Haas
Mit dem Haas-Renner für 2022 hofft Schumacher den Anschluss zum Mittelfeld herzustellen.

Wer ist Ihr Maßstab? Nur der Teamkollege?

Schumacher: Nein, ich glaube schon, dass wir uns auch andere Maßstäbe setzen können. Zum Beispiel daran, wie weit wir weg sind von den anderen Autos. Wir haben ja eine gute Idee davon, wie weit weg wir eigentlich sein sollten. Wenn wir näher dran sind als gedacht wissen wir, dass es ein gutes Wochenende war. In Brasilien sind wir in der Qualifikation Williams ziemlich nahe gekommen. Im Rennen hatten wir den Speed zeitweise vor ihnen zu fahren.

Gewinnen Sie daraus das Selbstvertrauen zu sagen: Wenn ich in dem oder dem Auto sitze, wäre ich genauso schnell oder schneller?

Schumacher: Jeder hat seinen Platz in der Formel 1 verdient. Hier kann jeder fahren. Ob man dann in einem Mercedes ein Rennen gewinnen kann, weiß man erst, wenn man wirklich drinsitzt. Es wäre anmaßend zu sagen, dass es so wäre.

Trotzdem Ihr erster Eindruck: Kochen in der Formel 1 auch nur alle mit Wasser oder gibt es da ein paar ganz ausgeschlafene Jungs?

Schumacher: Wahrscheinlich bin ich dafür noch nicht lange genug im Geschäft, um das zu beurteilen. Am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen mit guten und schlechten Tagen. Jeder hat eine andere Art von Talent, weil wir alles anders aufgewachsen sind. Wir haben alle unterschiedliche Erfahrungen in den Juniorkategorien gemacht und die haben uns geprägt. Deshalb sind wir alle unterschiedliche Fahrertypen.

George Russell war vor zwei Jahren bei Williams in einer ähnlichen Situation wie Sie. Er fuhr am Ende des Feldes ohne echte Zweikämpfe. Geht Ihnen das auch ab?

Schumacher: Mir fehlen sie schon. Aber wir sind nicht so weit weg wie die Williams 2019. Deshalb haben wir noch ein paar Zweikämpfe. Natürlich hätte ich gerne mehr, und natürlich hoffe ich, dass ich nächstes Jahr daran wachsen und mich entfalten kann.

Mick Schumacher - Abu Dhabi Test 2021
Jerry André
Die 18-Zoll-Reifen, die 2022 zum Einsatz kommen, kennt Mick Schumacher schon aus der Formel 2.

Es gab mit Teamkollege Mazepin ein paar Mal Konfliktstoff. Ist das Teil des Lernprozesses?

Schumacher: Das würde ich so sehen.

Wie gut stecken Sie Enttäuschungen weg?

Schumacher: Das verfolgt mich nicht sehr lange. Natürlich ist es wichtig, die negativen Sachen zu sehen und daraus zu lernen, aber ich versuche generell positiv zu denken und das mitzunehmen. In Mexiko lag ich zwar nach der ersten Kurve draußen, aber dafür waren wir vorher recht nah dran am Feld. Von den Sektorzeiten her hätten wir in der Qualifikation auf Platz 15 oder 16 landen können. Nikita sah im Rennen teilweise nicht so schlecht aus. Diesen Eindruck nehme ich mit aus Mexiko.

Können Sie auch Unfälle wie in Monaco oder Ungarn, die Sie die Qualifikation gekostet haben, schnell abstreifen?

Schumacher: Das gehört dazu. Was passiert ist, ist passiert. Ich werde es nicht ändern, auch wenn ich mich tagelang darüber ärgere. Meine Devise ist, so schnell wie möglich nach vorne blicken, damit ich mich auf das konzentrieren kann, was wichtig ist.

Wie sehr gibt es Ihnen Zuversicht, dass ein Russell, der drei Jahre lang in einem Team am Ende des Feldes gelernt hat, nächstes Jahr in einem Top-Auto sitzt?

Schumacher: Mein Fokus liegt auf dem nächsten Jahr. Alles andere ist zu weit weg. Ich muss erst einmal nächstes Jahr eine gute Leistung bringen. Wenn das der Fall ist, kann ich weiter in die Zukunft blicken.

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