Seit 2021 ist Mohammed Ben Sulayem FIA-Präsident. Nun treibt der 64-Jährige eine Änderung der Statuten des Weltverbandes voran, um die bisherige Amtszeitbegrenzung für das Präsidentenamt aufzuheben. Das berichten die Kollegen der "BBC". Damit könnte der Emirati über die derzeit maximal möglichen zwölf Jahre im Amt hinaus Präsident bleiben.
Nach den aktuellen Regeln dauert eine Amtszeit vier Jahre. Eine Person kann zweimal wiedergewählt werden und damit höchstens drei Amtszeiten absolvieren. Ben Sulayem wurde im Dezember 2025 ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt. Hintergrund war eine Besonderheit des Wahlverfahrens, die andere Kandidaturen faktisch verhinderte.
Über die geplante Statutenänderung soll bei der nächsten FIA-Generalversammlung im kommenden Juni dieses Jahres diskutiert und anschließend abgestimmt werden. Es wird damit gerechnet, dass die Mitgliedsverbände den Vorschlag annehmen.
Auf Nachfrage der "BBC" habe ein Sprecher der FIA erklärt, dass ein Vorschlag eingebracht wurde, um einen einheitlichen Umgang mit Amtszeiten in allen FIA-Gremien zu etablieren. Dies solle sich an dem orientieren, was für die Welträte und den Senat bereits gelte. Der Sprecher habe zudem betont, dass die Zustimmung der Welträte und der Generalversammlung erforderlich sei und dass die FIA-Gremien die Befugnis behielten, Amtsträger demokratisch zu wählen.
Nicht nur FIA-Präsidentenamt betroffen
Der Vorstoß betrifft nicht nur das Präsidentenamt. Zu den Funktionen, für die derzeit ebenfalls Amtszeitbegrenzungen gelten, zählen unter anderem der Präsident des Anti-Doping-Komitees sowie der Vorsitz des Komitees zur Kostenobergrenze in der Formel 1. Eingeführt wurde die Begrenzung von drei Amtszeiten durch Ben Sulayems Vorgänger Jean Todt. Todt hatte den Briten Max Mosley abgelöst, der von 1993 bis 2009 Präsident der FIA war und nach einem Konflikt mit Formel-1-Teams auf eine erneute Kandidatur verzichtete.
Auf Nachfrage, warum die FIA eine Abschaffung der Amtszeitbegrenzung für alle Posten anstrebe, statt Begrenzungen auch dort einzuführen, wo es sie bislang nicht gibt, habe der FIA-Sprecher keine konkrete Begründung abgegeben, so die BBC.
Kritik an dem FIA-Vorhaben äußerte Tim Mayer. Mayer war nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr durch die FIA-Wahlregeln daran gehindert worden, gegen Ben Sulayem zu kandidieren. Gegenüber der "BBC" hielt Mayer fest, Amtszeitbegrenzungen seien ein zentrales Instrument guter Regierungsführung. Sie sollten die Konzentration von Macht verhindern, Erneuerung ermöglichen und Rechenschaftspflichten stärken. Mayer verwies dabei auch auf das IOC, das diese Begrenzung als wichtiges Regierungsprinzip behandle.

FIA-Präsident Mohammed ben Sulayem sorgte schon für mehrere Aufreger.
Gegenkandidaten werden ausgebremst
Parallel zur Debatte über Amtszeiten liegen weitere mögliche Statutenänderungen auf dem Tisch, die die Hürden für Gegenkandidaten für das Präsidentschaftsamt erhöhen würden. Vorgesehen ist eine neue Anforderung, nach der Kandidaten ausreichende Erfahrung innerhalb eines FIA-Mitglieds oder einer FIA-Organisation nachweisen müssen. Außerdem soll die Frist zur Einreichung der Liste des vorgesehenen Vize-Präsidenten-Teams deutlich verlängert werden. Statt 49 Tagen vor dem Wahltermin sollen Kandidaten die Namen künftig 100 Tage vorher einreichen müssen. Kritiker sehen darin zusätzliche Erschwernisse für mögliche Herausforderer.
Die Diskussionen fallen in eine Phase wiederholter Kontroversen um Ben Sulayem und die Führung der FIA. Ein zentraler Punkt ist dabei eine Regel, nach der Präsidentschaftskandidaten ein Team mit potenziellen Vize-Präsidenten für Sport aus allen sechs globalen Regionen der FIA benennen müssen. Nach Darstellung der Kritiker führte die Personalkonstellation im vergangenen Jahr dazu, dass kein anderer Kandidat alle Regionen besetzen konnte. Eine potenzielle Kandidatin, Laura Villars, lässt das Wahlverfahren derzeit vor französischen Gerichten überprüfen.





