F-Schacht feiert Comeback: MotoGP kopiert alten Formel-1-Trick

F-Schacht feiert Comeback
MotoGP kopiert alten Formel-1-Trick

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.03.2026
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Aprilia hat beim ersten MotoGP-Rennen der Saison in Thailand direkt für Aufsehen gesorgt. Marco Bezzecchi gewann den Auftakt überlegen. Auch auf den Plätzen drei, vier und fünf rollten Fahrer mit Aprilia-Bikes über den Zielstrich. Die kleine italienische Marke hat damit eine echte Kampfansage an die Dauersieger von Ducati abgegeben.

Ein Faktor für den Erfolg ist die ausgetüftelte Aerodynamik der neuen Aprilia RS-GP26. Kurz vor dem Beginn der Saison brachten die Ingenieure ein Technik-Update an das Bike, das starke Erinnerungen an die Formel 1 weckt. Genauer gesagt an McLarens legendären F-Schacht aus dem Jahr 2010.

Im Kern geht es um ein Luftkanalsystem unter der Verkleidung, dessen Öffnung der Fahrer auf den Geraden mit dem Unterarm oder dem Ellbogen verschließt. So kann er aktiv zwischen zwei Aero-Zuständen wechseln: Maximaler Abtrieb für Kurven oder reduzierter Luftwiderstand für Topspeed. So etwas kannte man bislang eher aus der Königsklasse des Automobilsports.

In den vergangenen Jahren ist die Aerodynamik der MotoGP zu einem wichtigen Faktor geworden. Statt eines möglichst geringen Luftwiderstands kam immer mehr die Maximierung des Abtriebs in den Fokus. Damit verbessert sich die Stabilität. Und die Kurvengeschwindigkeiten werden höher. Natürlich bedeutet Abtrieb in den meisten Fällen auch mehr Luftwiderstand. Die Flügel stehen auf den Vollgaspassegen störend im Wind.

Aprilia RS-GP26 - MotoGP - Aero-Trick - 2026
Gold and Goose via Getty Images

F-Schacht schnell verboten

Konventionelle Aero-Elemente können beides jedoch nicht gleichzeitig liefern. In der Formel 1 wurde viel mit flexiblen Flügeln experimentiert. Die Einführung des DRS gab zumindest dem angreifenden Fahrer die Möglichkeit, den Luftwiderstand auf Knopfdruck zu senken. Mit den neuen Regeln für 2026 dürfen nun alle Piloten bei Aktivierung des "Straight-Line-Modus" die Flügel flachstellen, und zwar vorne und hinten.

2010 hatten sich die McLaren-Ingenieure eine besonders clevere Lösung ausgedacht, um die Aerodynamik in Kurven und Geraden unterschiedlich zu beeinflussen. Beim sogenannten F-Schacht (siehe Galerie) nutzten die Ingenieure ein ausgeklügeltes Kanalsystem, bei dem der Fahrer per Hand oder Knie einen Luftstrom umlenkte, um die Strömung am Heckflügel abreißen zu lassen und damit den Luftwiderstand zu senken. Bewegliche Aero-Teile waren verboten, der Fahrer selbst durfte sich aber natürlich bewegen.

Der F-Schacht-Spuk wurde den Regelhütern aber irgendwann unheimlich. Onboard-Aufnahmen zeigten zum Beispiel, wie Piloten mit nur einer Hand am Lenkrad durch die Eau-Rouge-Passage in Spa-Francorchamps schossen, weil sie mit der anderen Hand die Öffnung im Luftkanal verschließen mussten. Das wurde als potenziell gefährlich eingestuft. Der Trick wurde schließlich nach nur einer Saison verboten.

Aprilia RS-GP26 - MotoGP - Aero-Trick - 2026
Gold and Goose via Getty Images

Kanal wird mit Ellenbogen verschlossen

Das System von Aprilia ist deutlich simpler, folgt aber dem gleichen Grundgedanken. An der Frontverkleidung befinden sich zwei Lufteinlässe. Die Strömung wird durch die Verkleidung geführt. Seitlich vom Tank kann der Fahrer eine ovale Öffnung des Kanals beim engen Anschmiegen an sein Bike auf der Geraden mit dem Ellbogen verschließen.

In Kurven ist die Körperhaltung offener, der Kanal bleibt somit frei. Die Luft strömt dann weiter hinten aus und unterstützt die Aero-Elemente im Heckbereich. Das soll für mehr Abtrieb sorgen. Wird der Kanal auf den Geraden verschlossen, fließt die Luft nach unten zu drei kiemenförmigen Öffnungen, wo sie einfach nach außen austritt.

Beim Auftakt-Wochenende in Thailand konnte man gut erkennen, dass der Trick funktioniert. Die Aprilia-Piloten lagen in den Top-Speed-Tabellen immer relativ weit vorne. Andere Fahrer hatten im Rennen sichtlich Probleme, auf den Geraden an der RS-GP26 vorbeizukommen. Nur KTM-Pilot Pedro Acosta konnte einen Vierfach-Sieg der Aprilia-Piloten verhindern.

Reglementtechnisch bewegt sich Aprilia aktuell noch auf sicherem Terrain. Es gibt keine beweglichen Aero-Bauteile. Und im Gegensatz zur Formel 1 kann man einem MotoGP-Fahrer auch keinen Vorwurf machen, wenn er sich auf seinem Bike bewegt. Er muss sowieso ständig seine Haltung ändern. Man darf gespannt sein, ob die Regelhüter den Spuk wie in der Formel 1 nach nur einem Jahr beenden.

Fazit